300 Menschen demonstrierten am Montag in Belgien zur Erinnerung an den Genozid in Sri Lanka im Jahr 2009. Einige Wochen zuvor hatte die eelam-tamilische Community bereits in Düsseldorf dem Jahrestag des Mullivaikkal-Massakers gedacht. In Deutschland und der EU ist die Bewegung dabei immer wieder politischer Verfolgung ausgesetzt.
Am 22. Juni fand in Brüssel eine europaweite Demonstration der eelam-tamilischen Community statt. Organisiert wurden die Proteste von der Tamil Youth Organisation (TYO), die in verschiedenen Ländern Europas und auf der ganzen Welt über Sektionen verfügt. Aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien waren Menschen zu der Demonstration angereist. Insgesamt beteiligten sich rund 300 Personen an den Protesten.
Das Ziel der Demo, die auch am Parlament der EU vorbeizog, war es, auf den Genozid an den Eelam-Tamil:innen in Sri Lanka im Jahr 2009 aufmerksam zu machen. Mehrere Redner:innen forderten Mitgliedstaaten der EU auf, ihr Schweigen zu brechen.
Der Genozid auf Sri Lanka
Am 18. Mai im Jahr 2009 hatte das sri-lankische Militär den schmalen Küstenstreifen von Mullivaikkal, welcher vorher zu einer sogenannten No-Fire-Zone erklärt wurde, bombardiert und dabei über 70.000 Eelam-Tamil:innen ermordet. Bis heute werden 150.000 Menschen vermisst.
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Außerdem wurde im selben Atemzug die Organisation der tamilischen Widerstandsbewegung, die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), militärisch besiegt und die Errungenschaften der eelam-tamilischen Freiheitsbewegung zunichte gemacht. Diese hatte als einzige Guerillaarmee auf der Welt über eigene Luft- und Seestreitkräfte sowie eigene Polizei, Gerichte und Verwaltungsstrukturen verfügt.
Doch die Geschichte der Unterdrückung der Eelam-Tamil:innen endete nicht mit dem 18. Mai. Bis heute dauern Landraub durch singhalesische Siedlerbanden, gezielte Veränderung der Demographie sowie Übergriffe auf Eelam-Tamil:innen weiter an.
Im Jahr 2006 setzte die EU die LTTE auf die Liste „verbotener terroristischer Organisationen“. Eine Konsequenz war die Einfrierung der Vermögenswerte. Im Jahr zuvor hatte die EU bereits ein Reiseverbot gegen Kader:innen der Organisation verhängt und erklärt, sie erwäge ein Verbot aufgrund der „Anwendung von Gewalt und Terrorismus“.
„Das zeigt die Wichtigkeit der heutigen Demonstration“, betonte ein Aktivist aus der kurdischen Bewegung. Auch er beteiligte sich an der Demonstration und der anschließenden Kundgebung auf dem Place Jean Ray, einem zentralen Platz in der Brüsseler Innenstadt. Auf der Abschlusskundgebung gab es neben Redebeiträgen auch eine traditionelle Tanzaufführung. „Wir freuen uns wieder Teil dieser Proteste zu sein und erklären unsere Solidarität mit unseren eelamtalischen Geschwistern“, versicherte der Aktivist aus der kurdischen Bewegung.
Protest auch in Deutschland
Bereits am 18. Mai hatte in Düsseldorf vor dem Landtag eine Gedenkveranstaltung der eelam-tamilischen Community stattgefunden. Veranstalter:innen waren der Volksrat der Eelam-Tamil:innen und die TYO. Anlass war der 17. Jahrestag des Mullivaikkal-Massakers.
Der deutsche Imperialismus und die tamilische Befreiungsbewegung
Zum wiederholten Mal geriet das Gedenken der Eelam-Tamil:innen dabei ins Fadenkreuz der deutschen Repressionsbehörden. So wurde das Zeigen der eelam-tamilischen Nationalflagge erneut untersagt. Diese war 2022 mit der Falschbehauptung, es handle sich bei der Flagge um die Flagge der Liberation Tigers of Tamil Eelam, durch den deutschen Staat verboten worden. Zwar hatten die Behörden es versäumt, das Verbot der Flagge in den Auflagen zu vermerken. Als diese jedoch gehisst wurde, ließen es sich die Einsatzkräfte nicht nehmen, das Einholen der Flagge mit der Androhung einer Anzeige zu erzwingen.
Die Flagge selbst ist ein wichtiges Symbol für die Befreiungsbewegung. Das Rot steht für den revolutionären Wandel, den Kampf gegen das Kastensystem und Patriarchat. Gelb bedeutet Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Weiß symbolisiert die Reinheit der Freiheitskämpfer:innen, während das Schwarz bedeutet, dass der Weg zur Freiheit immer mit Tod, Schmerz und Zerstörung verbunden ist. Außerdem sind auf der Flagge neben dem Kopf des Tigers zwei Gewehre und Patronen abgebildet. Diese würden nach der Befreiung Tamil-Eelams von der Flagge entfernt werden.

