Die USA und der Iran haben sich in der Nacht auf Mittwoch auf eine Waffenruhe geeinigt. Die Straße von Hormus soll wieder geöffnet werden – unklar bleibt, wer die Kontrolle über die Meerenge dabei hat. Zugleich intensiviert Israel seine militärische Offensive auf den Libanon.
Der US-amerikanische Präsident Donald Trump verkündigte in der Nacht zum Mittwoch auf seiner Plattform Truth Social die Vereinbarung einer zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran. Die Ankündigung erfolgte knapp 90 Minuten vor der Deadline, welche Trump dem Iran setze, um eine Übereinkunft zu finden. Zuvor drohte er mit einer verheerenden Offensive, in einem Ausmaß wie nie zuvor in diesem Konflikt, sollte bis Mittwoch um 02:00 Uhr kein Deal entstehen, der die Öffnung der Straße von Hormus vorsieht. „Eine ganze Zivilisation wird sterben“, warnte er.
Bei einer Pressekonferenz am Montag äußerte sich Trump wie folgt: „Das gesamte Land kann in einer Nacht ausgelöscht werden – und diese Nacht könnte [am Mittwoch] sein“. Laut ihm gäbe es einen Plan, wie jede Brücke und jedes Kraftwerk im Iran zerbombt werden könne.
In seinem Post nennt Trump den pakistanischen Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif als Mediator, also Gesprächsführer, zwischen den beiden Ländern. Kürzlich nach seiner Ankündigung bestätigte auch der Außenminister Irans, Abbas Araghchi, auf der Plattform X die Waffenruhe. „Wenn die Angriffe gegen den Iran stoppen, so werden unsere starken, bewaffneten Truppen ihre Defensivoperationen beenden“, schrieb er.
Hintergrund des Krieges waren die Angriffe der USA und Israel, die zunächst unter dem Vorwand eines Regimewechsels und vermeintlicher Atomwaffen im Iran standen. Schon Wochen vor dem Überfall am 28. Februar hatten die USA das größte Militäraufgebot seit dem Irakkrieg 2003 in Westasien aufgefahren. Seit der iranischen Revolution von 1979 haben die Vereinigten Staaten einen wichtigen Bündnispartner und ihren Halt in der Region verloren. Für Israel stellt der Iran einen strategischen Konkurrenten in der Region dar und hat in den vergangenen Jahren Proxy-Gruppen wie die palästinensische Hamas, die libanesische Hisbollah oder die jemenitischen Houthi unterstützt.
Zehn-Punkte-Plan steht zur Verhandlung
Der Iran legte einen Zehn-Punkte-Plan vor, welchen Trump als eine „gute Basis zum Verhandeln“ bezeichnete. Laut aktuellen Berichten habe man sich auf die Mehrheit dieser Punkte geeinigt und es wird ein 15-Punkte-Plan ausgearbeitet. Am Freitag werden die Verhandlungsgespräche in Islamabad, Pakistan, beginnen.
Auf folgende zehn Punkte sollen sich die Gespräche beziehen:
- Die USA sollen sich gegenüber dem Iran verpflichten, „Aggressionen“ einzustellen.
- Der Iran verlangt die dauerhafte Kontrolle über die Straße von Hormus.
- Der Iran verlangt, dass ein Recht auf Urananreicherung akzeptiert wird.
- Alle Primärsanktionen gegen den Iran sollen enden.
- Alle Sekundärsanktionen gegen den Iran sollen enden.
- Alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, die den Iran betreffen, sollen aufgehoben werden.
- Alle Resolutionen des Führungsgremiums der Internationalen Atomenergiebehörde gegen den Iran sollen enden.
- Der Iran verlangt Kompensationszahlungen für dem Land entstandene Schäden.
- US-Truppen sollen sich aus „der Region“ zurückziehen.
- Der Krieg soll an allen Fronten enden, auch für den „heroischen islamischen Widerstand im Libanon“.
In vorherigen Gesprächen wurden mehrere Forderungen seitens der Vereinigten Staaten abgelehnt, die nun am Freitag zur Debatte stehen sollen.
Öffnung der Straße von Hormus vorgesehen
Einer der wichtigsten Punkte für die USA ist die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden circa 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls und Flüssiggases (LNG) verschifft. Seit Beginn der Angriffe hat der Iran den Seeweg zwar nicht physisch blockiert, allerdings fordern nach Angaben von Reedern iranische Stellen Schiffe in Funksprüchen jedoch dazu auf, die Passage zu meiden, und drohen andernfalls mit dem Entern der Schiffe. Infolge der faktischen Schließung der Straße von Hormus sind weltweit Gas- und Spritpreise gestiegen.
