Schah-Sohn Pahlavi in Berlin: Erst belehrt er Journalist:innen, dann wird er mit Sauce beworfen

Der Sohn des gestürzten iranischen Monarchen Reza Pahlavi ist aktuell auf PR-Tour in Deutschland. Er lieferte einen denkwürdigen Auftritt auf der Bundespressekonferenz ab. Anschließend wurde er mit Tomatensauce beworfen.

Im Jahr 1979 wurde mit der Islamischen Revolution die Monarchie im Iran gestürzt. Die Herrscherdynastie der Pahlavis musste nach über 50 Jahren an der Macht ins Exil fliehen. Nachdem der letzte amtierende Schah Mohammad Reza kurz nach der Flucht starb, versteht sich sein heute 65-jähriger Sohn Reza Pahlavi weiterhin als rechtmäßiger Thronfolger im Iran.

Der ehemalige Kronprinz Pahlavi verbrachte den Großteil seines Lebens in den USA. Dort hat er, besonders unter Exil-Iraner:innen, viele Unterstützer:innen. Sie erkennen den Sturz der Monarchie im Land nicht an und fordern eine Machtübernahme Pahlavis. Das politische Programm der Anhänger:innen Pahlavis sieht auf dem Papier demokratische Institutionen vor.

Dennoch wäre der Schah-Sohn mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Teil des Programms Pahlavis sind auch enge Beziehungen des Irans zu den USA und Israel, eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die Leugnung eines multiethnischen Irans und die Unterdrückung progressiver politischer Kräfte.

Monarchistische Anhängerschaft im Exil

Die größtenteils aus dem Exil agierenden Monarchist:innen rufen immer wieder zum kriegerischen Umsturz der aktuellen iranischen Regierung auf. Reza Pahlavi unterstützte etwa öffentlich die Kriege der USA und Israel gegen den Iran 2025 und seit März 2026. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Unterstützer:innen Pahlavis. Zu einer Großdemonstration im Februar in München kamen über 100.000 Protestierende. Sie hielten Schilder mit Fotos von Pahlavi und schwenkten die Fahne des alten monarchistischen Staates.

Mehr als Mullahs und Monarchie: Das politische Spektrum im Iran

Auch bei der diesjährigen Münchener Sicherheitskonferenz war, statt Mitgliedern der iranischen Regierung, Reza Pahlavi anwesend. In einer Pressekonferenz skizzierte er einen Machtwechsel unter seiner Herrschaft im Iran. Auch die US-Regierung brachte im Zuge der Kriege gegen den Iran immer wieder Pahlavi als Machthaber nach einem erfolgreichen militärischen Umsturz ins Spiel. Doch mittlerweile ist Präsident Donald Trump auf Distanz zum Kronprinzen als baldigem Herrscher im Iran gegangen.

Pahlavi auf PR-Tour in Berlin

Aktuell ist Reza Pahlavi zu einem öffentlichkeitswirksamen Besuch in Deutschland zu Gast. Im Berliner Regierungsviertel traf er sich am gestrigen Donnerstag mit Bundespolitiker:innen und nahm an der Bundespressekonferenz teil. Einen offiziellen Empfang durch die Bundesregierung gab es jedoch nicht. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach sich gegen den politischen Empfang einer „Privatperson“ aus. Die PR-Tour Pahlavis in Deutschland wird etwa auch von der pro-zionistischen Lobbyorganisation Europe Israel Press Association (EIPA) unterstützt.

Prominentester Partner eines Treffens mit Pahlavi war der ehemalige Kanzlerkandidat und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Armin Laschet (CDU). Während Teile der CDU Pahlavi ablehnen, gilt Laschet als Unterstützer des Kronprinzen. Gegenüber der ARD erklärte er: „Ich bin überzeugt, dass er eine Person sein kann, die einen Übergang leitet.“

Tausende Menschen demonstrierten rund um das Regierungsviertel entweder für oder gegen den Besuch Pahlavis. Am Platz der Republik sprach Pahlavi vor tausenden Anhänger:innen und warb erneut für Unterstützung beim Sturz des iranischen Regimes. Zuvor sprachen auch Politiker:innen von CDU, SPD und FDP. Zu hören war dabei etwa auch die Parole „Tod den drei Korrupten – den Mullahs, den Linken, den Mudschahedin“. Etwa hundert Personen protestierten am Brandenburger Tor mit Fahnen des aktuellen iranischen Staates unter dem Motto „Hände weg von Iran“.

