Neue Präsidentin Venezuelas öffnet das Land für westliche Konzerne

Vor vier Monaten entführten die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Die neue Präsidentin Delcy Rodríguez will Venezuela zugänglicher für westliche Konzerne machen. Dabei geht es vor allem um Ölförderung.

Nach monatelangem Auffahren der US-Marine und Angriffen auf Schiffe, die angeblich kriminelle Ziele im Bereich des Drogenhandels verfolgten, entführten die US-Behörden Anfang Januar 2026 völkerrechtswidrig den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Daraufhin wurde die Vize-Präsidentin Delcy Rodríguez zur Regierungschefin. Seit dem Überfall kontrolliert die US-Regierung das Land an vielen zentralen Stellen.

Doch die Gründe dafür waren nicht vordergründig Maßnahmen gegen Drogenkriminalität. Venezuela besitzt nicht nur natürliche Bodenschätze wie Gold, Diamanten, Öl oder seltene Erden, sondern ist dazu auch eines der wenigen Länder der Region, das wirtschaftlich nicht von den USA durchdrungen war. Die Ölförderung lag in staatlicher Hand und Exporte gingen zumeist nach China, Russland oder Kuba. Die neue außenpolitische Strategie der USA setzt darauf, die Machtansprüche „vor der Haustür“ in Lateinamerika durchzusetzen und dabei Konkurrenten wie Russland oder China unter Druck zu setzen.

Venezuela nach der Entführung Maduros: Machtkampf, Öl und der Griff der USA

Rodríguez entlässt Beamte und Militärs

Vor dem Angriff der USA wurde die rechte Oppositionspolitikerin María Corina Machado mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Sie wirbt offen dafür, Venezuela in beträchtlichem Maße für ausländische Kapitalist:innen öffnen zu wollen. Doch sie wurde nicht an die Spitze der neuen Regierung gestellt. Obwohl sie US-Präsident Trump ihren Nobelpreis überreichte, ging die US-Regierung auf Distanz zu ihr.

Eine Offenheit gegenüber ausländischem Kapital bringt jedoch auch Übergangspräsidentin Rodríguez mit in die Regierung. Sie ist seit über 20 Jahren an der Führung des Landes beteiligt und hat nun die oberste Position erlangt. Doch auch das ist nur dann ein sicherer Platz, wenn man den Vorstellungen der Trump-Regierung entspricht.

Rodríguez hat inzwischen etliche Kritiker:innen und ehemalige Vertraute Maduros ihrer Ämtern enthoben oder verhaften lassen. Laut Medienberichten hat sie das in Absprache mit der Trump-Regierung getan. So wurde etwa die gesamte Führungsriege des Militärs und 17 Minister:innen des Landes entlassen. US-Präsident Trump sprach im Zuge dessen davon, für das venezolanische Präsidentenamt zu kandidieren, wenn die Prozesse „fertig seien“. Damit ist klar: Die USA werden ihren Einfluss auf Venezuela festigen wollen.

US-Konzerne wollen mehr Öl fördern

Der US-amerikanische Einfluss, besonders im Öl-Sektor Venezuelas ist erheblich. Die USA kontrollieren den Ölhandel Venezuelas, und erhalten die Einnahmen des staatlichen Ölhandels und legen diesem verschiedene Beschränkungen auf. Dazu gehören etwa das Verbot der Kooperation mit China, Russland, Kuba oder dem Iran.

Iran-Krieg bringt schwere Folgen für Öl, Gas und Weltwirtschaft

Venezuela besitzt die größten Ölreserven weltweit. Trotzdem war die Erdölförderung im Land lange unterentwickelt. Unter Hugo Chávez wurde in den 2000er Jahren die Ölförderung den internationalen Konzernen entzogen und verstaatlicht. Anschließend ging jedoch die Menge an gefördertem Öl durch staatliche Firmen Venezuelas immer weiter zurück.

Doch nach der langen Investitionsdürre kündigen sich jetzt Chancen für Venezuela an, von ausländischen Investor:innen und Ölkonzernen wieder beachtet zu werden. Ende April waren Vertreter:innen der US-amerikanischen Ölindustrie, sowie Ingenieure und Anwälte zu Gast in Venezuelas Hauptstadt. Ihr Ziel: die Wiederbelebung des Ölgeschäfts in Venezuela.

Gewinnprognose durch gestiegene Ölpreise

Bisher sahen US-Ölkonzerne wie ExxonMobil und ConocoPhilipps das Ölgeschäft in Venezuela nicht als gewinnbringend an. Vor der intensivierten Ölförderung hätte massiv investiert werden müssen, um die Anlagen zu modernisieren. Durch die stark gestiegenen Ölpreise und fehlende Ölimporte aus dem Persischen Golf im Zuge des Krieges im Iran, scheint das Geschäft jetzt wieder lukrativ. Die hohen Verkaufspreise für Öl gleichen die zuvor getätigten Investitionen wieder aus.

Der US-amerikanische Konzern Chevron ist schon seit über zwei Jahrzehnten im Land und bereit, die dort lange unterfinanzierte Branche wieder auf Vordermann zu bringen. Schon jetzt ist der Konzern an 25 Prozent der venezolanischen Ölförderung durch Joint Ventures beteiligt. Doch die US-amerikanischen Energiefirmen fordern noch weitreichendere Änderungen der rechtlichen Bedingungen vor Ort in Venezuela.

Das soll die USA im Kampf gegen Russland und China stärken. Der Handel und die Kooperation mit russischen Konzernen vor Ort wurde durch den von den USA durchgesetzten rechtlichen Rahmen wieder unmöglich gemacht.

Wird Siemens in Venezuela aktiv?

Nicht nur die Infrastruktur zur Ölförderung ist in Venezuela auf einem schlechten Stand. Immer wieder kam es in den letzten Jahren zu Stromausfällen durch das marode Stromnetz. Hier kommt ein deutsches Unternehmen ins Spiel. In venezolanischen Medien wird darüber berichtet, dass das deutsche Monopol Siemens bei der Instandsetzung der Energieversorgung in Venezuela eingebunden werden könnte.

Auf Nachfrage leugnen Sprecher:innen des Konzerns die Spekulationen nicht und sprechen von einem engen Austausch und Prüfung der Lage in Venezuela. Gleichzeitig gibt sich Siemens abwartend und betont die bestehenden Unsicherheiten im Land. Eine flächendeckende funktionierende Stromversorgung gehört zu den Grundvoraussetzungen für weitere internationale Investitionen im Land. Gleichzeitig würde die in der Krise befindliche deutsche Wirtschaft profitieren.

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