Bundesweite Warnstreiks ohne Angebot des Unternehmens: In der Tarifrunde bei der Deutschen Telekom haben bereits mehr als 10.000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Ver.di fordert 6,6 Prozent mehr Lohn, zusätzliche Boni und mehr Arbeitsplatzsicherheit. Mitte Mai geht der Tarifkonflikt in die nächste entscheidende Verhandlungsrunde.
Am 13. April begannen die Tarifverhandlungen zwischen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutschen Telekom AG. Die dritte Verhandlungsrunde soll Mitte Mai stattfinden. Bereits in der ersten Streikwoche sollen rund 10.000 Arbeiter:innen der Telekom ihre Arbeit niedergelegt haben.
Für die rund 60.000 Tarifbeschäftigten der Telekom fordert Ver.di eine Entgelterhöhung von 6,6 Prozent plus einen zusätzlichen ver.di-Mitgliedsbonus von monatlich 55 Euro. Für Auszubildende und Dual-Studierende wird eine Erhöhung der Vergütung um 120 Euro plus zusätzlich 20 Euro Mitgliedsbonus gefordert. Der Tarifvertrag soll dabei eine verhältnismäßig kurze Laufzeit von 12 Monaten haben.
Außerdem ist das Thema Kündigungsschutz und Arbeitsplatzsicherheit im Gespräch: „Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn den Beschäftigten Kündigungsschutz garantiert wird. Auch junge Menschen brauchen verlässliche und attraktive Perspektiven im Konzern Deutsche Telekom AG“, so ver.di-Verhandlungsführer Frank Sauerland.
Die Forderung von ver.di nach 6,6 Prozent wirkt vor dem Hintergrund der erwarteten Inflation von 2,7 Prozent für 2026 vergleichsweise moderat. Zumal es sich lediglich um die Ausgangsforderung für die Tarifverhandlungen handelt und das endgültige Ergebnis erfahrungsgemäß deutlich niedriger ausfällt. Für die Telekom-Arbeiter:innen besteht damit durchaus das Risiko, dass am Ende erneut ein Reallohnverlust steht.
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Unternehmensführung ohne Angebot
Die Telekom AG in Deutschland besteht aus 20 verschiedenen tarifgebundenen Konzernunternehmen, in denen jeweils eigenständige Tarifverträge gelten. Vor der Tarifrunde seien gemeinsame Verhandlungen für diese Gesellschaften vereinbart worden.
Die erste Verhandlungsrunde am 13. April in Bonn endete jedoch ohne Angebot der Kapitalseite. Bei der zweiten Verhandlungsrunde am 27. April in Siegburg forderte die Telekom einen „maßvollen Tarifabschluss“, legte jedoch selbst wieder kein Angebot vor. Begründet wird dies mit gestiegenen Baukosten, unverändert hohen Personalkosten – trotz Personalabbaus – und bereits sehr hohem Lohnniveau, das an mehreren Stellen signifikant über dem Marktniveau liege.
Während es in vielen Branchen kriselt, bleibt die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) derzeit jedoch noch einigermaßen verschont von der Krise: 2025 erhöhte die Deutsche Telekom AG sogar ihre Dividende von 0,90 Euro auf 1,00 Euro je Aktie. „Es kann nicht sein, dass der Konzern Jahr für Jahr Rekordumsätze, Rekordergebnisse und Rekorddividenden für Aktionäre realisiert, bei den Bedürfnissen der Beschäftigten aber schmallippig bleibt und auf die uns bekannten Herausforderungen des Konzerns verweist“, sagt Tarifverhandlungsführer Sauerland dazu.
Warnstreiks in mehreren Bundesländern
Ver.di antwortete deshalb auf das ausbleibende Angebot von Unternehmensseite mit Warnstreiks. Am Tag nach der letzten gescheiterten Verhandlungsrunde legten rund 3.000 Beschäftigte in Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin die Arbeit nieder. Am Tag darauf wurde auch in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen gestreikt. Rund 4.000 Beschäftigte sollen sich daran beteiligt haben. Für den 30. April hatte ver.di dann auch in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern zum Warnstreik aufgerufen.
Am 6. und 7. Mai kam es zu weiteren Arbeitsniederlegungen im gesamten Bundesgebiet. Ver.di zieht bereits ein positives Zwischenfazit: „Mit über 10.000 Streikenden in der ersten Woche haben die Beschäftigten bereits ein deutliches Zeichen an die Arbeitgeber gesandt. Für die Hinhaltetaktik in den Verhandlungen gibt es keine Akzeptanz.“ Die nächste Verhandlungsrunde beginnt am 11. Mai und wird zeigen, welche Reaktion auf die Warnstreiks folgt.

