Gegen LGBTI+ Feindlichkeit – an jedem Tag und jedem Ort!

LGBTI+ Feindlichkeit ist kein Relikt der Vergangenheit, auch nicht in Deutschland. Angriffe auf der Straße und durch den Staat sind weiter Alltag. Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie ist eine Chance, dagegen aktiv zu werden. – Ein Kommentar von Marceline Horn.

Nach jahrelangen Kämpfen der LGBTI+ Bewegung strich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 17. Mai 1990 endlich Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten – ein wichtiger Schritt gegen die jahrzehntelange medizinische Stigmatisierung. 15 Jahre später wurde auf Initiative von Louis-Georges Tin und nach einer einjährigen Kampagne das erste Mal der Internationale Tag gegen Homophobie (IDAHO) ausgerufen. Der 17. Mai wurde dabei als Erinnerung an die Entscheidung der WHO gewählt.

Seitdem wird der Tag jährlich begangen und wurde mit der Zeit erweitert, um weitere LGBTI+ Personen einzubeziehen. Heute ist er als Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) bekannt.

Hinter LGBTI+ stecken keine Krankheiten

Auch wenn die Streichung von Homosexualität als Krankheit ein wichtiger Schritt war, ist der Kampf von LGBTI+ Personen noch lange nicht vorbei. Erst 28 Jahre später, im Jahr 2018, strich die WHO auch Transgeschlechtlichkeit als Krankheit. Trotzdem ist die Haltung, dass es sich bei LGBTI+ Personen um Kranke oder irgendwie gestörte Menschen handeln müsse, in unserer Gesellschaft längst noch nicht ausgestorben.

Auch die erkämpften Rechte für LGBTI+ Personen stehen heute wieder stärker unter Beschuss: Speziell gegen trans Personen steigen in den letzten Jahren Hass und Hetze. Weit verbreitete „Argumente“ beruhen vor allem darauf, trans Frauen als Männer darzustellen, die nur darauf abzielten, cis Frauen zu schaden oder Vorteile durch Quoten oder im Sport zu ergattern. Dabei beweist die Realität jeden Tag, dass Männer nicht so tun müssen, als seien sie trans, um Gewalt gegen alle Frauen auszuüben.

Um trans Frauen vom „echten“ Frausein auszuschließen, wird sich außerdem oft auf besonders rückschrittliche Frauenbilder berufen. Trans Männer und nicht-binäre Menschen werden dabei nicht selten vor allem für unzurechnungsfähig oder verrückt erklärt.

Die praktischen Auswüchse dieser Ideen sehen wir heute vor allem in den USA: Geschlechtseinträge dürfen nicht mehr geändert werden, es gibt außerdem auch keine weitere Option außer männlich und weiblich mehr, trans Frauen sind unter anderem aus Frauenhäusern und vom Frauensport ausgeschlossen, und noch einiges andere mehr. Damit wird eine Gruppe, die sowieso schon verstärkt von Gewalt, Arbeits- und Wohnungslosigkeit bedroht ist, immer weiter an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

USA bis Europa – Transfeindlichkeit mehr als ein Trend

Faschistische Angriffe gegen LGBTI+ Personen auf dem Vormarsch

Hinter der Verbreitung von LGBTI+ feindlichen Vorstellungen stehen oft faschistische Theoretiker:innen, Organisationen oder Parteien. Mit der zunehmenden Entwicklung der Gesellschaft nach Rechts steigt die Gefahr für alle Personen, die im faschistischen Weltbild stören – seien es LGBTI+, Migrant:innen oder fortschrittliche Personen allgemein. Beispiele dafür waren erst kürzlich der faschistische Schlagring-Angriff auf einen Antifaschisten in Erfurt Mitte April 2026 oder der Angriff auf ein lesbisches Paar in einer Straßenbahn in Bremen im Dezember 2025.