Ein Protestierender kam am Nachmittag ganz nah an Pahlavi heran und warf vor dem Gebäude der Bundespressekonferenz von hinten mit Tomatensauce auf ihn. Noch vor Ort wurde der mutmaßliche Täter in Gewahrsam genommen. Ihm werden Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung gegen Personen des politischen Lebens vorgeworfen.

BPK distanziert sich von Positionen

Zu denkwürdigen Szenen kam es auch beim Besuch Pahlavis auf der Bundespressekonferenz (BPK). Zu Beginn sah sich der Vorsitzende der BPK, Mathis Feldhoff, zu einem einordnenden Statement zu den Kontroversen rund um Pahlavi gezwungen: Die BPK wolle einen Austausch schaffen, sich aber nicht mit den Positionen Pahlavi gemein machen.

In seinem 20-minütigen Statement zu Beginn rief er erwartbar zu einer harten Haltung Deutschlands gegenüber der Islamischen Republik Iran auf. Er bekräftigte, dass mit dem Regime kein Frieden möglich sei. Auch eine „abgeschwächte Version des Systems“ könne keine Stabilität geben.

In den abschließenden Fragen an Pahlavi zeigte er sich jedoch in Teilen wenig souverän und begann die Fragen stellenden Journalist:innen zu belehren. Die taz-Journalistin Pauline Jäckels wies z.B. auf zwei widersprüchliche Aussagen Pahlavis hin: Einerseits habee er sich öffentlich gegen eine militärische Intervention im Iran gestellt, in einem anderen Interview warb er jedoch dafür. Auf die Frage, ob er sich verantwortlich für die vielen zivilen Toten im Iran fühle, antwortete dieser mit einem Vorwurf.

Pahlavi gegen Journalist:innen

Er erklärte der Journalistin, das iranische Volk habe sich die Bombardierungen gewünscht, und sie sollte sich umgekehrt bei den Iraner:innen für ihre „Untätigkeit“ in den letzten 47 Jahren und ihre angeblichen Beschwichtigungen dem iranischen Regime gegenüber entschuldigen. Anschließend versuchte er die – laut BPK erlaubte – Nachfrage zu unterbinden. Im Stile Donald Trumps erklärte Pahlavi: „Ich glaube, sie haben jetzt genug Fragen gestellt.“

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In einer Nachfrage wurde Pahlavi mit einem Social Media Post seiner Ehefrau konfrontiert, in der sie zu „Death to the Left“ aufgerufen hatte. Er erklärte anschließend, sich nicht von dem Statement distanzieren zu wollen, es aber auch nicht zu unterstützen. Danach versuchte er erneut die Journalist:innen im Raum zu belehren und suggerierte, sie würden von „Fake-News-Kampagnen“ durch das iranische Regime im Internet geködert und machten ihre Arbeit nicht richtig.

Pahlavi trommelt für Fortsetzung des Krieges

Außerdem wirft Pahlavi den anwesenden Medien vor, zu viel über die Opfer des Kriegs und zu wenig über die Opfer der niedergeschlagenen Proteste Anfang des Jahres zu berichten. Angeblich entscheide die Berichterstattung deutscher Medien über Leben und Tod der Bevölkerung im Iran.

Er sehe weiterhin eine Chance für das Ende des Regimes und setze sich daher für eine Fortsetzung des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran ein. Auf Nachfragen erklärte er, ein Scheitern sehe er nicht im gescheiterten Umsturz der USA und Israel, sondern in den aktuell pausierten Kriegshandlungen. Pahlavi sprach davon, die Menschen müssten sich „die Straßen zurückholen“. Wie das während des Bombenhagels funktionieren soll, erklärte er nicht.

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