Organisieren wir uns gegen faschistische Gewalt!

In den letzten Wochen haben Neonazis in mehreren Städten linke Personen körperlich angegriffen – zum Teil mit Machete und Schlagring. Nicht nur im Parlament, sondern auch auf der Straße gewinnt der Faschismus an Aufwind: All das zeigt, wie notwendig antifaschistische Organisierung heute ist. – Ein Kommentar von Tabea Karlo.

Berlin, Erfurt und Cottbus – das ist nur ein Teil der Städte, in denen es in den letzten Wochen zu organisierten Angriffen auf politisch aktive Personen durch Faschist:innen gekommen ist.

In Berlin kamen die beiden Angreifer vermutlich aus einer bekannten rechten Kneipe. Nach ein paar Kommentaren zog eine der Personen eine Machete und schlug einer jungen Person mit der flachen Seite ins Gesicht. Anschließend schlugen sie einer jungen Frau mit der scharfen Seite der Machete auf den Kopf. Als sie noch einmal ausholten und mit der Machete auf ihren Kopf zielten, riss sie ihre Arme hoch und erhielt dadurch einen Schnitt über die Unterarme.

Nach Machetenangriff in Berlin: Antifaschistischer Selbstschutz wichtiger denn je

In Erfurt wurde gezielt ein junger Kommunist mit einem Schlagring angegriffen und in Cottbus kam es zuletzt zur Bedrohung eines evangelischen Pfarrers durch Neonazis vor seiner Wohnung. Gemeinsam mit einer Zunahme an rechten Aktionen wie Demonstrationen und Veranstaltungen zeigen uns diese Angriffe, dass das Aufstreben des Faschismus sich nicht nur auf das Parlament beschränkt.

Eine zunehmende Gefahr – im Parlament und auf der Straße

Auf der parlamentarischen Ebene zeigt sich die zunehmende Zustimmung zu faschistischer Politik in den Umfragezahlen der AfD. Allerdings zeigt sich der Rechtsruck im Parlament auch dadurch, dass immer mehr Parteien konkrete Vorschläge der AfD übernehmen, unterstützen, mit ihr zusammenarbeiten oder selbst mit rechten Gesetzen nach vorne preschen. Sei es mit der Verschärfung von Polizei- und Versammlungsgesetzen oder der Einschränkung der Rechte von Geflüchteten und LGBTI+. Und auch die rechte Rhetorik, die uns anhand von Herkunft, Geschlecht und sozialem Status spalten soll, um den Sozialabbau durchzudrücken, ist Teil dieser Entwicklung.

In Stadt und Land sehen wir zusätzlich, dass immer mehr Menschen bereit sind, die faschistische Bewegung nicht nur mit einem Kreuz zu unterstützen, sondern direkter Teil von ihr zu werden. Es entstehen immer mehr rechte Jugendgruppen und die gewaltvollen Angriffe auf Migrant:innen, LGBTI+ und fortschrittlich politisch aktive Menschen nehmen zu.

Das macht berechtigterweise Angst. Es ruft ein Gefühl der Lähmung hervor. Schon jetzt stellt sich das Gefühl ein, dem Aufstreben des Faschismus wenig bis nichts entgegensetzen zu können. Doch gerade die Reaktion auf die Angriffe der letzten Wochen zeigt uns, dass das nicht stimmt. Wir haben Alternativen, und wenn sich die Menschen, die dem Faschismus etwas entgegensetzen wollen, organisieren, haben wir auch eine Chance.

Wie wehren wir uns gegen den Faschismus?

In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie Hunderttausende auf die Straßen geströmt sind, um gegen die AfD zu demonstrieren. Auch als spontane Reaktion auf die Angriffe in den letzten Wochen sind in Berlin 700 Personen zu einer Demonstration erschienen und in Erfurt wurden bereits einen Tag nach dem Angriff 200 Personen mobilisiert. Als Antifaschist:innen in Deutschland haben wir ganz konkret die Aufgabe, uns zu organisieren und immer mehr Menschen in den aktiven Kampf gegen den Faschismus einzubeziehen. Nur dann können wir den kurzfristigen gewaltvollen Angriffen, den mittelfristigen Angriffen auf unsere Rechte und der langfristigen Perspektive des Wiederaufbaus eines faschistischen Deutschlands etwas entgegensetzen. Doch wo fangen wir an?

200 Antifaschist:innen bei Erfurter Demonstration für angegriffenen Jugendlichen

Eine Seite ist, dass sich viele Menschen dem Faschismus zuwenden, weil sie konkrete Probleme des Kapitalismus zu spüren bekommen. Krieg, Senkung des Lebensstandards, Vereinsamung und so weiter. Von der fortschrittlichen Seite aus ist es also wichtig, sich nicht nur im Konkreten gegen den Faschismus zu wenden, sondern auch eine gesellschaftliche Alternative zu entwickeln, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Hierbei geht es sowohl darum, eine langfristige Perspektive zu entwickeln, also die Frage zu beantworten, in welchem Gesellschaftssystem wir statt des Kapitalismus leben wollen. Aber auch darum, aufzuzeigen, dass sich fortschrittliche Menschen und Organisationen – ganz im Gegensatz zu den Faschist:innen – tatsächlich für die Interessen und Belange der Arbeiter:innenklasse interessieren.

Alleine machen sie dich ein

Unsere Mitmenschen gegen den Faschismus zu organisieren, bedeutet also auch, mit ihnen den Kampf gegen die Probleme zu führen, die sie im Alltag erleben. Es bedeutet, ganz direkt zu zeigen, was Solidarität bedeutet. In Verbindung damit gilt es dann, den Faschismus überall zu entlarven, wo er verspricht, Probleme zu lösen, und aufzuzeigen, dass die rechte Bewegung nicht mehr zu bieten hat als Hass und Hetze.

2026: Faschismus im Aufschwung – was tun wir?

Auf der anderen Seite dürfen wir auch den konkreten Kampf gegen den Faschismus nicht vernachlässigen. Der faschistischen Bewegung müssen möglichst viele Steine in den Weg gelegt werden und ja, das bedeutet auch, ihr Zusammenkommen und ihre Organisierung zu erschweren. Es bedeutet die Blockade von Parteitagen und Gründungstreffen in Stadt und Land. Es bedeutet auch, antifaschistischen Selbstschutz aufzubauen, mit dem wir uns selbst und alle Teile unserer Klasse, die angegriffen werden, schützen. Antifaschistischer Selbstschutz kann nicht nur die Aufgabe kleiner Antifa-Gruppen sein, sondern auch hier müssen immer mehr Menschen einbezogen werden und lernen, sich auch selbst zu verteidigen.

Alles in allem ist klar: Dem Faschismus können wir nur etwas entgegensetzen, wenn wir uns organisieren – also verlieren wir keine Zeit!

Tabea Karlo
Tabea Karlo
Perspektive-Autorin seit 2017, lebt in Hamburg. Berichtet schwerpunktmäßig über den Frauenkampf und soziale Fragen. Politisiert über antifaschistische Proteste, heute vor allem in der klassenkämpferischen Stadtteilarbeit aktiv.

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!