Die EU verabschiedete diese Woche eine Deregulierung der Richtlinien für genmodifizierte Pflanzen. Viele gentechnisch veränderte Pflanzen müssen demnach künftig nicht mehr als solche gekennzeichnet werden. Profitieren werden vor allen Dingen die führenden Monopole. – Ein Kommentar von Georg Lutz.
Seit der Entwicklung der CRISPR/Cas-Technologie streben biotechnologische Unternehmen danach, genmodifizierte Produkte auf dem Binnenmarkt der EU verkaufen zu können. CRISPR/Cas ist ein Verfahren der Gentechnik („Genschere“), mit dem die DNA an einer bestimmten Stelle gezielt geschnitten und verändert werden kann.
Nun sind die Akteure diesem Ziel einen großen Schritt nähergekommen, denn die EU lockerte diese Woche die Regularien für genmodifizierte Pflanzen: Künftig sollen alle Nutz- und Wildpflanzen als sogenannte NGT1-Pflanzen eingestuft werden, bei denen weniger als 20 gezielte Veränderungen der DNA vorgenommen wurden.
Dies entspricht 90 Prozent aller Genmanipulationen, die sich derzeit technisch überhaupt durchführen lassen. Diese Pflanzenkategorie wird nun rechtlich mit unveränderten Pflanzen gleichgestellt. Die gentechnischen Modifizierungen müssen nur noch beim Saatgut angegeben werden, nicht jedoch bei weiterverarbeiteten Produkten.
Somit ist es für Endkonsument:innen de facto nicht mehr möglich, solchermaßen genmodifizierte von herkömmlichen Produkten zu unterscheiden.
Ebenfalls wird durch diese Gesetzesänderung ein hohes Risiko von Umweltschäden in Kauf genommen: Ein Großteil der Umwelt- und Gesundheitsprüfungen für NGT1-Pflanzen entfällt. Da zudem gleichzeitig die Pflicht zur Durchführung von Monitoring-Maßnahmen abgeschafft wird, können unbemerkt mögliche Umweltschäden entstehen.
Monopole gehen als Gewinner hervor
Als Profiteure dieser Deregulierung sind die großen Monopole der Agrar- und Chemie-Industrie zu betrachten. Bislang hegen viele Verbraucher:innen Misstrauen gegenüber genmodifizierten Produkten, was durch die faktische Abschaffung der Kennzeichnungspflicht an Grundlage verlieren dürfte. Der Einsatz von entsprechendem Saatgut wird für die Unternehmen somit attraktiver.
Befürworter:innen argumentieren, dass mithilfe dieser Technologie Pflanzen resistenter gegenüber Schädlingen und Umwelteinflüssen gemacht werden könnten, was wiederum die Erträge steigere. Doch der großflächige Einsatz genmodifizierten Saatguts nützt vor allem den Monopolen: Durch Patente können sich einzelne Unternehmen eine nahezu unantastbare Vormachtstellung auf dem Markt der Gentechnologie sichern.
Als besonders extremes Beispiel kann der deutsche Chemiekonzern BASF und dessen Patentierung maritimer Gene genannt werden: Von allen entdeckten und patentierten Genen aus den Weltmeeren befinden sich schätzungsweise 47 Prozent im Patentbesitz der BASF. Das Unternehmen gehört mit einem Umsatz von rund 60 Milliarden (Stand: 2019) zu den größten Chemiekonzernen der Welt. Übertragen auf die Landwirtschaft könnte eine derartige Dominanz zu einer weitreichenden Abhängigkeit der produzierenden Landwirt:innen führen, die das modifizierte Saatgut von den Monopolen erwerben müssen.
Zudem könnten Monopolisten ihre Stellung nutzen, um Extraprofite auf Kosten der Verbraucher zu generieren. Außerhalb der Chefetagen jener Konzerne wird diese Gesetzesänderung also mehr Schaden als Nutzen bringen.

