Bereits im vergangenen Jahr machten sich zahlreiche palästina-solidarische Aktivist:innen mit der Global Sumud Flotilla auf den Weg nach Gaza um die anhaltende israelische Blockade zu durchbrechen. Nun starteten 60 neue Boote über das Mittelmeer.
Die Global Sumud Flotilla ist ein internationales Projekt zur Durchbrechung der illegalen israelischen Blockade des Gaza-Streifens. „Sumud“ heißt auf Arabisch so viel wie „Standhaftigkeit“ und präsentiert damit die Haltung all derer, die auf den Booten in Richtung Gaza segeln. Das Projekt und insbesondere die Repression des israelischen Staates dagegen hat bereits im vergangenen Jahr für internationale Aufmerksamkeit gesorgt.
„Das Ziel der Mission ist es, die Komplizenschaft zu entlarven, die Gaza-Blockade zu brechen und den Genozid zu beenden“, fasst Saif Abukeshek, Aktivist der Flotilla die Ziele zusammen. So soll auch im Frühjahr 2026 weiterhin das Brechen der Seeblockade, die Lieferung lebenswichtiger Hilfen und der Aufbau eines zivilen Seekorridors auf der Tagesordnung stehen. Ebenso wie Hilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur in Gaza und die Konfrontation verschiedener Regierungen mit ihrer Mittäterschaft an den von Israel verübten Verbrechen.
Größte Flotte bisher
Dabei sollen nicht nur Schiffe, sondern auch Überlandkonvois unter anderem aus Asien und Nordafrika mit insgesamt mehreren Tausend Menschen an der Zielerreichung mitwirken. Teams aus Mediziner:innen sollen aus mehreren Hundert Personen bestehen. Auch unabhängige Ermittler:innen für Kriegsverbrechen versuchen nach Gaza vorzudringen.
Die Organisation Greenpeace ist ebenfalls ein Teil der Mission. Ihr Schiff, die „Arctic Sunrise“ soll operative und technische Hilfe für die bis zu 100 anderen Boote bereitstellen. Die „Arctic Sunrise“ stach in Barcelona am 13. April in See und hält auf ihrem Weg in Sizilien und auf Kreta. Aktuell sind 60 Boote unterwegs, einige von ihnen starteten in der vergangenen Woche auf Sizilien. Die Organisator:innen erklärten, dass die aktuelle Flotilla nach der Anzahl der beteiligten Schiffe die größte bisher werden soll.
Hungerstreikende in Berlin fordern: „Freiheit für die Gefangenen der Global Sumud Flotilla!“
Einen ersten Erfolg konnten die Organisator:innen der Sumud Flotilla bereits vermelden. Sie erklärten, das Frachtschiff MSC Maya im Mittelmeer zur Umleitung gezwungen zu haben. Es befand sich auf dem Weg zu den israelischen Häfen Ashdod und Haifa. Nach Angaben der Organisator:innen hat das Schiff Rohmaterialien geladen, die Israel für die eigene Kriegsindustrie benötigt. Mittlerweile befindet es sich jedoch in einem israelischen Hafen.
Angriffe auf die Flotilla
Im vergangenen Herbst kam es zu illegalen Angriffen auf die Boote und die Aktivist:innen durch den israelischen Staat. Im Mai 2025 wurde die „Conscience“, ein Schiff der Mission, von einem Sprengsatz aus der Luft getroffen. Gegen den Angriff vor Malta gab es anschließend keine strafrechtlichen Ermittlungen. Anfang September 2025 sollen zwei Schiffe in Tunesien zweimal von Drohnenangriffen und Brandsätzen getroffen worden sein, welche jedoch gelöscht werden konnten. Konvois auf dem Landweg wurden vom Militär in Libyen und Ägypten gestoppt.
Bisher wurden alle Versuche, Gaza per Schiff zu erreichen vom israelischen Militär in internationalen Gewässern gestoppt. So wurden im Oktober 2025 mehrere Schiffe kurz vor der Küste Gazas abgefangen und die Besatzung vom israelischen Militär entführt. Dabei wurden die Aktivist:innen teils schwer misshandelt.
Gewalt gegen Aktivist:innen
Die international bekannte Aktivistin Greta Thunberg wurde unter anderem an Haaren gezogen, geschlagen und gezwungen die israelische Flagge zu küssen. Anderen Inhaftierten wurde der Rechtsbeistand ebenso wie Wasser und Essen verwehrt oder sie wurden immer wieder gewaltvoll geweckt, wenn sie einschliefen. Widerstand führte zu Bestrafungen, wie stundenlanges auf dem Boden knien für das Rufen der Parole „Free Palestine“.
Vergewaltigung in israelischer Gefangenschaft: „Es hat meinen Willen nicht gebrochen“
Anna Liedtke, eine deutsche Journalistin und Aktivistin bei der Frauenorganisation Zora, berichtete für Perspektive Online damals live von der Flotilla. Sie wurde am 8. Oktober ebenfalls vom israelischen Staat inhaftiert. Im Dezember vergangen Jahres erhob sie ihre Stimme gegen die sexualisierte Gewalt in israelischen Gefängnissen, die gezielt verwendet wird, um den Widerstand der Inhaftierten zu brechen. Sie berichtet selbst davon, bei einer Gefängnisverlegung vergewaltigt worden zu sein. Doch ebenso stellte sie klar, dass dies ihren Willen nicht brechen konnte.
Davon wollen sich die Teilnehmer:innen der aktuellen Flotilla ebenfalls nicht unterkriegen lassen. Vorab haben alle Besatzungen der Boote ein intensives Training absolviert, um den Umgang mit Kräften des israelischen Staates zu trainieren.