Der Iran stimmte der Öffnung der Straße von Hormus zu und kündigte an, die Durchfahrten während der Waffenruhe zu erlauben, solange sie mit dem iranischen Militär koordiniert werden. Damit wollen sie die Straße von Hormus unter ihre Kontrolle bringen. Zusätzlich werden dem Iran und Oman gestattet, Kosten für Schiffe zu erheben, die den Durchgang nutzen – bis zu 2 Millionen Euro pro Schiff. Das Geld soll dann zum Wiederaufbau des Irans genutzt werden.
Mehrere Länder äußerten sich zur Waffenruhe, so auch die Golfstaaten, Irak, Türkei, der Sudan, Ägypten und viele mehr. Dabei drückten sie primär ihre Freude über die Waffenruhe aus und hoffen, dass dies einen Schritt zu „produktiven Gesprächen“ darstellt.
Israel – kein Teil des Deals?
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu unterstützt die Entscheidung der USA, eine Waffenruhe einzugehen, und äußerte, dass Israel hinter ihrem Verbündeten stehe. In einem Statement auf X bestärkte er Trumps Bestrebungen, die „nuklearen und militärischen Gefahren“, welche vom Iran ausgingen, auszulöschen.
Jedoch äußerte er auch, dass die Waffenruhe und die vereinbarten Punkte nicht für Israel gelten. Speziell handelt es sich hierbei um die Angriffe des israelischen Militärs auf den Libanon. Währenddessen bombten sie die Stadt Srifa, welche in der südlichen Region Tyra liegt. Zudem forderten israelische Streitkräfte die Zivilist:innen in der Region zur Evakuierung auf.
Am 2. März griff die Hisbollah Israel erstmals seit rund einem Jahr mit Raketen und Drohnen an. Damit reagierten sie auf die Ermordung des iranischen Oberhaupts Ayatollah Ali Khamenei in Teheran. Israel intensivierte daraufhin seine nahezu täglichen Angriffe auf den Libanon. Ein israelischer Militär kündigte an: „Wir werden im Libanon tun, was wir in Gaza getan haben.“ Laut libanesischen Behörden sind seit dem 2. März bereits mehr als 1.500 Menschen durch die Angriffe gestorben, 1,2 Millionen weitere wurden vertrieben.
Israelische Angriffe auf den Libanon: Fast ein Fünftel der Bevölkerung vertrieben
Netanyahus Aussage steht im Widerspruch zu der Übereinkunft zwischen den USA und dem Iran, in der die Angriffe auf iranische Verbündete auch gestoppt werden sollten. Zudem äußerte Sharif, dass sich die Waffenruhe auch auf den Libanon beziehe „und darüber hinaus“.
Medienberichten zufolge habe auch der Iran erwogen, die Feuerpause zu brechen und Israel als Reaktion auf die Angriffe auf den Libanon zu attackieren.
Jederzeit angriffsbereit
In einem kurzen Austausch mit AFP, einer französischen Nachrichtenagentur, bezeichnet Trump den Deal als „totaler und kompletter Sieg. 100 Prozent“. Auch in den iranischen Nationalmedien wird von einem Erfolg gesprochen. Gleichzeitig äußern beide Regierungen, dass sie bei einem Bruch des Abkommens wieder angriffsbereit wären und die militärischen Offensiven erneut starten würden.
Derweil bleibt offen, welche Punkte neu diskutiert werden. Besonders die Frage, unter welcher Kontrolle die Straße von Hormus geöffnet wird, bleibt brisant. Trump meinte am heutigen Tage dazu, dass man das als „Gemeinschaftsprojekt“ umsetzen könne – also Iran und USA gemeinsam.
Auch Merz meinte in einem Statement, Deutschland wäre bereit, dabei zu unterstützen: „Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Hormus-Straße zu gewährleisten.“ Aus Nato-Kreisen soll es laut Berichten des Handelsblatt heißen, dass „vieles dafür spreche, das als Nato-Mission zu organisieren.“
Zusätzlich stehen die täglichen Angriffe Israels auf den Libanon noch offen und inwiefern Israel an das Abkommen gebunden ist.
Sollten die ersten Verhandlungsgespräche also scheitern, so wird der Krieg in Westasien höchstwahrscheinlich erneut ausbrechen und die Sperrung des Handelsweges wird anhalten – mit schweren Folgen für die iranische Bevölkerung und die Öl- und Gaspreise weltweit.

