Ende Gelände 2026: Erfolgreiche Aktionen gegen Krieg und Klimazerstörung

Auch dieses Jahr beteiligten sich über 1.500 Aktivist:innen an Blockaden des Bündnisses „Ende Gelände“ gegen die Gas- und Rüstungsindustrie. Besonders die Beteiligung der deutschen Rüstungskonzerne an Kriegen weltweit und die Rolle von fossilen Energien in Kriegen wurden thematisiert.

Das Bündnis „Ende Gelände“ organisiert seit 2015 Massenproteste gegen fossile Energien in Deutschland. Dieses Jahr hat das Bündnis in Hamm im Ruhrgebiet ein Camp aufgebaut und vom 28. bis 30. Mai zu Aktionen aufgerufen. Am Freitag beteiligten sich nach Angaben des Bündnisses über 1.500 Menschen an Blockade-Aktionen, bei der Großdemonstration am heutigen Tag kamen nach Angaben der Mitorganisatoren von Greenpeace 5.000 Menschen zusammen. Auch die international bekannte Aktivistin Gretha Thunberg war anwesend.

Dabei fordern die Demonstrierenden eine sofortige Abkehr von fossilem Gas und einen Kurswechsel in der Energiepolitik, hin zu erneuerbaren Energien. Braunkohle und Gas spielten auch in den vergangenen Jahren eine große Rolle – dieses Jahr wurden allerdings auch Rüstungsunternehmen aktiv blockiert. Dabei betonte das Bündnis die Verbindung von Krieg und Klimazerstörung, da fossile Energien eine entscheidende Rolle in Kriegen spielen.

„Fossile Energien sind Kriegsenergien. Sie sind ein Zündstoff im Ukraine-Krieg, beim Überfall der USA auf Venezuela und beim Krieg von Israel und den USA gegen Iran, der die ganze Golfregion in Flammen setzt“, heißt es im Aufruf des Bündnisses.

Erfolgreiche Blockade von KNDS-Werk

Ein Demonstrationszug, der Regenbogen-Finger, blockierte dabei die Friedrich-Wilhelms-Hütte in Mühlheim an der Ruhr für circa sechs Stunden, sie gehört zum Rüstungsunternehmen KNDS-Deutschland. Vor ein paar Jahren hatte das Werk noch Windräder hergestellt, bis es von KNDS aufgekauft wurde. KNDS produziert hauptsächlich Panzer und arbeitet auch eng mit Elbit-Systems zusammen, dessen deutscher Ableger ein großer Waffenlieferant an Israel ist und damit an dem Genozid in Gaza beteiligt ist.

Eine Sprecherin sagte zum Zusammenhang von Kriegsproduktion und Umweltzerstörung: „Wir könnten mit dem Stahl genauso gut Windkraftanlagen und Bahnschienen produzieren. Wir sehen gerade als generelle Entwicklung eine massive Aufrüstung in Deutschland, die für Leid und Zerstörung verantwortlich ist.“

Derzeit sitzen zudem fünf Aktivist:innen in Untersuchunghaft, die in einem Elbit-Standort in Ulm Geräte zerstört hatten, um die Produktion zu sabotieren. Bei den Aktionen gegen KNDS wurde auch ein Zeichen der Solidarität mit den sogenannten Ulm5 gesetzt und deren Freilassung gefordert. Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wurde kritisiert: Slogans wie „Reiche raus, raus aus der Regierung“ sollen zu hören gewesen sein.

In der letzten Zeit werden antimilitaristische und pro-palästinensische Proteste verstärkt mit staatlicher Gewalt überzogen. Am Freitag verhafteten in Berlin-Wedding Polizisten mit gezogener Waffe zwei Aktivist:innen der Gruppe Peacefully against Genocide, als sie mit einem Transporter das Rheinmetall-Werk dort blockieren wollten.

Polizei geht hart gegen Aktivist:innen vor

Der silberne Finger blockierte unterdessen die Schienen von Europipe. Europipe baut Gaspipelines und war auch an der Nordstream-Pipeline in der Nordsee beteiligt. Methan-Gas ist noch umweltschädlicher als C02. Im Herbst 2022 trat durch eine Explosion der Nordstream-Pipeline massenhaft Gas aus.

Ein weiteres Ziel der Ende-Gelände-Proteste war das Kraftwerk in Vorden, das von Kohle- auf Gasproduktion umsteigen soll. Der pinke Finger des Aktionstags schaffte es trotz Polizei dorthin. Dazu hieß es von der Seite der Aktivist:innen: „Hier gibt es einen Brandbeschleuniger für die Klimakrise … deswegen verhindern wir das heute. Und auch global gesehen: wer auf Gas setzt, setzt auf Krieg und Gewalt.“

Der lila Finger blockierte derweil das Kraftwerk Scholven. Die Polizei kesselte die Aktivist:innen stundenlang in der prallen Sonne, wodurch zwei Personen durch die Hitze Verletzungen erlitten. Eine Aktivistin berichtete, dass die Demonstrierenden mit Schlagstöcken geschlagen wurden und Sanitäter:innen nicht in den Kessel gelassen wurden. Danach wurden sie erkennungsdienstlich behandelt und einige in die Gefangenensammelstelle (GeSa) gebracht.

Am nächsten Tag machte sich der grüne Finger auf den Weg, um eine Mahnwache am Kraftwerk zu veranstalten, wurde aber früh von der Polizei mit Gewalt gestoppt. Erst nachdem die Protestierenden stundenlang festgehalten worden waren, konnten sie wieder zum Camp zurückkehren. Trotz alledem bewertet das Bündnis den Aktionstag am Freitag als Erfolg.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!