Aktivisten der Sumud Flotilla nach Entführung durch Israel wieder freigelassen

Ende April griffen israelische Kriegsschiffe Boote der neuen Sumud Flotilla im Mittelmeer an. Dabei verschleppten sie rund 200 Aktivist:innen, darunter auch die Organisatoren Thiago Avila und Saif Abu Keshek. Aus der Haft entlassen berichten sie nun von Missbrauch und Folter.

Seit April ist erneut eine große Zahl an Booten im Mittelmeer unterwegs, um die israelische Seeblockade Gazas zu durchbrechen und Hilfsmittel in den Küstenstreifen zu bringen. Bis zu 100 Schiffen waren ursprünglich geplant. In den bisherigen Versuchen der Sumud Flotilla nach Gaza zu reisen, wurden die Boote jeweils kurz vor der Küste Gazas gestoppt. Doch am 30. April wurden hunderte Kilometer vom Gazastreifen entfernt, nahe der Küste Griechenlands, 22 Boote durch das israelische Militär angegriffen. Auf ihnen befanden sich 175 Aktivist:innen. Sie wurden auf israelische Kriegsschiffe verschleppt.

„Militärschnellboote, die sich selbst als ‚Israel‘ identifizierten, näherten sich unseren Booten, richteten Laser und semi-automatische Waffen auf sie und befahlen den Teilnehmenden, sich vorne im Boot auf Händen und Knien zu platzieren“. So berichteten Aktivist:innen der 22 angegriffenen Sumud Flotilla Boote über den Überfall durch das israelische Militär.

Dabei klagten die Teilnehmenden auch über Misshandlung und Anwendung exzessiver körperlicher Gewalt durch israelische Soldat:innen. Auf den Kriegsschiffen seien sie geschlagen, getreten, auf den Boden geschleift und auch angeschossen worden – teils mit echten, teils mit Gummipatronen. 34 Personen mussten demnach auch in Krankenhäuser in Kreta untergebracht und medizinisch versorgt werden, da sie schwere Verletzungen erlitten. Ungefähr 200 weitere Aktivist:innen sind aktuell noch in Gewahrsam griechischer Autoritäten.

Global Sumud Flotilla erneut von IDF angegriffen

Gezielte Entführung der Organisatoren

Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den Organisatoren der Flotilla, dem brasilianischen Aktivisten Thiago Avila und dem spanisch-palästinensischen Gewerkschaftler Saif Abu Keshek. Avila reiste bereits im Herbst 2025 nach Gaza im Rahmen der letzten Global Sumud Flotilla und wurde auch da im israelischen Gefängnis „Ketziot“ festgehalten und misshandelt.

Beide befanden sich auf den abgefangenen Booten, jedoch wurden nur sie gezielt nach Israel verschleppt. Die restlichen gefangen genommenen Teilnehmer:innen wurden nach Griechenland gebracht. Dort mussten sie aufgrund der Verletzungen durch das israelische Militär medizinisch versorgt werden.

Beide Organisatoren wurden vom israelischen Strafvollzugsdienst zur „Befragung“ festgehalten. Die unmenschlichen Haftbedingungen im israelischen Gefängnis haben sie dazu gebracht, in einen Hungerstreik zu treten, so ihre Anwält:innen.

Vergangenen Sonntag wurde klar, dass sie vor einem Gericht in Aschkelon gebracht werden. Ihnen wurde „Unterstützung von Feinden in Kriegszeiten, Kontakt zu einem ausländischen Agenten, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie deren Unterstützung“ vorgeworfen. Die Rechtsorganisation Adalah, welche die arabische Minderheit in Israel vertritt, trat für die Aktivisten vor Gericht ein.

Vorwürfe von Folter und Missbrauch

Dabei dokumentierte die Organisation auch, dass Avila und Abu Keshek während der Entführung und in ihrer Isolationshaft misshandelt wurden. Verletzungen im Gesicht, die auf Schläge und Tritte hinweisen, zeichneten die beiden aus. Avila klagte auch über Schulterschmerzen, die seine Mobilität einschränken.

Die Global Sumud Flotilla berichtet außerdem, dass Abu Keshek während seiner zweitätigen Haft auf dem Kriegsschiff gefoltert wurde. So lag er auf dem Boden des Schiffes, mit verbunden Augen und auf dem Rücken gefesselten Händen.

Avila erlitt laut Berichten so heftige Schläge, dass er zwei Mal das Bewusstsein auf dem Kriegsschiff verlor. Israelische Soldat:innen hätten gedroht, ihn über Bord zu werfen sowie seine Ehefrau und Tochter ins Visier zu nehmen.

Nun wurden Avila und Abu Keshek am Sonntag nach zehn Tagen aus israelischer Gefangenschaft entlassen und nach Griechenland abgeschoben. Abu Keshek veröffentlichte erstmals seit seiner Entführung ein Statement, in dem er die Berichte über die Folter und Misshandlung während der Gefangenschaft bestätigt.

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Flotilla in türkischem Hafen

Trotz der israelischen Repressionen sind weiterhin 55 Boote der Global Sumud Flotilla auf dem Weg nach Gaza. Aktuell befinden sie sich auf einem weiteren Zwischenstopp im Hafen der türkischen Stadt Marmaris. Nach Medienangaben hat die israelische Regierung über die USA bereits Druck auf die Türkei ausgeübt, um die Flotilla zu stoppen. Ursprünglich wollte die Sumud Flotilla bis zum 15. Mai die Gewässer vor dem Gazastreifen erreichen.

Gleichzeitig befindet sich der „Global Land Relief Convoy“ auf dem Landweg nach Gaza. Hunderte Aktivist:innen haben sich mit dem Konvoi von den nordafrikanischen Staaten aus westwärts auf den Weg nach Gaza gemacht. Die Delegation befindet sich aktuell in Libyen.

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