Wochenlang haben sich die Golfstaaten im Iran-Krieg als unbeteiligte Opfer dargestellt. Nun zeigt sich: Saudi-Arabien und die Emirate haben selbst koordiniert mit den USA den Iran angegriffen. Gleichzeitig bereiten die USA und Israel eine neue Offensive vor. Der Konflikt droht sich erneut auszuweiten.
Seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp drei Monaten galten die fundamentalistischen Monarchien am Persischen Golf als die Leidtragenden des Konflikts, insbesondere in den westlichen Medien. Mehr als 5000 Angriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern trafen unter anderem Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Wirtschaft der Länder wurde geschädigt, ihr Image als sichere Tourismus- und Handelsstandorte erlitt Risse. Die öffentliche Reaktion der Golfstaaten beschränkte sich auf scharfe Rhetorik und die Bekräftigung ihres Rechts auf Selbstverteidigung.
Nun zeigt sich ein etwas anderes Bild. Westliche Diplomaten und arabische Sicherheitskreise bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass Saudi-Arabien und die Emirate sich aktiv an Angriffen auf den Iran beteiligt haben. Die saudische Luftwaffe habe bereits im März und April iranische Ziele bombardiert. Die Emirate führten im April einen Angriff durch und trafen nach Informationen des „Wall Street Journals“ die iranische Insel Lavan, auf der sich eine Raffinerie befindet. Der Zeitpunkt war brisant: Kurz vor der Verkündung der Waffenruhe Anfang April.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi warf den Emiraten daraufhin aktive Beihilfe zu den Angriffen der USA und Israels vor. Bei einem BRICS-Treffen in Neu-Delhi sagte er, die Emirate seien mit ihren Kampfflugzeugen an den Angriffen beteiligt gewesen und hätten damit die Grundlagen des Völkerrechts verletzt. Die Emirate selbst haben die Angriffe nicht offiziell bestätigt, da sie sonst ebenfalls als Kriegsparteien gelten würden.
Golfstaaten wollen nicht zu Kriegsparteien werden
Die Zurückhaltung der Golfstaaten bei der Bekanntgabe ihrer Angriffe hat mehrere Gründe. Zum einen fürchten sie, dass eine offene Kriegserklärung den Druck auf Teheran erhöhen würde, erneut zuzuschlagen. Die iranischen Angriffe auf Energieanlagen, Flughäfen und Touristengebiete in den Golfstaaten haben bereits großen Schaden angerichtet. Zum anderen wollen die Emirate und Saudi-Arabien nicht zu offensichtlich als Partner der USA und Israels in einem Krieg dastehen, der in der arabischen Bevölkerung höchst unpopulär ist.
Israel ist in der arabischen Bevölkerung weiterhin extrem negativ besetzt. Dass die Emirate 2020 ihre Beziehungen zu Israel normalisierten, bleibt für die Führung in Abu Dhabi ein heikles Thema. Als das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor einigen Tagen mitteilte, dieser habe heimlich die Emirate besucht, dementierten die Emirate dies umgehend als „vollständig unbegründet“. Netanjahu gilt im arabischsprachigen Raum als nahezu radioaktive Persönlichkeit.
Trotz dieser heiklen öffentlichen Wahrnehmung wächst die militärische Kooperation zwischen Israel, Saudi-Arabien und den Emiraten. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, bestätigte kürzlich den Einsatz des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome in dem arabischen Golfstaat. Die Angriffe auf den Iran selbst sind ein weiteres Zeichen dieser Annäherung und eine Schwelle, die vor Kriegsbeginn unrealistisch gewesen wäre.
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Doch schon vor Beginn des Krieges entwickelten sich die beiden Golfstaaten zu den engsten Verbündeten der USA in der Region, abgesehen von Israel. Und das nicht zuletzt, weil sie zu den größten Ölexporteuren der Welt gehören und zudem besonders im Bereich Technologie interessant für US-amerikanische Investitionen sind.
USA und Israel bereiten neue Offensive vor
Während die Golfstaaten ihre Rolle im Konflikt aus dem Hintergrund spielen, bereiten die USA und Israel offenbar den nächsten Schritt vor. US-Präsident Donald Trump droht erneut mit massiven Angriffen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „Für den Iran tickt die Uhr, und sie sollten sich besser SCHNELL bewegen, sonst wird von ihnen nichts mehr übrig bleiben. DIE ZEIT DRÄNGT!“ Schon im April hatte Trump vom möglichen Untergang einer „ganzen Zivilisation“ gesprochen.
