Nach dem Messerangriff auf einen Antifaschisten in Göttingen nahmen sich bundesweit tausende Antifaschist:innen die Straße. Neben der großen Solidarität machten die Demonstrierenden auch auf die Zusammenhänge zwischen solchen Angriffen und der aktuellen Politik aufmerksam.
Nach dem Messerangriff auf einen Antifaschisten in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Göttingen liegt dieser weiterhin im künstlichen Koma. Der Tatverdächtige ist nach einer vorläufigen Festnahme wieder auf freiem Fuß. Als Reaktion auf den mutmaßlich faschistisch motivierten Angriff nahmen sich bundesweit tausende Antifaschist:innen die Straße.
Demonstrationen in Göttingen
Am Sonntagabend zeigten circa 1500 Antifaschist:innen in Göttingen mit einer Demonstration eine schnelle und direkte Antwort auf den Angriff. Im Zentrum dieser Demonstration stand die Solidarität mit dem Göttinger Antifaschisten und allen Betroffenen rechter Gewalt. Mit Pyrotechnik und lauten Parolen nahmen sich die Antifaschist:innen selbstbewusst und selbstbestimmt die Straße.
Am Montag ließ die nächste Göttinger Demonstration nicht lange auf sich warten. Wieder nahmen sich hunderte Antifaschist:innen die Straße. Die vielen klassenkämpferisch organisierten Antifaschist:innen zeigten die Verbindungen zwischen den sich häufenden faschistischen Angriffen und der aktuellen Politik der Bundesregierung auf.
„Eine Politik, die linke Strukturen angreift und kriminalisiert. Eine Politik, die jungen Menschen ihre Zukunftsperspektive raubt und die durch Spaltung und Nationalismus für die eigenen Zwecke einspannt“, erklärt eine Rednerin. „Der Angriff vom Wochenende war nicht nur die Tat eines einzelnen Faschisten. Sie war auch die Tat einer Politik, die den Faschismus nicht ein für allemal in die Geschichtsbücher verbannt.“
Auch ging es in Redebeiträgen und Parolen um die kommende Wehrpflicht, den Aufstieg der AfD oder die Unterstützung des Genozids in Palästina. Mit der Parole „Hinter dem Faschismus steht das Kapital, der Kampf um Befreiung ist international“ machten die Demonstrierenden auf die Ursache und den Knotenpunkt dieser Kämpfe aufmerksam.
Abseits der großen Demonstrationen besuchten einige Antifaschist:innen auch rechte Burschenschaften und die Zentrale der Göttinger CDU. Mit Spraydosen markierten sie diese mit Parolen wie „Blut an euren Händen“ oder „Nazis töten“.
Dieser Staat schützt uns nicht
Dass auf den Staat im antifaschistischen Kampf kein Verlass ist, machten auch weitere bundesweite Demonstrationen klar. Bei einer Demonstration an der Hauptwache in Frankfurt am Main riefen die Antifaschist:innen lautstark „Nazis morden, der Staat macht mit, der NSU war nicht zu dritt!“ Auch bei der Kölner Demonstration zum Messerangriff wurde die Verbindung von Staat, Polizei und Faschismus betont. So schallte die Parole „Deutsche Polizisten, Mörder und Faschisten“ durch die Straße, an den Streifenwägen der Polizei vorbei.
Statt sich mit Repressionen und Einschränkungen herumzuschlagen, nahmen sich Antifaschist:innen mit einer spontanen Demonstration in Wuppertal selbstbestimmt die Straße. Mit einem kämpferischen, antifaschistischen Ausdruck trugen sie ihre Solidarität in die Nachbarschaft und beendeten ihre kämpferische Demonstration danach eigenständig.
Die Demonstrant:innen machten außerdem auf die Angriffe auf queere Personen und den Stonewall-Kampftag am 28.06. aufmerksam. Auch würden die Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt am 04.07. eine Möglichkeit sein, Antifaschismus praktisch werden zu lassen.
Nach Machetenangriff: Hunderte demonstrieren in Berlin gegen faschistische Gewalt
Siamo tutti antifascisti
Demonstrationen, Kundgebungen und Aktionen fanden bundesweit statt. Ob in Aachen, Duisburg, Berlin, Freiburg, Hamburg oder Leipzig, überall stand die antifaschistische Bewegung zusammen. Mit im Vordergrund stand deshalb immer die Parole „Siamo tutti antifascisti“ (deutsch: Wir sind alle Antifaschist:innen).
Faschistische Angriffe häufen sich, während die Gesellschaft immer weiter nach rechts rückt. Der Machetenangriff in Berlin, der Schlagringangriff in Erfurt, der Faustangriff in Essen oder auch Hausdurchsuchungen gegen Antifaschist:innen in Nürnberg machen einen solidarischen, antifaschistischen Selbstschutz immer notwendiger.
Mit der schnellen Antwort auf den neuesten Angriff hat die antifaschistische Bewegung Reaktionsfähigkeit bewiesen. Ein junger Antifaschist in Göttingen ruft darüber hinaus auf: „Lasst uns gemeinsam organisieren und die antifaschistische Bewegung richtig ins Rollen bringen!“

