81 Jahre Befreiung: Der antifaschistische Kampf geht weiter

81 Jahre liegt die Befreiung Deutschlands vom Faschismus zurück. Doch der Kampf gegen den Faschismus hat auch heute nicht an Bedeutung verloren. – Ein Kommentar von Anna Müller.

Um 23:01 Uhr am 8. Mai im Jahr 1945 kapituliert die deutsche Wehrmacht offiziell gegenüber den Alliierten. Während in den darauffolgenden Jahren viele Länder den Tag des Sieges zelebrierten, wurde er in der BRD als schändlich empfunden. Doch er markiert einen Erfolg, den es hochzuhalten gilt. Die Befreiung Europas vom Hitler-Faschismus ging aber nicht in einer Nacht allein von statten.

Das brutale Nazi-Regime sowie der Kampf dagegen forderten Abermillionen von Toten: über zehn Millionen Menschen allein, die als Teil der Roten Armee gefallen sind, sowie alle diejenigen, die in den deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden – davon allein sechs Millionen Jüd:innen. Die deutschen Faschist:innen hatten keine Skrupel, das Elend und die Zahl der Toten zu steigern.

Doch die Verbrecher:innen blieben zum allergrößten Teil ungestraft und dienten beim Aufbau der Bundesrepublik Deutschland sogar als Führungspersonal im neuen Staatsapparat, von Beamt:innen hinter dem Schreibtisch bis zu militärischem Führungspersonal. Ebenso sind deutsche Unternehmen, die Unsummen durch Zwangsarbeiter:innen des Faschismus und des Kriegs scheffelten – darunter IG-Farben (heute Bayer) oder ThyssenKrupp – bis heute wichtige Konzerne für die deutsche Wirtschaft.

Tag der Befreiung : Was wir am 8. Mai feiern sollten – und was nicht

So wie es unsere Aufgabe ist, diese Verbrechen immer wieder aufzuzeigen, ist es unsere Pflicht, die Namen und Geschichten der Widerständigen, die trotz massiver Repression in Form von Verfolgung, Folter und Tod gegen den Feind kämpften, zu verbreiten. Der 8. Mai ist ein Beweis, dass der Faschismus nicht unbesiegbar ist.

Aufschwung faschistischer Kräfte

Blicken wir heute auf die Welt, sehen wir, dass die Zeiten wieder rauer sind. Denn von Jahrzehnten des Friedens und Antifaschismus kann man mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen wohl kaum sprechen. Und wir sehen dabei, dass Krieg und seine Vorbereitung wieder mit dem Aufschwung faschistischer Kräfte verknüpft sind. Die Trump-Regierung, die nach innen und außen einen offen aggressiveren Kurs fährt, zeigt dies deutlich.

Doch auch in Deutschland sind wir davon nicht verschont – ob durch starke Präsenz reaktionärer Influencer:innen im Internet, über faschistische Aufmärsche bis hin zu Angriffen von Nazis auf Linke: So wurden zuletzt im vergangenen Monat zwei Jugendliche auf dem Heimweg von einer Kneipe nachts von Nazis angegriffen, eine der beiden ist in der sozialistischen Organisation Internationale Jugend engagiert. Der Angriff mithilfe einer Machete sorgte für schwere Verletzungen, hätte aber ebenso tödlich enden können.

Nach Machetenangriff: Hunderte demonstrieren in Berlin gegen faschistische Gewalt

Dies bildet nur die Spitze des Eisbergs. Im vergangenen Jahr mussten mehrere Angriffe auf Jugendzentren von Faschist:innen in Ostdeutschland verzeichnet werden. Zusätzlich macht es sich die AfD in den Parlamenten bequem und schafft ideologische Ausrichtungen für eine potentielle Regierungsbeteiligung. Mit ihrer neugegründeten Jugendorganisation Generation Deutschland haben sie ein Sammelbecken rechter Jugendlicher ebenso wie eine Kader:innenschmiede der Faschist:innen geschaffen.

Diejenigen, die eine militante Haltung gegen diese Entwicklungen auf der Straße zeigen, verfolgt der deutsche Staat und versucht drakonische Strafen zu erwirken. Das zeigen die Prozesse der Antifaschist:innen, die im Rahmen des Budapest-Komplexes verfolgt und angeklagt sind – allen voran die bereits verurteilte Hanna oder Maja T., illegal nach Ungarn ausgeliefert. Auch die Hetzjagd im Rahmen des Antifa-Ost-Verfahrens zeigt die staatliche Härte.

Damals wie heute – wir wehren uns dagegen!

Unseren Kampf gegen den Faschismus müssen wir weiterführen und zwar auf allen Ebenen: Von der Entlarvung rechter Theorien, denen wir eine sozialistische Perspektiven entgegen setzen, über Blockaden von Nazi-Aufmärschen müssen wir unsere antifaschistische Haltung in alle Bereiche unseres Lebens tragen.

Dabei gilt es, sich ein Beispiel zu nehmen am Mut und der Entschlossenheit vorheriger Revolutionär:innen. Mit den Zuspitzungen der Klassenkampfsituation werden auch wir vor neue Herausforderungen gestellt, die es zu bewältigen gilt. So wie unsere Genoss:innen damals können aber auch wir heute dem Faschismus ernsthaft etwas entgegensetzen, wenn wir gemeinsam und organisiert kämpfen.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 110 vom Mai 2026 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

Anna Müller
Anna Müller
Autorin bei Perspektive seit 2024. Schülerin aus Oberfranken, interessiert sich für Klassenkämpfe weltweit und die Frauenrevolution. Denn wie Alexandra Kollontai damals schon erkannte: Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau – ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!

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