Am Dienstag wollte Trump mit seinem nationalen Sicherheitsteam im „Situation Room“ des Weißen Hauses zusammentreffen. Dort sollten Optionen für militärische Maßnahmen erörtert werden. Das Pentagon bereite sich bereits auf einen möglichen Neubeginn des Krieges vor. Hintergrund sei, dass die Kriegsziele, insbesondere das iranische Atomprogramm, bislang nicht erreicht worden seien. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu erörterte ebenfalls am Sonntagabend mit Trump die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Krieges.
Nun hat Trump kurzfristig und nach eigener Aussage eine Stunde vor dem Treffen die Entscheidung getroffen, nicht unmittelbar anzugreifen. Was dies genau bedeutet, ist unklar, da die Vorbereitungen weiterhin laufen.
Waffenruhe am „seidenen Faden“
Die USA und ihre Verbündeten hatten den Krieg gegen den Iran Ende Februar begonnen. Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und die Golfstaaten. Seit Anfang April gilt eine Waffenruhe, die Trump zuletzt einseitig verlängerte. Doch die Spannungen in der Region brachten die Waffenruhe mehrfach ins Wanken. Trump selbst sagte vor einer Woche, sie hänge nur noch am seidenen Faden.
Der mangelnde Fortschritt bei den diplomatischen Bemühungen sorgt in Washington für wachsende Frustration. Irans Militär wiederum warnt vor Konsequenzen. Ein Militärsprecher drohte, Washington werde mit „neuen offensiven und überraschenden Szenarien“ konfrontiert, sollte es seine Drohungen in die Tat umsetzen. Jede neue „Torheit“ der USA werde „noch vernichtendere und schwerere Schläge“ zur Folge haben.
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Vance benennt offen die strategische Logik hinter der US-Position
In seiner Pressekonferenz am Dienstagabend hat US-Vizepräsident J.D. Vance eine bemerkenswerte Offenheit gezeigt. Das oberste Ziel der USA sei die Verhinderung einer iranischen Atombombe – doch die Begründung dafür fiel ungewöhnlich klar aus. Vance räumte ein, dass nicht primär die Gefahr einer tatsächlichen Nutzung der Bombe das Problem sei. Das eigentliche Risiko liege in der Macht, die der Iran durch den Besitz einer Atomwaffe als Druckmittel in internationalen Verhandlungen erlangen würde. Diese Formulierung ist aufschlussreich: Sie stellt nicht die Vernichtungskraft der Bombe in den Vordergrund, sondern deren Funktion als geopolitischer Hebel.
Vance machte in seiner Pressekonferenz auch deutlich, dass eine Einigung nicht zu einer kooperativen Beziehung zwischen den USA und dem Iran führen würde. Stattdessen solle das Verhältnis zu dem zurückkehren, was es seit 47 Jahren sei. Die Beziehung solle nicht besser werden, sie solle wieder so sein wie vor den jüngsten Eskalationen.
Vance betonte zudem, dass der Iran im Falle eines Abkommens nichts gewinnen würde. Das Land müsse nicht nur auf Atomwaffen verzichten, sondern auch akzeptieren, dass die USA eine Durchsetzungsmöglichkeit behalten, um jederzeit und für zukünftige Generationen die Einhaltung der Vereinbarungen zu kontrollieren und gegebenenfalls militärisch einzugreifen. Der Iran würde demnach keine Gegenleistung für seine Unterwerfung erhalten, nur den Verlust seiner Souveränität.
Das Venezuela-Modell als Blaupause – der weitere Verlauf ist unklar
Die Logik hinter dieser Position ist kein Zufall. Vance verwies implizit auf das Vorgehen der USA in Venezuela, wo die Trump-Administration bereits ein ähnliches Modell umgesetzt hat. Dort wurden die politischen Strukturen des Landes nicht zerschlagen, sondern die Führungsspitze ausgetauscht, während die grundlegende Machtarchitektur intakt blieb – nun unter US-Aufsicht. Genau dieses Modell schwebt den USA offenbar auch für den Iran vor: Der Iran soll seine Souveränität aufgeben, ohne dafür etwas zu erhalten.
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Der Iran-Krieg befindet sich an einem kritischen Punkt. Die Golfstaaten haben sich aus dem Schatten der Verteidigung herausbewegt und selbst Ziele im Iran angegriffen – ein Novum in der Geschichte der Region.
Die USA und Israel wiederum stehen kurz vor einer Entscheidung über die Wiederaufnahme ihrer Offensive. Die Waffenruhe ist brüchig, diplomatische Fortschritte bleiben aus. Wie es weitergeht, hängt maßgeblich von der Entscheidung ab, die die US-Führung treffen wird. Eine erneute Eskalation würde nicht nur den Iran treffen, sondern die gesamte Region weiter destabilisieren.

