USA sichern sich Zugang zu brasilianischen Rohstoffen im Machtkampf um Seltene Erden

Seit einiger Zeit vergrößern die USA in Brasilien und anderen Ländern ihren Zugriff auf Seltene Erden. Diese werden vor allem für moderne Technologien, aber auch im weltweiten Wettlauf der Aufrüstung benötigt. Nun hat sich das US-amerikanische Unternehmen USA Rare Earth Anteile am brasilianischen Bergbau-Unternehmen Serra Verde gesichert.

Das US-amerikanische Unternehmen USA Rare Earth hat einen Deal mit dem brasilianischen Großproduzenten Serra Verde abgeschlossen. Für ungefähr 2,8 Milliarden US-Dollar wurde die Mehrheit der Anteile erworben. Das brasilianische Unternehmen fördert mehrere Seltene-Erden-Metalle, die zur Herstellung von Permanentmagneten benötigt werden – allen voran die als kritisch geltenden Elemente Dysprosium, Terbium und Yttrium. Die eigenen Kapazitäten zur Förderung und Verarbeitung von Seltenen Erden gelten für die USA als strategische Priorität.

Durch Investitionen in ausländische Firmen den Einfluss vergrößern

Dabei geht es vor allem darum, die Abhängigkeit von China zu reduzieren. China dominiert den globalen Rohstoffmarkt für Seltene Erden: etwa 70 Prozent ihrer weltweiten Förderung entfallen auf das Land. Zudem verfügt China über große Anteile an der Verarbeitungskapazität strategischer Industriemetalle.

Chinas Fünfjahresplan: Strategische Autonomie und KI-Macht

Diese strategische Priorität zeigt sich auch am ungewöhnlichen Ausbau des US-Einflusses: Ohne ein formelles bilaterales Abkommen hatte die U.S. International Development Finance Corporation (DFC) – der US-amerikanische Arm für internationale Investitionen – im Februar einen Kredit über 565 Millionen US-Dollar an Serra Verde vergeben. Die erhöhte Liquidität sollte dem Unternehmen helfen, die Förderkapazität der Mine Pela Ema von 5.000 metrischen Tonnen auf 6.500 metrische Tonnen pro Jahr zu erhöhen.

Außerdem beinhaltete das Abkommen eine Möglichkeit für die USA, selbst einen Minderheitsanteil am Unternehmen zu erwerben. Auch eine sogenannte Offtake-Klausel ist eingeschlossen: sie erlaubt Washington zu bestimmen, wohin die in Brasilien geförderten Mineralien verkauft werden. Aus geostrategischer Sicht ist das ein wichtiges Instrument.

Die neuen Fördermittel gehören zu einer Reihe von Maßnahmen, mit der die DFC und damit auch der US-amerikanische Staat ihren Einfluss weltweit vergrößern. Dabei stellt die aktuelle Politik einen deutlichen Kurswechsel im Vergleich zu den Finanzierungsplänen bis Oktober 2025 dar. Zu anderen Zielen neben Brasilien gehören die Vorkommen im Kongo, in der Ukraine und in Kasachstan.

Abkommen zwischen DFC und Präsidentschaftskandidat Caiado inmitten der Wahlen führt zu Spannungen

Neben Krediten und Marktinstrumenten der DFC haben die USA zudem ein Abkommen mit dem Gouverneur des Bundesstaats Goiás geschlossen, in dem das Unternehmen Serra Verde ansässig ist. Der aufstrebende Gouverneur Ronaldo Caiado – ehemals Mitglied des brasilianischen Bundessenats und inzwischen selbst Präsidentschaftskandidat – unterzeichnete direkt mit Washington eine Absichtserklärung zur Kartierung Seltener Erden, ohne die brasilianische Bundesregierung zu beteiligen.

