Mit mehreren hundert Menschen fand am vergangenen Samstag das 11. Ivana-Hoffmann-Festival statt. Trotz Krieg, Krisen und Unterdrückung verbreiteten Duisburger:innen und revolutionäre Organisationen Mut und Hoffnung. – Ein Bericht von Mario Zimmermann.
Strahlende Sonne über klarem Himmel und Temperaturen über 30 Grad. So empfängt die Stadt Duisburg mehrere hundert Sozialist:innen, Weggefährt:innen und Angehörige Ivana Hoffmanns, die für das jährliche Festival zu ihrem Gedenken angereist sind.
Ivana Hoffmann war eine junge Kommunistin aus Duisburg. Über Jahre war sie in Duisburg in der sozialistischen Jugendorganisation Young Struggle aktiv und nahm an unterschiedlichen Kämpfen teil. Zum Beispiel war sie Sprecherin der Bildungstreik-Bewegung. Ihre Genoss:innen beschreiben sie als lustige und diskussionsfreudige Weggefährtin, die mit ihrer Begeisterung für den Sozialismus viele Menschen ansteckte.
Sie hatte ein hohes Empfinden für Gerechtigkeit. Sie war auch selbst als lesbische, schwarze Frau mit Unterdrückung konfrontiert. Im Jahr 2014 schloss sie sich in den Reihen der Marxistisch Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) der Rojava-Revolution in Nordostsyrien an. Dort wurde sie beim Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat am 7. März 2015 unsterblich.
„Biji Berxwedana Rojava!“
Zu Beginn des Festivals ging es vom Duisburger Hauptbahnhof in einem Demonstrationszug durch die Duisburger Innenstadt. Neben den Rufen in Ivanas Gedenken, war auch die Verteidigung der Errungenschaften, für die die Rojava-Revolution steht, im Fokus. Ein Hochhalter in Ehren der Frauenverteidigungeinheit YPJ in deren Reihen viele revolutionäre Frauen – unter anderem Ivana selbst – kämpften, machte klar: Wir sind all YPJ. Die Frauenverteidigungseinheiten stehen im Eingliederungsprozess der Demokratischen Selbstverwaltung in den neuen syrischen Staat unter starkem Druck. Gleichzeitig bleiben sie eine wichtige Versicherung der Frauen, dass ihnen nicht die Errungenschaften der Frauenrevolution, wie Sicherheit und demokratische Rechte, genommen werden.
Die Völker in Westasien sehen sich vielen Bedrohungen ausgesetzt: anhaltende Aggressionen durch Israel in Gaza und im Libanon, der um sich schlagende US-Imperialismus gegen den Iran und Massaker an Minderheiten durch das syrische Regime. Trotzdem machte die Demonstration klar was die Antwort ist: Kämpfen wie Ivana! So auch ein großes Banner von Young Struggle, welches mit Pyrotechnik begleitet eine Baustelle schmückte.
In den Reden wurden viele weitere Schwerpunkte herausgearbeitet, wie die Vorbildfunktion Ivanas für eine proletarische LGBTI+ Bewegung, die Stärkung des Kampfes gegen die staatliche Repression von der besonders Sozialist:innen in der Türkei dieses Jahr betroffen waren. Auch zu den Sozialprotesten in Deutschland wurde der Bogen geschlagen. Die Antwort auf Kriege, Unterdrückung und Armut blieb letztendlich die Gleiche: Eine Zukunft im Sozialismus, wie sie auch von den meist jugendlichen Demonstrant:innen laut eingefordert wurde.
Ein Platz voller Hoffnung
Angekommen auf dem König-Heinrich-Platz gab es abschließende Reden von der Bühne. Ein Gruß von Ivanas Kampfgenoss:innen in Rojava wurde verlesen. Nach der Begrüßung und Eröffnung des Festes durch die Mutter von Ivana Hoffmann, begannen die Festlichkeiten. Den Auftakt machte die türkische Band Grup Vardiya. Tropische Temperaturen und eine starke Sonne konnten die Jugendlichen nicht vom Tanzen abhalten. Wer wollte, konnte das Treiben von den Sitzgelegenheiten aus beobachten.
Stände von Organisationen wie der türkischen Gefangenen Organisation TSP, Peoples Bridge, ZORA, der Föderation Klassenkämpferischer Organisationen und viele weitere luden zum stöbern und diskutieren ein. Nach den türkischen Liedern wurden von der französischen Band Les Camerades Lieder auf Spanisch, Deutsch und Französisch angestimmt. Darunter Schlager des Klassenkampfes wie „Arbeiter von Wien“ die zum Mitsingen einluden.
Ivana Hoffmann-Festival am 20. Juni in Duisburg: „Widerstand heißt Leben!“
Neben der Mutter von Ivana wurden auch weitere Angehörige im Kampf gefallener Revolutionär:innen auf der Bühne empfangen und vom Fest gegrüßt. Dass niemand mit seinen Problemen und Kämpfen alleine ist, versicherte auch das Trio RZ Rap. Neben den bekannten Demo-Hits waren auch neue Lieder wie Frühling und Cantona dabei.
Das Musikprogramm wurde abgerundet mit türkischer und kurdischer Folklore-Musik. Der großen Halay-Runde konnte sich kaum einer entziehen. Nach dem gemeinsamen Abbau war der Tag beendet und die Teilnehmer:innen fuhren Heim, mit neuer Hoffnung für die kommenden Klassenkämpfe und Vorfreude auf das Festival im nächsten Jahr.

