Derzeit sind 52 Boote mit 460 Personen der Global Sumud Flotilla auf dem Weg, Hilfslieferungen nach Gaza zu bringen. Nachdem ein Teil der Boote bereits Ende April gestoppt wurde, findet seit Montagvormittag der nächste Angriff durch das israelische Militär in internationalen Gewässern statt.
Die humanitäre Mission Global Sumud Flotilla versucht seit April erneut die illegale israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Die Boote starteten in Spanien und machten Zwischenstopps in Italien, Griechenland und der Türkei. Auf den Booten sind unter anderem Babynahrung, Medizin und andere lebensnotwendige Güter für die Bevölkerung Palästinas geladen.
Nach Angaben der Global Sumud Flotilla befanden sich am Montag noch 52 Boote mit 460 Personen aus 44 Ländern auf dem Weg nach Gaza. Am 14. Mai ist die Flotilla von der türkischen Stadt Marmaris aus erneut in See gestochen. Derzeit befinden sich die Boote in internationalen Gewässern, etwa 200 Kilometer westlich der Insel Zypern. Schon in der Nacht auf Montag berichteten die Aktivist:innen von Kriegsschiffen und Schnellbooten an allen Seiten der Sumud Flotilla. Seit Montagvormittag beginnt nun das israelische Militär die Boote abzufangen.
Das Militär begann damit, interne Funk-Kanäle der Flotilla mit übergespielter Musik zu stören, und somit die Kommunikation zwischen den Booten zu erschweren. Aktuell werden die Boote nach und nach aufgehalten, von Soldat:innen gestürmt und die Besatzung gekidnappt. Videomaterial zeigt etwa, wie schwer bewaffnete Soldaten ein Boot betreten. Um 15 Uhr waren mindestens 17 der 52 Boote bereits gestoppt. Über 100 Aktivist:innen wurden bereits verschleppt. Wohin die Besatzung der Boote durch das israelische Militär entführt wird, ist derzeit noch unklar.
Entführt wurde etwa auch der deutsche Staatsbürger Hannes aus Bochum. Er ist Mitglied der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und startete im April mit der Flotilla von Barcelona aus. Die Organisation fordert die sofortige Freilassung der Crew, das Ende der israelischen Piraterie und den Zugang für Hilfskonvois nach Gaza. Auch die deutschen Staatsbürger Uwe Sander, Johannes Happel und Hakan Kaya befinden sich seit Montagvormittag in israelischer Gefangenschaft. In zuvor aufgenommenen Statements fordern sie ihre Freilassung.
Streiks, Kundgebungen und Proteste
Die Organisator:innen der Global Sumud Flotilla rufen derweil dazu auf, weltweit gegen das Abfangen der Flotilla zu mobilisieren. Einerseits soll über Anrufe, E-Mails oder Kundgebungen vor Einrichtungen, die eigene Regierung zur Verurteilung der Angriffe gebracht werden. Außerdem soll sich für diplomatischen Druck zur Freilassung der internationalen Aktivist:innen bei den jeweiligen Staatsregierungen eingesetzt werden.
In Italien begann schon am gestrigen Sonntagabend ein eintägiger Generalstreik, der im Transportsektor ausgerufen. Die Gewerkschaft „Usb“ hat den Streik mit „Krieg, Völkermord in Palästina, dem Wettrüsten, dem Angriff auf das Völkerrecht und die Einschränkung demokratischer Handlungsspielräume“ begründet.
An vielen Orten in Deutschland und darüber hinaus wurden bereits zuvor Kundgebungen und Demonstrationen für den Tag des Abfangens der Flotilla geplant. In Berlin und Leipzig etwa, wurde eine Eil-Demonstration zum sogenannten „Tag X“ angekündigt.
Zweiter Angriff auf die Flotilla in 2026
Am 30. April wurden bereits 22 Boote der Flotilla in internationalen Gewässern, nahe der griechischen Insel Kreta, durch israelische Kriegsschiffe gestoppt. Auf ihnen befanden sich 175 Aktivist:innen, die gekidnappt und verschleppt wurden. Anschließend berichteten die entführten Aktivist:innen über exzessive körperliche Gewalt durch israelische Soldat:innen. Auf den Kriegsschiffen wurden sie geschlagen, getreten, auf den Boden geschleift und auch angeschossen – teils mit echten, teils mit Gummipatronen. 34 Personen mussten demnach in Krankenhäuser auf der Insel Kreta untergebracht und medizinisch versorgt werden.
Die Hauptorganisatoren der Flotilla, Thiago Avila und Saif Abu Keshek wurden nicht nach Kreta gebracht, sondern gezielt nach Israel verschleppt. Sie berichten von Isolationshaft, Schlägen, Tritten Folter, Misshandlung und Drohungen durch das israelische Militär. Nachdem sie zwei Tage mit verbundenen Augen und gefesselten Händen auf einem Kriegsschiff festgehalten wurden, kamen sie vor ein israelisches Gericht. Nach 10 Tagen wurden sie freigelassen.

