In Europa sorgt eine Hitzekuppel dafür, dass etliche Temperaturrekorde gebrochen werden. Während Maßnahmen zum Bevölkerungsschutz nur begrenzt bleiben können, schreitet der Klimawandel weiter voran.
Es ist gerade erst Ende Mai und schon herrschen in Europa erneut Rekordtemperaturen. Während in Deutschland seit Tagen Temperaturen über 30 Grad Celsius gemessen werden, ist vor allem auch Westeuropa stark betroffen. In Frankreich und Portugal wurden Höchsttemperaturen von 38 Grad gemessen und in England herrschen Temperaturen von bis zu 35,1 Grad Celsius. Damit wurde der seit 1922 bestehende englische Hitzerekord für den Monat Mai deutlich gebrochen – und sogar der Hitzerekord für Juni wurde um 0,5 Grad übertroffen.
Derartig hohe Temperaturen werden durch Hochdruckgebiete ausgelöst, welche normalerweise durch Windströme an andere Orte weitergeschoben werden. Dadurch sind die Auswirkungen sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt. Im Fall der aktuellen Wetterverhältnisse spielt aber ein besonderes Wetterphänomen eine zentrale Rolle.
Meteorologisch ist die Hitzewelle nämlich mit dem sogenannten Heat-Dome (dt. Hitzekuppel) zu erklären. Bei diesem Phänomen baut sich in großer Höhe ein starkes Hochdruckgebiet auf, das die darunterliegenden Luftschichten komprimiert und dadurch stark erhitzt. Die erhitze Luft dehnt sich wiederum aus und drückt die Luftmassen in die charakteristische Kuppelform. Durch die extremen Größen, die eine solche Blase annehmen kann, wird es für äußere Winde schwierig, das System zu verschieben. Dadurch kann es dann zu einer deutlich wärmeren und länger anhaltenden Hitzewelle kommen.
Hitzewelle mit extremen Folgen für die Bevölkerung
Die sich in den letzten Jahren immer stärker häufenden Hitzewellen schaden dabei nicht nur zunehmend den Ökosystemen – etwa in Form von immer größeren Waldbränden – sondern auch ganz direkt Menschen und ihrer Gesundheit. Mit dieser Realität sehen sich in der jetzigen Hitzewelle ganz besonders Großstädte wie Paris konfrontiert. Dort besteht in einigen Fällen bereits jetzt der Verdacht, dass die Hitzekuppel zu Todesfällen beigetragen hat, so etwa bei einem 53-jährigen Läufer in der französischen Hauptstadt.
Abwegig ist diese Annahme keinesfalls, denn eben gerade in Großstädten kommt es bei solchen Temperaturen immer wieder zu Hitzetoten. Laut einer Analyse der London School of Hygiene & Tropical Medicine spielt der Klimawandel dabei eine besonders große Rolle: Er sei im vergangenen Jahr an fast 70 Prozent der 24.000 Hitzetoten in europäischen Städten mitverantwortlich.
Angesichts dieser Hitzewellen müssen Städte inzwischen dementsprechend mit Extremsituationen planen, um Bewohner:innen zu schützen. So übte Paris beispielsweise im Rahmen der Initiative Paris bei 50°C die Koordinierung von Notversorgung oder die Evakuierung von Kindern in kühle Tunnel. Auch durch mehr Grünflächen und den teilweisen Rückbau von asphaltierten Straßen und Flächen wie Parkplätzen soll Abhilfe geschaffen werden. Aber die grundlegenden Probleme, die der voranschreitende Klimawandel und der enge Städtebau mit sich bringen, kann man so nur symptomatisch bekämpfen.
Hinter der Hitzekuppel steckt der Kapitalismus
Zwar ist der Heat-Dome der unmittelbare Auslöser des Hitzestaus, dennoch lässt sich der Klimawandel nicht ausklammern. Extremwetterereignisse existieren zwar nicht erst seit der jüngeren Vergangenheit, dennoch führt der durch den Kapitalismus gemachte Klimawandel zu einer deutlichen Häufung in den letzten Jahrzehnten. Alleine seit 1980 hat sich die Zahl an Naturkatastrophen deutlich erhöht und im Falle von Überschwemmungen fast verdreifacht. So sind auch Starkregenfälle wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal mittlerweile um das 1,2- bis 9-fache wahrscheinlicher geworden.
Verwunderlich ist das nicht. Immerhin ist die globale Konzentration von Kohlendioxid seit Entstehung des Kapitalismus kontinuierlich gestiegen und mittlerweile circa 50 Prozent höher als vor der Industrialisierung. Zum Vergleich: In den 10.000 Jahren davor war die Konzentration nahezu konstant. Dass die kapitalistische Produktionsweise maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich ist, wird zwar teilweise selbst von bürgerlichen Wissenschaftler:innen anerkannt. In der Politik der Herrschenden spiegelt sich das aber nicht wider. Immerhin wissen auch sie, dass ein ernsthafter Klimaschutz nicht mit dem Kapitalismus vereinbar ist.
Denn über 80 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen werden von gerade einmal 57 Unternehmen verursacht. Eine Entwicklung, die sich auch in der jüngeren Vergangenheit noch weiter zugespitzt hat. So waren bis 2015 noch 100 Unternehmen für 70 Prozent aller Emissionen verantwortlich.

