Hauptgebäude an TU Berlin geschlossen: „Wir fordern zwei Milliarden Euro zur Sanierung“

Wasserschäden, kaputte Fahrstühle und nun auch die Schließung des Hauptgebäudes und selbstverwalteter Studi-Cafés: Mit der TU Berlin geht es bergab. Aus Protest haben Studierende der TU gemeinsam einen Hörsaal besetzt. Wir haben mit Sebastian Höchst vom Studierendenkollektiv Berlin über die Aktion und ihre Forderungen gesprochen.

Am Mittwoch habt ihr als Studierendenkollektiv gemeinsam mit anderen Studierendenorganisationen und Studierenden der Technischen Universität (TU) Berlin einen Hörsaal besetzt. Wieso?

Die TU Berlin ist seit Jahren baufällig und zwar überall. Es gibt Wasserschäden, Fahrstühle bleiben stecken und in der Vergangenheit wurden immer wieder Gebäude geschlossen. Das Wasser tropft durch die Decke, Keller sind überflutet, Fenster sind undicht und Heizungen kaputt. Am 9. Mai wurde nach einer Begehung dann das Hauptgebäude der TU geschlossen, wo vor allen Dingen die Verwaltung drin sitzt. Das war so ein bisschen der Höhepunkt der Baufälligkeit. Natürlich waren wir alle geschockt, wenn auch nicht überrascht.

Im Zuge von den Inspektionen wurden auch selbstverwaltete Studi-Cafés geschlossen, wie zum Beispiel welche im Architektur-Gebäude. Dieses wird nun wegen Brandschutzmängeln jeden Abend ab 20 Uhr geschlossen – das beeinträchtigt die Architekturstudierenden immens. Viele sagen, dass sie kaum noch studieren können, wenn sie abends nicht mehr in die Bibliothek gehen können.

Studierende protestieren gegen geschlossenes Hauptgebäude an der TU Berlin

Als Studierendenkollektiv Berlin haben wir uns gemeinsam mit Student Resistance Berlin und anderen Studierenden der TU entschieden, den Hörsaal A 053 im Architekturgebäude, für einen Tag zu besetzen.

Wie kann es sein, dass eine „Exzellenz-Uni“ so baufällig ist?

Die TU Berlin ist komplett unterfinanziert. Es fehlen laut Angaben der Uni 2,4 Milliarden Euro, um alles zu sanieren. Um die 96 Prozent aller Gebäude sollen kurz- oder mittelfristigen Sanierungsbedarf haben – kaum ein Gebäude ist ohne Mängel.

Dafür verantwortlich ist in erster Linie die Stadt Berlin, die nicht genug Geld für die Unis bereitstellt. Die Berliner Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra hat auch zugegeben, dass die Instandhaltung der Bestandsgebäude vernachlässigt worden sei. Und auch an anderen Hochschulen ist es nicht viel besser.

Massive Kürzungen treffen Universitäten

Was war das Programm am Tag der Besetzung?

Wir haben im Vorhinein zu einer Kundgebung vor dem Architekturgebäude aufgerufen und dann kollektiv den Hörsaal besetzt. Für eine Demonstration gegen den Verfall der Uni wurden Transpis gemalt, es gab einen Vortrag, Gedichte wurden verlesen und eine Studierendenversammlung abgehalten. Am Abend wurde dann noch ein Film gezeigt.

Was sind eure Forderungen?

Zuallererst fordern wir, dass keine studentischen Räume ersatzlos gestrichen werden und dass nicht zur Online-Lehre zurückgekehrt wird. Außerdem fordern wir den bedingungslosen Schutz der studentischen Selbstverwaltung und die Einhaltung und Ausbau der Zivilklausel. Und natürlich – mit die wichtigste Forderung –, dass die zwei Milliarden Euro bereitgestellt werden, um die Gebäude zu sanieren.

Wir kritisieren außerdem, dass Milliarden über Milliarden in Aufrüstung und Infrastruktur für die Bundeswehr investiert werden, für uns Studierende aber kein Geld da ist. Unsere Unis werden – im wahrsten Sinne des Wortes – kaputt gespart, unsere Bildung leidet darunter, aber wir sollen mehrere hundert Euro Semesterbeiträge zahlen? Wir können kaum die hohen Mieten – gerade hier in Berlin – zahlen und verdienen selbst als studentische Beschäftigte oft nur sehr schlecht, kaum jemand kriegt BAföG oder wenn, dann viel zu wenig, um die hohen Lebenshaltungskosten zu stemmen – aber für die Bundeswehr ist Geld da? Das sehen wir nicht ein. Deswegen ist eine unserer Forderungen auch, 500 Milliarden für Bildung und Gesundheit anstatt für Krieg auszugeben.

Wie hat die Universitätsleitung auf die Besetzung reagiert?

Die Universität hat direkt jemanden vorbeigeschickt, um ihre Position zu erklären. Insgesamt haben wir die Erklärung der Universität allerdings als sehr ausweichend wahrgenommen.

Trotzdem hat die Besetzung einen größeren Erfolg gebracht: und zwar hat die Universitätsleitung unmittelbar nach Beginn der Hörsaal-Besetzung ein Gesprächsangebot an eines der Studi-Cafés gemacht. Diese wurden vorher wochenlang hingehalten.

Wie geht es jetzt weiter?

Es gibt ein Bündnis an der Uni mit dem Titel „Campus sanieren“ und es wird weiter zum Thema „Verfall der Uni” gearbeitet. Es wird weiter Kundgebungen geben und natürlich sind alle Studierenden herzlich eingeladen, sich zu beteiligen oder sich beispielsweise auch bei uns, dem Studierendenkollektiv, zu organisieren.

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