Dies steht im Spannungsverhältnis zur aktuellen Strategie der brasilianischen Regierung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva: Dieser möchte angesichts der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China – das derzeit etwa 70 Prozent der brasilianischen Mineralien importiert – keine klare Position im geopolitischen Machtkonflikt beziehen und strebt stattdessen Abkommen mit anderen Staaten wie Südkorea oder der EU an.

Dagegen haben sich zwei der größten politischen Gegner Lulas bereits vor der Wahl auf die Seite der USA gestellt: Ronaldo Caiado hat spätestens mit dem Abkommen mit DFC gezeigt, wie er zu den USA steht, und auch der rechte Kandidat Flávio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, hat sich öffentlich zur USA positioniert.

Brasiliens Vorkommen auch für weltweiten Aufrüstungskurs relevant

Trotz Investitionen in anderen Teilen der Welt sind die Vorkommen in Brasilien für die USA unverzichtbar: Brasilien verfügt nach China über die zweitgrößten Vorkommen Seltener Erden weltweit. Hinzu kommt, dass die Mine Pela Ema auf schwere Seltene Erden spezialisiert ist — ein Bereich, der die Kapazitäten von Serra Verde besonders wichtig für die US-Strategie macht. Gerade schwere Seltene Erden machen einen großen Teil des Marktwerts aus und sind für zahlreiche Anwendungen unverzichtbar, darunter Waffensysteme, Halbleiter, Motoren, Nachtsichtgeräte und Sensoren. Damit gewinnen Förderung und Verarbeitung Seltener Erden für die USA zunehmend auch militärische Bedeutung.

Auch für Deutschland wird Brasilien immer relevanter. Erst Ende April haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Brasiliens derzeitiger Präsident Lula bei einem Treffen in Hannover eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Im Zentrum stehen wirtschaftliche, technologische und militärische Kooperationen.

Deutschland und Brasilien schwören sich auf mehr Zusammenarbeit ein

Deutschland ist besonders an brasilianischen Rohstoffen wie Seltene Erden, sowie an Bioenergie-Technologien interessiert, um die eigene Industrie und Energieversorgung abzusichern und Lieferabhängigkeiten zu reduzieren. Brasilien wiederum strebt nicht nur die Rolle als Rohstofflieferant an, sondern will stärker in die Weiterverarbeitung und den Export von Endprodukten eingebunden werden.

Zusätzlich wurde eine vertiefte Zusammenarbeit im Rüstungsbereich vereinbart, etwa bei Schiffen, Drohnen und anderen militärischen Systemen. Das Ganze steht im Kontext des bald in Kraft tretenden Mercosur-Abkommens, das den Handel zwischen Europa und Südamerika erleichtern soll.

Kritik am Abkommen von Aktivist:innen und linker Partei

Als Reaktion auf das subnationale Abkommen der USA mit dem Gouverneur von Goiás und auf den Kauf des Unternehmens — der faktisch beinahe einem Erwerb brasilianischer Rohstoffvorkommen gleichkommt — hat die linke Partei Rede Sustentabilidade (dt. ungefähr: Netzwerk Nachhaltigkeit) Einspruch beim obersten brasilianischen Gericht eingelegt. Damit liegt die Übernahme des Unternehmens vorerst auf Eis.

USA Rare Earth veröffentlichte zudem Details zum Kaufpreis: Die bisherigen Eigentümer erhielten neben Aktien des Unternehmens rund 300 Millionen US-Dollar in bar. Dies könnte auch als Vorsichtsmaßnahme verstanden werden — für den Fall, dass brasilianische Institutionen juristisch gegen die Übernahme vorgehen.

Brasilianische Aktivist:innen sehen die Situation der Seltene-Erden-Förderung im Land kritisch: Aufgrund fehlender Regulierung würden Entscheidungen meist von Gerichten auf unterschiedlichen Ebenen getroffen. Ein klarer gesetzlicher Rahmen fehle, wodurch sowohl Umwelt- als auch Arbeitsschutzaspekte benachteiligt würden.

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