Eine Woche lang fand in Hamburg das „Bridge of Resistance“-Camp statt. Neben dem Austausch von wertvollen Erfahrungen setzte man mit rund 2.000 Demonstrierenden ein starkes Zeichen gegen Besatzung und Völkermord.
Welche Rolle spielt das Gesundheitssystem im Widerstand gegen die Besatzung? Wie können deutsche Gewerkschaften gegen Militarisierung aktiv werden? Welche Beziehung hat das Patriarchat zur Militarisierung? Warum stehen arabische Regierungen wie die Ägyptens nicht an der Seite Palästinas? Wie sollte die Palästina-Bewegung in Deutschland aussehen? Und wie kann sie erfolgreich sein?
Die Palästina-Bewegung in Deutschland steht im dritten Jahr des Genozids in Gaza sowie angesichts anhaltender Mobilisierung und Repression an einem Punkt, an dem sich immer mehr offene Fragen stellen. Ein Versuch, darauf Antworten zu finden, war das Camp „Bridge of Resistance“, das vom 9. bis 16. Mai auf der Moorweide in Hamburg stattfand. Als Teil der Kampagne „Stop Nakba Now“ wurde es bewusst in der Woche des 78. Jahrestags der Nakba organisiert.
An diese wurde am vergangenen Freitagabend dann auch mit einer Gedenkveranstaltung erinnert. Mit Reden, Gedichten und Liedern wurde der bis heute anhaltenden Vertreibung von Palästinenser:innen gedacht. Zum Abschluss formten die Teilnehmer:innen des Camps die Zahl 78 sowie einen Schlüssel. Der Schlüssel dient als Symbol für die Forderung nach einem Rückkehrrecht der Vertriebenen.
Erfahrungsaustausch auf dem Camp
Eine Woche lang fand das selbstorganisierte Leben im Camp statt. Neben dem inhaltlichen Austausch bei den ständig stattfindenden Workshops und Vorträgen, insgesamt über 40 Veranstaltungen, führten auch die Diskussionen während gemeinsamer Küchen- und Sicherheitsschichten oder einfach beim Zusammensitzen am Heizpilz in der Nacht bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zu spannenden Gesprächen.
Wie eine starke und wirkmächtige palästinasolidarische Bewegung aussehen kann, zeigen zahlreiche internationale Beispiele, von denen auch auf dem Camp berichtet wurde. Per Videoliveschaltung berichtete unter anderem ein Organisator von der Blockade von Waffenlieferungen an Israel im Hafen von Genua durch Hafenarbeiter:innen, eine Aktion, die sich viele auch für den Hamburger Hafen wünschen.
Einig waren sich viele Teilnehmende auch darin, wie solche Schritte möglich werden: durch Organisierung in Schulen, Universitäten und am Arbeitsplatz.
Mehr als 2.000 demonstrieren gegen Völkermord
An der Abschlussdemonstration beteiligten sich über 2.000 Personen. Dabei zeigte sich auch erneut, wie die Palästina-Bewegung in Deutschland sehr vielseitig ist. So waren neben Palästina-Fahnen auch die des Iran zu sehen und auch diverse sozialdemokratische und revolutionäre Organisationen beteiligten sich an der Demo. Neben Gruppen wie der Bundesarbeitsgemeinschaft Palästinasolidarität der Linkspartei, Sozialismus von Unten und Revolution waren auch Gruppen wie Young Struggle oder die Föderation klassenkämpferischer Organisationen zu sehen.
Neben den zum Jahrestag passenden Protesten gegen Vertreibung, Säuberung und Völkermord in Palästina wurden auch die deutsche Hinnahme und Beteiligung am Genozid thematisiert. So wurde beispielsweise auf einem Banner der Internationalen Jugend Hamburg ein Stopp der Waffenlieferungen an Israel gefordert.
Gegenüber dem Protestcamp und der Abschlussdemonstration kam es aber auch immer wieder zu Provokationen. So versuchte eine Gruppe iranischer Monarchist:innen, die Demonstration zu stören, wurde jedoch von der Polizei abgedrängt und von großen Teilen der Demonstration weitgehend ignoriert. Auch zionistische Gegendemonstrationen am Camp wurden in den meisten Fällen ignoriert. Ebenso kam es am Anfang der Demonstration zu einer Auseinandersetzung im Kontext einer Iran-Fahne und einem anschließenden Eingriff der Polizei, wobei mindestens zwei Personen verhaftet wurden.
Die Demonstration endete mit einem Abschlusskonzert am Camp auf der Moorweide. Dafür waren unter anderem die Künstler:innen Sorah, MC DRA und Termo angekündigt.
Nicht das letzte Camp
Das „Bridge of Resistance“-Camp soll laut Organisator:innen nicht zum letzten Mal stattgefunden haben. Stattdessen möchte man Aktionsformen wie dieses Camp nutzen, um verschiedene Kämpfe zusammenzubringen, dabei zu versuchen, Fragen der Bewegung zu klären und so einen wertvollen Beitrag zur Festigung der Bewegung zu leisten.
Gerade in einer stark zersplitterten revolutionären Bewegung wie in Deutschland ist es wichtig, gemeinsam Kämpfe zu führen, voneinander zu lernen und bestehende Unterschiede in Debatten, Diskussionen und schließlich in der Praxis zu klären. Doch auch wenn Debatten rund um die sogenannte „Achse des Widerstands“ keinen zentralen Platz im Programm einnahmen, zeigt sich, dass ein Camp allein nicht ausreicht, um die wichtigsten strategischen Fragen der Bewegung zu thematisieren.

