BMW senkt Gewinnerwartungen erheblich – Gespräche mit Betriebsrat über weitere Einsparungen laufen

Der Autobauer BMW senkt seine Gewinnprognose um die Hälfte. Begründet wird das mit der Entwicklung im chinesischen Markt und den Elektroautos. Gespräche über Kostensenkungen sind geplant.

BMW hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich nach unten korrigiert. Der Konzern veröffentlicht in einer Pressemeldung Mitte Juni, dass seine Gewinne wesentlich stärker zurückgehen als bisher angenommen. Statt einer Gewinnmarge von vier bis sechs Prozent im Kerngeschäft, rechnet BMW nur noch mit ein bis drei Prozent.

Auch beim sogenannten Vorsteuergewinn – also dem Gewinn, den ein Unternehmen vor Abzug von Steuern erzielt – erwartet BMW inzwischen einen deutlicheren Rückgang. Dabei plant das bayerische Unternehmen trotz der gesenkten Gewinnprognose weiterhin einen freien Mittelzufluss von mehr als 2,5 Milliarden Euro im Autogeschäft. Auch Ausschüttungen an Aktionär:innen sollen unverändert bleiben. 30 bis 40 Prozent des Gewinns als Dividenden sollen weiterhin ausgezahlt werden. Zudem hält BMW an seinem laufenden Aktienrückkaufprogramm fest.

Bei einem Aktienrückkauf erwirbt, unter anderem, ein Konzern seine eigenen Aktien von der Börse zurück. Dadurch sinkt die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien, was häufig den Gewinn pro Aktie erhöht und den Aktienkurs stützt. Die zurückgekauften Aktien werden entweder eingezogen oder als eigene Aktien gehalten.

Die genaue Zahl schwanken, weil jede Woche weitere Aktien zurückgekauft werden. Allein im Februar 2026 kaufte BMW in einzelnen Wochen jeweils rund 180.000 bis 225.000 Aktien zurück. Insgesamt gibt BMW an, dass sich Mitte 2025 insgesamt rund 615,8 Millionen Aktien des Konzerns im Umlauf befanden.

Von Autos zu Panzerfahrzeugen: KNDS plant Übernahme von VW- und Mercedes-Standorten

Die Entwicklung des chinesischen Marktes

Als Gründe für die neue Analyse nennt der Konzern die schwache Entwicklung des chinesischen Automarktes sowie die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs gegen den Iran. Besonders die Entwicklung in China setzt BMW unter Druck. Der chinesische Markt galt lange als einer der wichtigsten Absatzmärkte deutscher Autohersteller. Jahrelang trug das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wesentlich zu den hohen Profiten von BMW, Volkswagen und Mercedes bei. Während es zwischen 2022 und 2023 bei der Entwicklung des Autoabsatzes in China ein Plus von ungefähr zwölf Prozent gab, sieht die Lage inzwischen anders aus. Nach Angaben des chinesischen Verbands für Personenkraftwagen (CPCA) wurden im Mai 22 Prozent weniger Autos verkauft als im April. Von Januar bis Mai lagen die Verkaufszahlen zudem fast 20 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

„Der chinesische Automobilmarkt steht unter zunehmendem Druck“, heißt es von Volkswagen Peking. Eine Erholung im weiteren Jahresverlauf sei nicht zu erwarten. „Die Volkswagen Group China kann sich diesem Trend nicht entziehen. Wir passen unsere Pläne entsprechend an“, erklärte der größte deutsche Autobauer.

Chinesische Hersteller drängen auf den Weltmarkt

Von der sinkenden Nachfrage sind auch chinesische Hersteller betroffen. Um die Verluste auf dem Heimatmarkt auszugleichen, setzen viele Konzerne verstärkt auf den Export. Laut CPCA stiegen die Pkw-Ausfuhren bis Ende Mai um rund 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders in Lateinamerika, Afrika und anderen asiatischen Ländern sehen chinesische Hersteller wachsende Märkte und neue Absatzmöglichkeiten.

