US-Zölle: Droht ein neuer Handelskrieg mit der EU?

US-Präsident Trump drohte der EU vergangene Woche mit neuen Zöllen auf Autos. Ein eskalierender Handelskrieg mit Vergeltungszöllen könnte die Preise auch in Deutschland weiter nach oben treiben.

Die Lage der deutschen Wirtschaft bleibt ernst, gerade auch im Gefolge des Irankriegs. Wie vergangene Woche berichtet wurde, haben vor allem die stark gestiegenen Ölpreise die Inflation in Deutschland weiter angeheizt. Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass die Teuerungsrate im April bei 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat lag.

Mehr Unternehmen planen Preiserhöhungen

Das Münchener ifo-Institut meldete außerdem, dass mehr Unternehmen in Deutschland in der nächsten Zeit Preiserhöhungen planen: Der von den Ökonom:innen des Instituts ermittelte Indikator für Preiserwartungen sei im Zeitraum von März bis April von 25,5 auf 31,6 Punkte gestiegen. Die Zahl gibt dabei die Differenz aus dem prozentualen Anteil der Unternehmen an, die ihre Preise anheben und denen, die sie senken wollen.

Die Zahlen interpretierte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser als „Spuren“, die der Irankrieg in der deutschen Wirtschaft hinterlasse: „Die Unternehmen geben die gestiegenen Energiekosten nun zunehmend an ihre Kunden weiter.“ Dies gilt laut der Erhebung besonders für die Chemieindustrie, aber auch konsumnahe Branchen wie z.B. die Gastronomie und den Einzelhandel. Unternehmensnahe Dienstleistungsfirmen planen aktuell weniger mit Preiserhöhungen.

Trump droht mit neuen Autozöllen

Vor diesem Hintergrund hat eine Social-Media-Nachricht von US-Präsident Donald Trump am vergangenen Freitag noch einmal für mehr Unruhe in der deutschen Wirtschaft und Politik gesorgt: Trump kündigte darin an, die US-Einfuhrzölle auf Fahrzeuge aus der EU deutlich zu erhöhen. Dies begründete er damit, dass die EU sich nicht an das im vergangenen Sommer vereinbarte Zollabkommen mit den USA halten würde.

Im vergangenen Juli war EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in das Golfressort des US-Präsidenten im schottischen Turnberry gereist, um den Deal zu verabschieden. Demnach sollte eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten Warengruppen gelten, die aus EU-Staaten in die USA geliefert werden, einschließlich europäischer Autos und Autoteile. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-Industrieprodukte zu streichen und die europäischen Märkte für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu öffnen. Das Abkommen wird aus Wirtschaftskreisen zum Teil als „asymmetrisch“ kritisiert.

EU-interne Beratungen dauern an

Trumps Nachricht bezog sich darauf, dass die EU-Institutionen die Vereinbarung noch nicht abschließend umgesetzt haben. Deshalb drohte er mit der Erhöhung der Autozölle von 15 auf 25 Prozent. Der Hintergrund ist, dass es für eine Inkraftsetzung des Abkommens zwischen den USA und der EU einer Zustimmung des EU-Parlaments und der 27 Mitgliedsstaaten bedarf, die noch nicht erfolgt ist. Das EU-Parlament hatte im März nämlich zusätzliche Bedingungen für die Zollsenkung auf US-Produkte gestellt, darunter eine Aussetzungsklausel für den Fall, dass die USA ihrerseits erneut neue Zölle einführen.

Obwohl die europäische Autoindustrie angesichts der Drohungen aus Washington erheblichen Druck in der Sache macht, dauern die EU-internen Verhandlungen zwischen Parlament, Kommission und Mitgliedsstaaten noch an. Sechsstündige Verhandlungen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sind noch ohne konkretes Ergebnis geblieben. Eine Vereinbarung soll nun möglicherweise am 19. Mai getroffen werden.

Hinzu kommt, dass die EU jetzt über mögliche Gegenmaßnahmen berät, sollte Trump seine Zolldrohungen wahr machen. Im Gespräch sind insbesondere Gegenzölle auf US-Produkte, für welche die EU-Kommission bereits eine 99-seitige „Giftliste“ vorhält. Ein Schwerpunkt der potentiellen Gegenangriffe liegt dabei auf dem US-Agrarsektor: Schließlich ist die Landbevölkerung eine wichtige Wählerbasis der Republikanischen Partei. Neben Bourbon Whiskey, Sojabohnen, Fleisch und Molkereiprodukten sind auch europäische Zölle auf US-Flugzeugteile, Textilien, Lederwaren, Autos und Autoteile im Gespräch.

Ifo-Präsident warnt vor erheblichen Risiken

Der Präsident des ifo-Instituts, Clemens Fuest, warnte angesichts der gegenseitigen Drohungen vor erheblichen Risiken für die deutsche Wirtschaft im Falle eines eskalierenden Handelskriegs mit den USA. In diesem Falle drohe Deutschland im Jahr 2026 eine Rezession, so Fuest. Die angedrohten Zollerhöhungen würden die deutsche Autoindustrie „in einer ohnehin schwierigen Lage“ besonders treffen.

In der Tat ist momentan noch unabsehbar, ob und wann die USA und der Iran eine dauerhafte Vereinbarung über ein Ende des Kriegs in Westasien beschließen, die zur Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr führen würde. Auch in einem solchen Fall dürften die Störungen der globalen Lieferketten vor allem für Öl, Gas, Düngemittel und das Industriegas Helium noch Monate andauern. Die arbeitende Bevölkerung in Deutschland wird daher vermutlich noch lange von Teuerungen betroffen sein – dies umso mehr, wenn jetzt auch noch der Handelskrieg eskaliert.

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