Die Anzahl telefonischer Beratungen zu patriarchaler Gewalt stieg 2025 im Vergleich zum Vorjahr stark an – wie in jedem Jahr seit der Einführung des Hilfetelefons gegen Gewalt gegen Frauen handelt es sich um einen weiteren Höchststand.
Das telefonische Hilfsangebot gegen Gewalt an Frauen verzeichnete im Jahr 2025 über 69.500 durchgeführte Beratungen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 14 Prozent, bei den Beratungen zu geschlechtsspezifischer Gewalt sogar von 17 Prozent. Von Letzteren waren 73 Prozent die Betroffenen selbst die Hilfesuchenden.
Pro Tag haben somit durchschnittlich 190 Menschen die Hilfsrufnummer 116 016 gewählt. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die sich seit der Gründung des Hilfetelefons im Jahr 2013 beobachten lässt: Jedes Jahr steigt die Zahl weiter an.
Ursache hierfür ist einerseits die steigende Bekanntheit des Hilfsangebots, wodurch sich die große Dunkelziffer verringert. Andererseits ist auch gesamtgesellschaftlich ein Anstieg patriarchaler Gewalt zu beobachten. Im Jahr 2024 hatte die Zahl der Fälle häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen einen neuen Höchststand erreicht. Laut den vom Bundeskriminalamt vorgestellten Lagebildern vom vergangenen Jahr waren 265.942 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen. Mehr als 73 Prozent der Betroffenen waren Frauen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem erneuten Anstieg von 3,8 Prozent, im Vergleich zu 2019 sogar von fast 18 Prozent.
In Wirklichkeit dürfte die Zahl der von patriarchaler Gewalt betroffenen Frauen noch höher sein: Eine großangelegte Studie des BKA und der Ministerien BMI und BMBFSFJ, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass weniger als zehn Prozent aller Gewalterfahrungen bei der Polizei angezeigt werden, bei Gewalt in Partnerschaften sogar weniger als fünf Prozent. Scham, Angst vor den Folgen einer Anzeige, Abhängigkeiten von den Tätern sowie mangelndes Vertrauen in die Behörden zählen zu den wichtigsten Gründen dafür.
Gewalt in Deutschland: Studie beleuchtet das riesige Dunkelfeld
Frauenhäuser stoßen an ihre Grenzen, während ihre Budgets weiter gekürzt werden
Wie im Jahresbericht des Hilfetelefons gegen Gewalt an Frauen mitgeteilt wurde, fand die Hälfte der Anrufe im letzten Jahr im Kontext patriarchaler Gewalt in aktiven oder ehemaligen Beziehungen statt. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit von Hilfsangeboten wie Frauenhäusern, die als Schutzorte für Betroffene dienen.
Doch gerade dieser Bereich ist chronisch unterfinanziert. Wie im Jahresbericht erwähnt wird, kam es immer wieder vor, dass Betroffene mehrfach anriefen, da sie vor Ort zu lange auf einen Termin warten mussten.
Einer Kostenstudie des BMBFSFJ zufolge wären pro Jahr 1,6 Milliarden Euro für einen adäquaten Schutz vor Gewalt gegen Frauen nötig. Doch lediglich 271 Millionen Euro beträgt der Haushalt, den der Bund dafür bereitstellt. Das Gewalthilfegesetz stellt für einen Zeitraum von neun Jahren nur 2,6 Milliarden Euro zur Verfügung.
Dem Frauenhauskoordinierung e.V. zufolge fehlen in 90 von insgesamt 294 deutschen Landkreisen Frauenhäuser. Das bedeutet, dass die Einrichtungen auf dem Land meist weit entfernt sind – und jene in den Großstädten den Bedarf ebenfalls nicht decken können. Ferner nennt der Verein die Finanzierung als großes Problem und wird als „Flickenteppich“ bezeichnet. Die Budgets der Frauenhäuser setzen sich unter anderem aus Spenden, kommunalen und Landesmitteln zusammen. Dies macht eine dauerhaft verlässliche Finanzierung unmöglich. Deshalb müssen die Frauen häufig selbst für ihren Aufenthalt aufkommen.
Die taz berichtete 2024 von einem Fall, in dem eine Frau pro Tag 160 Euro plus Nebenkosten für Strom und Lebensmittel bezahlen musste. Neben mangelnden Kapazitäten ist also auch Armut ein möglicher Grund, trotz Notlage nicht in ein Frauenhaus zu gehen.
Über Stalking zum Femizid – Das Urteil zum Mord an Aleyna E.
In der Bundeshauptstadt Berlin will der CDU-geführte Senat in diesem Bereich nun noch weiter sparen: Zwei Prozent weniger Geld sollen die Gewalthilfen erhalten. Für einige Berliner Hilfsangebote könnte diese Kürzung das Aus bedeuten.
Proteste gegen Kürzungen im Gewaltschutz
Im September 2025 wurde gegen diese geplante Maßnahme bereits protestiert. Mehrere Dutzend Frauen, darunter Mitarbeiter:innen von Frauenhäusern, blockierten bei dieser Aktion eine Treppe des Berliner Abgeordnetenhauses.
Femizide in Deutschland: Gewaltsame Realität und der Kampf dagegen
Die Teilnehmer:innen bezogen sich dabei auf die mindestens 28 Femizide, die im Jahr 2024 allein in Berlin geschahen. Als Femizid werden Morde an Frauen bezeichnet, die aufgrund ihres Geschlechts verübt werden. Bei der beschriebenen Blockadeaktion wurde mit Blick auf die Kürzungen und deren potenziell tödliche Folgen die Parole gerufen: „Berlin lässt uns verrecken!“.