Der verschärfte Konkurrenzkampf verlagert sich damit zunehmend auf den Weltmarkt. Während die deutschen Automobilkonzerne Marktanteile in China verlieren, versuchen chinesische Konzerne ihre Position international auszubauen.

Nur ein halbes Prozent Wachstum – Auch Bundesregierung schraubt Wachstumsprognose herunter

Gespräche mit dem Betriebsrat werden vorbereitet

Vor diesem Hintergrund kündigte BMW an, seinen Sparkurs zu verschärfen. „Wir werden unsere aktuellen Strukturen und Prozesse an die sich drastisch verschärfenden Marktbedingungen anpassen“, erklärte Produktionsvorstand Milan Nedeljković. Die bereits laufenden Maßnahmen sollen „deutlich intensiviert und beschleunigt“ werden. „Es geht um Geschwindigkeit und Effizienz“.

Welche konkreten Maßnahmen daraus folgen, ist bislang offen. Bekannt ist jedoch, dass BMW Gespräche mit dem Betriebsrat über weitere Kostensenkungen vorbereitet – dabei sollen verschiedene Möglichkeiten zur Senkung der Ausgaben diskutiert werden. Ob daraus Auswirkungen auf Arbeitsplätze oder Arbeitsbedingungen entstehen, ist derzeit noch unklar.

Krise der Autoindustrie setzt sich fort

Die Schwierigkeiten bei BMW sind kein Einzelfall. Die gesamte deutsche Automobilindustrie befindet sich in einer Krise. Volkswagen, Mercedes-Benz, Porsche, ZF, Bosch und Continental haben in den vergangenen Monaten Sparprogramme angekündigt. Die Konzerne planen, Stellen abzubauen oder Einschnitte bei Investitionen zu tätigen.

Die Krise der Branche zeigt sich auch bei den Beschäftigten. An zahlreichen Standorten werden Stellenstreichungen, Produktionskürzungen oder Umstrukturierungen vorbereitet beziehungsweise bereits umgesetzt. Gleichzeitig versuchen die Konzerne durch Rationalisierung, Kostensenkungen und höhere Produktivität ihre Profitabilität zu sichern.

Die Automobilindustrie gilt als Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft. Hunderttausende Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt von ihr ab. Die Probleme bei BMW sind deshalb nicht nur Ausdruck der Situation eines einzelnen Unternehmens, sondern Teil einer Entwicklung, die große Teile der deutschen Industrie erfasst hat.

DIHK-Tag: Merz verspricht Industrie-Unternehmen Umverteilung von unten nach oben

Rüstung gegen die Wirtschaftskrise

Die Entwicklung bei BMW steht zugleich für die Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft insgesamt. Nachdem die deutsche Wirtschaft bereits in den vergangenen Jahren kaum gewachsen war, korrigierte auch die Bundesregierung ihre Erwartungen zuletzt erneut nach unten. Für das laufende Jahr wird nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent erwartet.

Allein Volkswagen kündigte Ende 2025 den Abbau von mehr als 50.000 Arbeitsplätzen bis 2030 an. Auch bei Zulieferern wie Bosch, ZF, Continental und anderen Industriekonzernen stehen tausende Arbeitsplätze zur Disposition oder wurden bereits gestrichen. Gleichzeitig fordern Wirtschaftsverbände weitere Unternehmenssteuersenkungen, Subventionen und Entlastungen für die Industrie.

Bundeskanzler Friedrich Merz versprach den deutschen Großunternehmen auf dem IHK-Tag, Deutschland wieder „wettbewerbsfähiger“ zu machen. Dazu gehören unter anderem milliardenschwere Steuererleichterungen und staatliche Förderprogramme für Unternehmen.

Gleichzeitig diskutieren Unternehmen und Politiker:innen zunehmend über eine stärkere Verknüpfung von Industrie- und Rüstungspolitik. Der Rüstungskonzern KNDS plant die Übernahme ehemaliger Standorte von Mercedes-Benz. Auch VW sieht die Umstellung auf Rüstungsproduktion als Chance für Werke, die von einer Schließung bedroht sind.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!