Zum zweiten Mal nach 2015 stimmten die Hamburger:innen gegen eine Bewerbung für die Austragung der Olympischen Spiele. Der Deutsche Olympische Sportbund wird trotzdem weiterhin einiges daran setzen, das Sport-Event ins eigene Land zu holen.
Als das Ergebnis fest stand, griff Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD persönlich zum Hörer und informierte den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) darüber, dass die Stadt Hamburg ihre Olympia-Bewerbung zurückzieht. Überraschend deutlich hatten zuvor beim Referendum am Sonntag knapp 55 Prozent der Abstimmenden mit Nein gestimmt. Am Referendum beteiligten sich knapp die Hälfte aller Hamburger Wahlberechtigten.
Auffällig in der Verteilung der Nein- und Ja-Stimmen war, dass in Stadtteilen wie Nienstedten, Othmarschen, Blankensee und Harvestehude besonders häufig für die Hamburger Olympia-Bewerbung gestimmt wurde. In diesen Stadtteilen liegen die durchschnittlichen Einkünfte deutlich über dem Hamburger Gesamtdurchschnitt. In den ärmeren Stadtteilen hingegen überwogen eindeutig die „Nein“-Stimmen.
In den Wochen vor dem Referendum hatten sowohl Befürworter:innen als auch Gegner:innen mit größeren Kampagnen für ihre Anliegen geworben und versucht, die Hamburger:innen auf ihre Seite zu ziehen. Der Hamburger Senat hatte zwischenzeitlich suggeriert, dass größere Infrastrukturprojekte und Wohnungsneubau nur dann verwirklicht werden könnten, wenn auch die Olympischen Spiele nach Hamburg kommen. Die Befürworter:innen erhofften sich zudem einen Imagegewinn und einen Stimmungsaufschwung – und sicherlich auch größere finanzielle Gewinne.
Die „Nein“-Kampagne unter dem Namen „Nolympia“ hatte im Gegensatz dazu klar vermittelt, dass die Durchschnitts-Hamburger:innen aus den Olympischen Spielen keinen Nutzen ziehen werden. Auf einem Plakat hieß es beispielsweise: „Milliarden Euro für 30 Tage Spektakel – Geld, das fehlt – für Bildung, Soziales, Kultur und Sport.” In einem offenen Brief an verantwortliche Hamburger Senatoren hatte „Nolympia” bereits vor einigen Monaten die Stadt Hamburg statt in die Olympia-Bewerbung mehr Geld in den Breitensport zu investieren und gezielt „barrierefreie Sportstätten in statusniedrigen Gebieten Hamburgs” zu fördern.
Deutschland wird trotzdem ins Rennen gehen
Für den DOSB bedeutet das Nein aus Hamburg zwar einen Dämpfer. Vor der für den September angekündigten Entscheidung, wer für Deutschland ins Rennen ziehen soll, stehen aber bereits andere Städte und Regionen in den Startlöchern: In München, Berlin und der Rhein-Ruhr-Region haben bereits positive Abstimmungen stattgefunden.
Da in Berlin jedoch aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht wie in den anderen Städten und Regionen ein Referendum abgehalten wurde, sondern lediglich das Abgeordnetenhaus für die Bewerbung stimmte, droht im Falle eines Zuschlags durch den DOSB Ärger: Die Nolympia-Bewegung hat bereits begonnen, Stimmen für einen Volksentscheid gegen die Austragung zu sammeln. Rein rechtlich wäre der Volksentscheid aber erst 2027 möglich und könnte nachträglich die Vergabe durch den DOSB in Frage stellen. Die größten Chancen auf eine Austragung werden derzeit deshalb dem international bekannten München zugerechnet.