Es ist auch zu beobachten, dass viele der Täter:innen besonders jung sind: Neue Umfragen unter jungen Männern zeigen z.B., dass viele von ihnen rückschrittlichere Frauenbilder haben und oft LGBTI+feindlicher sind als ältere Generationen. Es formiert sich eine junge faschistische Jugendbewegung, die vermehrt Angriffe gegen Linke und LGBTI+ Personen durchführt.

Angriffe auf Christopher-Street-Days (CSDs) erreichten im Jahr 2025 dabei ein Rekordniveau: Bei fast der Hälfte der 245 Veranstaltungen kam es zu Angriffen oder Störungen durch Faschist:innen. Da diese Gefahr in den kommenden Jahren vermutlich eher zunehmen wird, heißt es für die kommende CSD-Saison auch, dass sich der Charakter der CSDs an mehr und mehr Orten verändern muss, um sicher stattfinden zu können.

LGBTI+ unter Beschuss: Queerfeindliche Gewalt steigt an

Die Polizei hat dabei letztes Jahr bewiesen, was ihre Position ist: In Schönebeck wurde der CSD im Jahr 2025 von der Polizei frühzeitig aufgelöst, da kurzfristig geforderte Sicherheitsmaßnahmen nicht erfüllt werden konnten. Zum Schutz vor rechten Demonstrationen sind Großaufgebote der Polizei jedoch die Regel.

Es ist also längst an der Zeit, eine kämpferische LGBTI+ Bewegung aufzubauen, die auch in der Lage ist, einen antifaschistischen Selbstschutz zu organisieren, und die sich nicht scheut, offensiv und militant ihre Rechte zu verteidigen.

Staatliche Repression in Vorbereitung

Auch wenn die staatliche Repression gegen LGBTI+ Personen in Deutschland noch nicht so rasch voranschreitet wie zum Beispiel in den USA oder im Vereinigten Königreich, wird auch hier schon das Fundament dafür gelegt.

Während im Selbstbestimmungsgesetz bereits der Ausschluss von trans Frauen und trans femininen Personen aus Frauenräumen als Möglichkeit verankert ist, zeigt sich auch eine Schnittstelle zwischen Militarisierung und Transfeindlichkeit: Personen, denen bei Geburt der Geschlechtseintrag „männlich“ zugewiesen wurde, können im „Spannungs- und Verteidigungsfall“ ihren Geschlechtseintrag und rechtlichen Namen nicht ändern, können trotzdem eingezogen werden und werden praktisch als Männer behandelt.

Solange nur „juristische Männer“ eingezogen werden, hat der deutsche Staat damit klar gemacht: In Friedenszeiten lassen sich Reformen verkraften, bei der Verteidigung des deutschen Imperialismus hört die Anerkennung der vorgeblichen Selbstbestimmung dann aber auf. Dazu kommt, dass AfD und Teile der CDU sowieso das ganze Selbstbestimmungsgesetz wieder abschaffen wollen.

Wehrdienstgesetz: doch (k)eine Ausreisegenehmigungspflicht?

Gemeinsam gegen Unterdrückung

Der Rechtsruck im Staat und in der Gesellschaft bedroht heute schon LGBTI+ Personen, er bedroht aber auch alle anderen Unterdrückten und am Ende alle Arbeiter:innen – egal, welche Menschen wir lieben oder welches Geschlecht wir haben. Dagegen kommen wir nur an, wenn wir gemeinsam für unsere Rechte und Freiheiten kämpfen.

Für unseren Erfolg ist es auch notwendig, eigene Vorurteile abzubauen und mehr Verständnis für andere Lebensrealitäten zu entwickeln. LGBTI+ Personen der Arbeiter:innenklasse müssen selbstverständlicher Teil unserer Bewegung werden, anstatt nur am Rand der Gesellschaft existieren zu dürfen. Und das an jedem Tag und jedem Ort, an dem wir kämpfen.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 110 vom Mai 2026 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

Marceline Horn
Marceline Horn
Perspektive-Autorin seit 2024. Sie lebt und studiert in Freiburg und schreibt besonders über Frauen- und LGBTI+ Kämpfe. Photographie-Fan und Waschbären-Liebhaberin.

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