In über 70 Städten fanden am Karsamstag Ostermärsche statt. Auch revolutionäre Organisationen beteiligten sich, doch die Märsche sind noch weit von ihrem historischen Höhepunkt entfernt.
Am gestrigen Karsamstag, dem diesjährigen Hauptaktionstag der Ostermärsche, fanden Aktionen in über 70 Städten der Bundesrepublik Deutschland statt. Das Netzwerk Friedenskooperative, die Organisation, die in vielen Städten die tragende Kraft der Ostermärsche ist, rief dieses Jahr unter dem Motto „Kriege verweigern – Frieden schaffen“ zu Aktionen auf.
Der größte Ostermarsch fand in Berlin statt und wurde laut Angaben der Veranstalter:innen von über 6.000 Menschen begangen. In anderen Städten, wie in Stuttgart, fiel der Ostermarsch ähnlich groß aus. Dort nahmen rund 5.000 Personen an dem Protest teil.
Auch am Gründonnerstag und Karfreitag hatten bereits Ostermärsche in verschiedenen Städten stattgefunden. Bisher zieht das Netzwerk eine positive Bilanz und rechnet auch mit einer guten Resonanz an den verbleibenden beiden Aktionstagen am Sonntag und Montag.
Schwarzer Regen im Iran – Wie der Krieg in Westasien die Umwelt zerstört
Inhaltlich standen dieses Jahr besonders der Krieg im Iran, die Wiedereinführung des „freiwilligen” Wehrdienstes, der Ukrainekrieg, der Genozid in Gaza, sowie die zur Finanzierung der Aufrüstung durchgeführten Sozialkürzungen im Mittelpunkt der Ostermärsche. Der Großteil der Bewegung vertritt dabei den pazifistischen Charakter und lehnt Gewalt schlechthin ab.
Neben dem Netzwerk Friedenskooperative riefen auch die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegner:innen und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bundesweit zu den Ostermärschen auf. Auffällig beim DGB ist dabei, dass fast ausschließlich die USA, China und Russland und deren Machtbestrebungen für die aktuelle Weltlage verantwortlich gemacht werden und die Militarisierung in Deutschland nicht angeprangert wird.
Ostermärsche noch lang nicht wieder auf früherem Niveau
Die Ostermärsche gibt es bereits seit 1960. Sie richteten sich ursprünglich gegen Atomanlagen und den Vietnamkrieg, später dann gegen die Wettrüstung im Kalten Krieg. Zu Hochzeiten brachten die Märsche Hunderttausende auf die Straßen. Augenfällig ist außerdem, dass die Teilnehmer:innen heute meist älter sind.
Ostermarsch und Schulstreik: Für eine konsequent antimilitaristische Antikriegsbewegung
Es gibt jedoch Bestrebungen von revolutionären Vereinigungen, die Ostermärsche wiederzubeleben und auch für die Jugend attraktiv zu machen: So riefen dieses Jahr unter anderem Organisationen wie die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO), die Kommunistische Partei und das Offene Treffen gegen Krieg und Militarisierung (OTKM) zur Beteiligung an den Ostermärschen auf.
Diese haben dieses Jahr nicht nur durch ihren jüngeren Altersdurchschnitt, sondern auch durch ihre inhaltlichen Positionen zur Veränderung der Ostermärsche beigetragen. Die FKO beispielsweise positionierte sich in ihrem Aufruf nicht nur gegen die Aufrüstung in Deutschland. Dass heute wieder so viele Menschen von Kriegen betroffen sind, hänge mit dem weltweiten Kapitalismus zusammen: „Fressen oder gefressen werden, so funktioniert dieser Wahnsinn“, schreibt die FKO. In einem solchen System könne es keinen Frieden geben.
Das OTKM, das mit anderen revolutionären Kräften einen internationalistischen Block auf der Demonstration in Stuttgart stellte, kritisierte dabei die Offenheit nach rechts, die in Teilen der Friedensbewegung existiert. Eine positive Entwicklung sei jedoch, dass die Stärke dieser rechtsoffenen Kräfte, wie dem BSW, dieses Jahr spürbar zurückgegangen sei.
„Eltern gegen Wehrpflicht“ – Beispiel für eine Verbindung der neuen und alten Friedensbewegung
Während die Ostermärsche vor allem ein Relikt der alten Friedensbewegung sind, ist durch die Schulstreiks eine neue antimilitaristische Bewegung entstanden. Auch wenn es teilweise Überschneidungen und Versuche der Annäherung gibt, sind diese vom Charakter und Inhalt doch recht verschieden.
Ein Beispiel dafür, wie auch ältere Menschen für die neue Bewegung, die sich hauptsächlich gegen die drohende Wehrpflicht richtet, eingebunden werden können, ist die Kampagne „Eltern gegen Wehrpflicht“. Sie wurde vom Solidaritätsnetzwerk Freiburg ins Leben gerufen und soll eben diese Verbindung zwischen den Generationen schaffen. Unter diesem Motto beteiligte sie sich auch an dem diesjährigen Ostermarsch.
„Vor allem während der Sozialstaat kaputtgespart wird und im Gesundheitswesen oder bei den Sozialleistungen die Zustände immer schlimmer werden, muss man dagegen aktiv werden. Wir als Erwachsene haben genau wie die Jugendlichen nichts an den Kriegen zu gewinnen, die von Regierungen und deren Kapitalinteressen angezettelt werden“, begründet uns auf der Demonstration eine der Organisator:innen der Kampagne ihre Initiative.

