Erster Billionär Elon Musk: Der Irrsinn der Vermögenskonzentration

Der erste Dollar-Billionär der Geschichte heißt Elon Musk. Sein Vermögen von einer Million Millionen Dollar wirft eine grundlegende Frage auf: Warum fließt der von Millionen Menschen geschaffene gesellschaftliche Reichtum in die Hände Einzelner, statt allen zugute zu kommen? – Ein Kommentar von Michael Schirm.

Elon Musk besitzt nun 1.000.000.000.000 (zwölf Nullen, oder mathematisch 10¹²) Dollar. Mit dem Börsengang der Firma SpaceX am Freitag wurde Elon Musk zum ersten Dollar-Billionär (engl. Trillionaire) der Geschichte. Das initial public offering (IPO, dt. erstes öffentliches Angebot) auf dem amerikanischen Nasdaq generierte auf dem Papier über zwei Billionen Dollar, von denen Musk – auch auf dem Papier – bereits über 750 Mrd. Dollar gehören.

Space X an der Börse

Die Unmenge an Geld, für die beispielsweise ein durchschnittlicher US-amerikanischer Arbeiter ca. 15,6 Millionen Jahre arbeiten müsste, steht Musk allerdings nicht direkt zur Verfügung.

Beim Börsengang wurden erstmalig Anteile an der Firma auf dem freien Markt verkauft, 42 Prozent blieben bei Musk. Die sonstigen Anteile konnten Bänker und andere Investor:innen an der Börse erwerben. Investiert wurden dann über 75 Mrd. „echte“ Dollar, die wiederum den Wert der restlichen Anteile untermauern.

Die Bewertung des Unternehmens liegt dabei, wie schon bei Tesla, besonders an der Prominenz und dem Einfluss des Kapitalisten. Das Raumfahrtunternehmen SpaceX macht momentan weder Profit, noch hat es eine wirklich sichere Zukunftsperspektive.

Die Bewertung lässt sich also auf Spekulation und Handel der Kapitalverwalter:innen an der Börse reduzieren, die Kaufkraft nicht in den realen Markt übertragen. Besonders eindrücklich zeigt das der Kursfall am Donnerstag, bei dem sich über 600 Milliarden Dollar schon wieder in Luft aufgelöst haben.

Vermögen von Musk entspricht BIP der gesamten Schweiz

Trotzdem macht das Musk zum reichsten Menschen der Welt, viermal reicher als der Zweitreichste. Sein Vermögen ist so groß wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Ländern wie Polen oder der Schweiz. Der erste Billionär in der Geschichte zeigt das Problem unserer Gesellschaft überdeutlich: Als Gesellschaft produzieren wir riesige Werte, die aber weder uns individuell noch der Gesellschaft zugute kommen. Stattdessen fließt das Geld in die Taschen von Einzelpersonen und Familien – die damit so reich werden, dass sie mit dem Bruttoinlandsprodukt ganzer Länder mithalten können. Und ein einzelner Mensch wird sogar so reich, dass er mehr besitzt als die ärmsten 46 Prozent der gesamten Menschheit?

Die Absurdität des Reichtums von Elon Musk wird einem besonders klar, wenn man einfach einmal überlegt, was man mit einer Million Millionen gesellschaftlich alles so anfangen könnte. So ließen sich die Einsparungen von 16,3 Milliarden Euro, welche die Bundesregierung bei der Krankenversicherung anstellen möchte, von solch einer Summe locker bezahlen. Oder endlich andere Sozialversicherungszweige ausbauen, Jugendclubs erhalten, privatisierte Unternehmen verstaatlichen, zigtausende Frauenhäuser bauen oder Häuser von Immobilienkonzernen zurückkaufen? Alles kein Problem.

„Jetzt ist der richtige Moment, um auf die Straßen zu gehen!“

Milliarden für Musk, Druck für die Belegschaft

Hinter Musks SpaceX und Tesla stehen außerdem insgesamt 150.000 Mitarbeiter:innen, die letztendlich den größten Beitrag zur Entwicklung der Technologien beisteuern. Im Vergleich zu Elon Musk verdienen sie allerdings nur einen verschwindenden Bruchteil dessen, was Elon Musk an Geld macht.

Musk selbst hat dabei oft genug gezeigt, dass er selbst keine große Ahnung von der Arbeit hat. Die eigentlichen Innovator:innen müssen sich trotzdem mit einem Gehalt abfinden, das reicht, um am nächsten Tag gut genährt zur Arbeit zu kommen und mal in den Urlaub zu fahren. Derweil könnte sich Musk ein Leben in purem Luxus für die nächsten Jahrhunderte leisten.

Eskalation in Grünheide: Erst klagte Tesla, jetzt die IG Metall

Außerdem arbeiten viele seiner Mitarbeitenden noch unter miesen Arbeitsbedingungen: So verweigerte Musk bei Tesla die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall trotz gültigem Attest oder ließ einen Gewerkschaftssekretär der IG-Metall vom Sicherheitsdienst des Werks in Brandenburg abführen und seinen Laptop beschlagnahmen. Aus Sicht der Gewerkschaft war letzteres Vorgehen ein Versuch, die anstehende Betriebsratswahl zu verhindern.

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