Mit bleibenden zerebralen Schäden endete für einen 30-jährigen Mann im psychischen Ausnahmezustand ein Polizeieinsatz in Köln. Die Polizei verschwieg in ihrem Bericht mutmaßlich wesentliche Details des Einsatzes. Erst durch einen öffentlichen Beitrag des Anwalts wurden weitere Einzelheiten bekannt.
Ein Polizeieinsatz in Köln Anfang April: Ein 30-jähriger Mann wurde in Köln-Deutz nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz durch die Polizei in eine Klinik eingewiesen. Der Bericht der Polizei am Tag nach dem Einsatz klingt erst einmal nach einem routine- und verhältnismäßigen Einsatz. Die Polizei spricht von heftigem Widerstand des Patienten gegenüber den Beamt:innen; so soll er angeblich eine 24-jährige Polizistin gebissen haben.
Dann soll der Patient sein Bewusstsein verloren haben. Der 30-jährige Mann habe daraufhin durch Rettungskräfte reanimiert werden müssen und sei anschließend auf der Intensivstation im Krankenhaus in Behandlung gewesen.
Die Polizei teilte ebenfalls mit, dass die ersten Ermittlungen hätten darauf schließen lassen, dass der Mann Betäubungsmittel konsumiert habe. Zudem gab die Polizei bekannt, dass die weiteren Ermittlungen aus Neutralitätsgründen von Beamt:innen aus der Nachbarstadt Bonn übernommen würden.
Tödliche Polizeigewalt: Kölner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen fünf Beamt:innen
Anwalt spricht von „schwerster Polizeigewalt“
Dieser Darstellung der Polizei widerspricht Simón Barrera González, der Anwalt des 30-Jährigen Pedro Corona. In einem Instagram-Video äußert sich der Anwalt zu dem Fall. Die Angehörigen und Freund:innen seien sehr besorgt über Coronas Zustand gewesen und hätten deshalb den Rettungsdienst gerufen. Da Pedro Corona in seinem Zustand uneinsichtig gewesen sei, dass er Hilfe benötigen würde, hätten die Rettungskräfte die Polizei hinzugezogen.
Nach Angaben des Anwalts entfernte die Polizei zu Beginn des Einsatzes die anwesenden Freund:innen und Angehörigen aus der Wohnung und schickte sie auf die Straße vor das Gebäude. Was anschließend in der Wohnung geschah, lasse sich laut González nur rekonstruieren. Sicher sei jedoch, dass die Angehörigen von draußen gehört hätten, dass Corona große Angst vor den Beamt:innen gehabt habe.
Verschwiegen habe die Polizei in ihrer Pressemitteilung zudem, dass Corona eine sogenannte Spuckschutzhaube angelegt worden sei. Dabei handelt es sich um einen durchsichtigen Überzug, der den Kopf bedeckt und verhindern soll, dass eine Person spuckt oder beißt. Der Einsatz solcher Hauben gilt jedoch insbesondere bei Menschen in psychischen Ausnahmesituationen als potenziell lebensgefährlich.
Mehrere Minuten ohne Sauerstoff
Laut González ist davon auszugehen, dass Corona über mehrere Minuten nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde. Der Einsatz der Spuckschutzhaube stelle in diesem Fall „schwere Polizeigewalt“ dar. Corona habe dadurch irreversible Hirnschäden erlitten. Es sei unwahrscheinlich, dass er sich davon vollständig erholen werde.
Für González ist der Fall ein „Riesenskandal“. Die Kölner Polizei sei nicht nur für die Verletzungen verantwortlich, sondern beeinflusse mit ihrer Pressearbeit auch die öffentliche Wahrnehmung des Falls. Die Darstellung, Corona sei plötzlich ohnmächtig geworden, sei „absolut nicht realistisch“.
Polizeigewalt in Brandenburg – Mann nach Einsatz für tot erklärt
Neben Solidaritätsbekundungen in sozialen Netzwerken läuft inzwischen auch eine Spendenkampagne. González hatte in seinem Video dazu aufgerufen, Pedro Corona zu unterstützen. Mit dem Geld sollen unter anderem die Reisekosten für Coronas Mutter und Cousine von Venezuela nach Deutschland sowie medizinische, organisatorische und rechtliche Unterstützung finanziert werden. Nach Angaben der Kampagne wurden bislang mehr als 12.500 Euro von über 320 Spender:innen gesammelt.

