Massive Mängel zwingen die TU Berlin zur Schließung ihres Hauptgebäudes. Der Fall legt strukturelle Probleme in der Hochschulfinanzierung offen. Studierende und Teile der Belegschaft haben zum Protest aufgerufen.
Seit Samstag ist das Hauptgebäude der Technischen Universität (TU) Berlin aus Sicherheitsgründen vollständig geschlossen. Auslöser dafür sind „bauliche Auffälligkeiten“, die bei einer Kontrolle durch Behörden und Feuerwehr festgestellt wurden. Nach Angaben der Universität beläuft sich der Sanierungsstau inzwischen auf rund 2,4 Milliarden Euro. Ein Hinweis auf strukturelle Versäumnisse über viele Jahre hinweg.
Damit steht die Technische Universität Berlin vor erheblichen Problemen. Über Jahre hinweg wurde der Erhalt bestehender Gebäude offenbar vernachlässigt. Neben dem Hauptgebäude sind noch viele andere Räume und Gebäude der Universität zum Teil oder vollständig gesperrt.
Gründe dafür sind etwa Wasserschäden, Asbest und Schimmel. 2023 musste etwa das Mathematikgebäude wegen eines Wasserschadens schließen. Im selben Jahr musste auch das TEL-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz wegen eines Wasserschadens schließen. Ein Jahr zuvor musste auch schon das Chemiegebäude schließen. Dadurch gibt es an der Universität einen sich immer weiter verschärfenden Mangel an Räumen für Lehrveranstaltungen.
Die Wissenschaftssenatorin des Landes Berlin Ina Czyborra (SPD) räumte ein, dass der Fokus der Hochschulpolitik in der Vergangenheit stark auf Neubauten lag, während die Sanierung des Bestands in den Hintergrund geriet. „Das kann man schon sagen“, erklärte Czyborra. In der Folge hätten sich zahlreiche Mängel an Gebäuden angesammelt.
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Wasserschäden, defekte Sanitäranlagen, Gefahrenlage durch Haustechnik
Besonders problematisch sind Mängel im Brandschutz. Laut TU-Präsidentin Fatma Deniz wurden unter anderem Wasserschäden und feuchte Wände festgestellt, die auch elektrische Anlagen beeinträchtigen könnten. Solche Defizite gelten als sicherheitskritisch und führten letztlich zur sofortigen Schließung des Gebäudes. Zuständig für die Bauaufsicht ist der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Nach Einschätzung der Behörden musste der Bezirk handeln, um Gefahren für Studierende und Beschäftigte auszuschließen.
Wann das Gebäude wieder genutzt werden kann, ist derzeit unklar. Czyborra erklärte, man prüfe, wie schnell sich die gravierendsten Mängel beheben lassen. Gleichzeitig verwies sie auf die angespannte Haushaltslage des Landes Berlin. In den vergangenen Jahren seien zahlreiche Investitionen zurückgestellt oder gestrichen worden. Ein Umstand, der auch den Sanierungsstau im Hochschulbereich verschärft haben dürfte.
Hinzu kommt, dass vorhandene Mittel offenbar nicht immer konsequent für die Instandhaltung eingesetzt wurden. Zwar erhalten die Hochschulen über den Hochschulvertrag eigene Budgets für Bauunterhalt, doch laut Senatorin seien diese Gelder „nicht immer so ausgegeben worden, wie sie hätten ausgegeben werden sollen“. Teilweise seien Mittel ungenutzt geblieben.
Der Unibetrieb soll vorerst in andere Räume oder in Randzeiten verlegt werden. Doch die bestehenden Räumlichkeiten werden wohl nicht ausreichen, um das mehrgeschossige Hauptgebäude zu ersetzen. Zusätzlich sind im Hauptgebäude zahlreiche Büros und Material eingelagert.
Studierende gründen Protestbündnis
Studentische Gruppen an der TU haben kurzfristig auf die Schließung des Hauptgebäudes reagiert und am Montag eine Kundgebung mit Pressekonferenz abgehalten. Die Studierenden haben dafür das universitätsübergreifende Bündnis Campus Sanieren gegründet. Beteiligt an der Initiative sind etwa der AStA, Fridays for Future und die sozialistische Gruppe Student Resistance. Auch Teile der Belegschaft haben sich mit dem Anliegen der Studierenden solidarisiert, die Räume der Uni auch als Orte der Campus-Kultur zu erhalten.
Studierende wiesen bei der Startkundgebung darauf hin, dass die Probleme der Gebäude schon seit Jahrzehnten bekannt sind. Gleichzeit habe die Berliner Senatsregierung unter Bürgermeister Kai Wegner (CDU) in den vergangenen Jahren Gelder gekürzt, statt neu zu investieren. Ein Redner von Fridays for Future erklärte „Wissenschaft und Politik seien so weit voneinander entfernt wie lange nicht mehr“.
Ein Redner der Gruppe Student Resistance machte klar, dass für die Missstände an der Universität die Regierungen in Stadt und Land der letzten Jahre verantwortlich sind. „Es hat keinen Sinn darüber zu reden, dass Geld fehlt, ohne anzuklagen und wütend darüber zu sein, warum das Geld fehlt“, erklärte der Student. Während sich etwa die Polizeiausgaben in den letzten 10 Jahren verdoppelt haben und hunderte Milliarden für Aufrüstung ausgegeben werden, bleibt kein Geld für die notwendige Sanierung der Universitäten.
Das Bündnis will in kommenden Tagen und Wochen den Druck auf den Berliner Senat erhöhen, damit der Sanierungsstau abgebaut wird. Weitere Protestaktionen sind geplant.

