Großrazzia gegen militante Neonazi-Jugend

Die Polizei führt aktuell eine Großrazzia gegen die faschistischen Gruppen Deutsche Jugend Voran und Jung & Stark durch. Gleichzeitig befindet sich die rechte Gewalt auf einem Rekordhoch, unzählige Neonazis befinden sich trotz Haftbefehls weiterhin auf freiem Fuß.

Seit den frühen Morgenstunden führt die Polizei eine Großrazzia gegen 36 mutmaßliche Mitglieder der faschistischen Jugendorganisationen Deutsche Jugend Voran (DJV) und Jung & Stark (JS) durch. Die Generalbundesanwaltschaft wirft den Gruppen vor, kriminelle Vereinigungen gegründet zu haben. Spiegel-Recherchen zufolge werden dabei über 50 Objekte in zwölf Bundesländern durchsucht, Schwerpunkte bilden dabei wohl Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Berlin.

Die Beschuldigten seien dabei zum überwiegenden Großteil junge Erwachsene oder sogar minderjährig – der jüngste Beschuldigte ist etwa 16 Jahre alt. Festnahmen habe es keine gegeben. Dabei gelten viele von ihnen der Tagesschau zufolge als Rädelsführer der jeweiligen faschistischen Jugendgruppen, einige von ihnen sind in der Vergangenheit wohl bereits als gewalttätig aufgefallen. Der ehemalige DJV-Anführer Julian M. sitzt unter anderem deswegen eine über dreijährige Haftstrafe ab.

Die neue gewaltbereite, faschistische Jugendbewegung

Die Gruppen DJV und JS sind dabei zentraler Teil einer spätestens im Sommer 2024 neu aufkeimenden faschistischen Jugendbewegung in Deutschland. Damals planten junge Neonazis bundesweit Aufmärsche gegen die jährlich stattfindenden Demonstrationen zum Christopher Street Day, welche sich besonders für die Rechte von LGBTI+ Personen einsetzen.

Naziaufmärsche gegen CSDs: Nicht auf das System verlassen

Antifaschist:innen und CSD-Teilnehmer:innen wehren sich seitdem gegen die faschistische Präsenz neben den Veranstaltungen. Dennoch kam es im Zuge dessen zu mehreren Fällen von Gewalt und Drohungen gegenüber LGBTI+ Personen und Linken, besonders in Ostdeutschland. Letztes Jahr ist wohl über die Hälfte der CSD-Paraden Ziel von Angriffen, Störungen und Verhinderungsversuchen geworden.

Mitglieder und Sympathisanten von DJV und JS sind dabei zum Teil durch besonders brutale Angriffe auf politische Gegner:innen aufgefallen. Sie organisieren und vernetzen sich dabei auf Instagram und TikTok, besonders geheim und sicher gehen sie dabei nicht vor. Ein Großteil des Umfelds der Neonazigruppen ist dabei oft ideologisch nicht gefestigt und eher auf die Ausübung von Gewalt fokussiert.

Auch aus diesem Grund legt auch die Alternative für Deutschland (AfD) großen Wert auf die Rekrutierung neuer Jugendlicher. Die neugegründete Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) soll als eine Art Auffangbecken für radikalisierte Neonazi-Jugendliche dienen, um sie dann zu öffentlich gemäßigten auftretenden Kader:innen der faschistischen Partei zu schmieden. Auch Die Heimat (ehemals NPD) und der III. Weg bemühen sich um die Integration von Jugendlichen in parteiähnlichen Strukturen.

Kaderschmiede im Graubereich: Die AfD gründet ihre Jugend neu

Zunahme von faschistischer Gewalt und Nazis auf freiem Fuß

Im letzten Jahr befanden sich die Zahlen des Bundeskriminalamts zu rechtsmotivierter Gewalt auf einem Rekordhoch. Das schließt auch häufiger die direkte Gewaltausübung gegen linke Personen und Lokalpolitiker:innen, etwa von der Linkspartei, ein.

Gleichzeitig existieren gegen Personen aus dem faschistischen Lager über 700 offene Haftbefehle. Während sich schon jetzt etliche gewaltbereite Faschist:innen auf freiem Fuß befinden, dürften die tatsächlichen Zahlen von rechten Straf- und Gewalttaten sowie Personen der faschistischen Bewegung höher liegen.

Über 750 offene Haftbefehle gegen Personen aus dem faschistischen Lager

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