Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem Jahresbericht vor Risiken durch weltweit wachsende Staatsschulden. Die globale öffentliche Verschuldung ist inzwischen fast so hoch wie das Weltbruttoinlandsprodukt eines Jahres.
Wie hoch kann sich eine kapitalistische Weltwirtschaft verschulden, bevor es zum Crash kommt? Auf diese Frage dürfte es keine einfache Antwort geben. Blickt man auf die Entwicklung des Verhältnisses zwischen öffentlichen Schulden und Weltproduktion in den letzten 150 Jahren, sieht man vor allem drei Peaks: In den Jahren 1921 und 1932 war die weltweite Staatsverschuldung jeweils auf über 80 Prozent des Weltbruttoinlandsprodukts angestiegen und dann rapide gefallen – was damals Begleiterscheinungen großer Wirtschaftskrisen waren.
Ihr Allzeithoch erreichte sie dann unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 mit über 120 Prozent der Weltwirtschaftsleistung: Die großen kapitalistischen Staaten hatten ihre Kriegsführung massiv durch Kredite finanziert und bauten diese nach 1945 durch Schuldenschnitte, Inflation und die Kapitalakkumulation während des Nachkriegsbooms ab.
Verschuldung steigt seit den 1970er Jahren
Die Trendwende kam in den Siebziger Jahren, als die globalen Staatsschulden mit ca. 30 Prozent des BIP einen Tiefpunkt erreichten. Wenige Jahre zuvor hatten die USA das Währungssystem von Bretton Woods aufgekündigt, bei dem der US-Dollar ans Gold und die Währungen anderer kapitalistischer Länder an den Dollar gekoppelt waren. Alle kapitalistischen Länder gingen damit zu ungedeckten Papierwährungen über und ermöglichten es ihren Zentralbanken damit, ohne Rücksicht auf Goldreserven Geld auf den Markt zu werfen. Im Zuge dessen fielen auch fast alle bisher geltenden Beschränkungen für den internationalen Kapitalverkehr. Damit waren die Grundlagen für die kapitalistische Globalisierung und die massive Ausweitung von Krediten geschaffen.
Seit der Weltwirtschaftskrise 2008/09, spätestens jedoch seit der Corona-Pandemie ab 2020, vermehren sich die Diskussionen unter Volkswirtschaftler:innen und Politiker:innen, wie lange die globale Verschuldung noch weiter steigen kann. Diese Diskussion hat die Bank für Internationale Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem am Sonntag erschienenen Jahreswirtschaftsbericht auch wieder aufgemacht.
In der Pressemitteilung dazu erklärt sie, „das Zusammenspiel von einer rekordhohen Staatsverschuldung und der zunehmenden Bedeutung hoch verschuldeter Hedgefonds“ schaffe „einen neuen Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Finanzstabilität“ und berge „wachsende Risiken für die Finanzstabilität“. Eine Staatsverschuldung „nahe dem Rekord“ und höhere Zinssätze belasteten „die Haushaltslage in vielen Volkswirtschaften“ und ließen den Regierungen „weniger Spielraum, um auf künftige Rezessionen oder Krisen zu reagieren“.
USA und Japan sind Schulden-Spitzenreiter
Die Warnung dürfte sich vor allem an die USA richten. Dies ist noch immer die Hegemonialmacht des globalen Finanz- und Währungssystems und weist mit Schulden von 38,1 Billionen US-Dollar auch die höchste Staatsverschuldung weltweit auf. Die amerikanische Verschuldung liegt mit 123,9 Prozent auch weit über dem BIP des Landes. Zum Vergleich: Die Staaten der Europäischen Union waren im Jahr 2025 insgesamt mit 15,4 Billionen Dollar verschuldet, was 81,7 Prozent des EU-BIPs entsprach.
Weltweiter Spitzenreiter bei der Verschuldung im Verhältnis zum eigenen BIP ist Japan: Hier lag der Wert 2025 bei knapp 207 Prozent, auch wenn er langsam rückläufig ist. Der japanische Staat steht zudem überwiegend bei der eigenen Bevölkerung und nicht bei anderen Staaten in der Kritik.
Zentralbank der Zentralbanken
Die Bank für Internationale Zahlungsausgleich ist die älteste internationale Finanzorganisation der Welt und fungiert sowohl als Klub der Notenbanker:innen wie auch als „Zentralbank der Zentralbanken“. Sie verwaltet unter anderem Teile der internationalen Währungsreserven und dient den Zentralbanken als Forum für Zusammenarbeit. So treffen sich etwa jeden zweiten Monat Notenbankpräsidenten aus aller Welt in Basel zum gemeinsamen Austausch. 63 Zentralbanken sind Mitglieder bei der BIZ, darunter die Zentralbanken der USA, Chinas, Russlands, die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank.
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Wenn BIZ-Generaldirektor Pablo Hernandez de Cos bei der Vorstellung des Jahresberichts die Dringlichkeit betont, die Schuldenstände in wichtigen Volkswirtschaften zu senken, dürfte diese Warnung also Hand und Fuß haben. Der Hinweis darauf, dass Staatsschulden zunehmend von hoch verschuldeten Hedgefonds gehalten werden, deutet etwa auf die Gefahr hin, dass diese Gläubigerfirmen im Falle einer weltweiten Kreditklemme größere Mengen an Staatsanleihen auf die Märkte werfen könnten. Im Fall einer Wirtschaftskrise könnte dies die Handlungsfähigkeit von Staaten einschränken, z.B. größere Konjunkturpakete zu beschließen.
Nicht zuletzt warnt die BIZ in ihrem Bericht auch vor unklaren Folgen des anhaltenden KI-Booms. Der Optimismus rund um KI dürfte „trotz der Aussicht auf künftige Produktivitätssteigerungen möglicherweise nicht von Dauer sein“ und der derzeitige Anstieg von Investitionsausgaben dürfte sich als „nicht nachhaltig“ erweisen, sollten „Lieferengpässe die Produktion beeinträchtigen“. Ebenso könnte „der intensive Wettbewerb um die Marktführerschaft“ zu „Überinvestitionen“ führen, „wie dies bereits bei früheren Innovationswellen zu beobachten war“.
Dies lässt sich als Warnung vor einer KI-Überproduktionskrise in Notenbankersprache verstehen. Kapitalistische Krisen gehen üblicherweise mit einer Einschränkung und Verteuerung von Krediten einher. Sind Staaten schon sehr hoch verschuldet, haben sie es in solchen Situationen schwerer, ihre Schulden zu refinanzieren. Die Folgen hiervon sind fast immer Sparprogramme zulasten der arbeitenden Bevölkerung. Im Falle eines Staatsbankrotts wie 2001/02 in Argentinien können die sozialen Folgen verheerend sein.
Besonders spannend für die Weltwirtschaft dürfte jedoch sein, wie lange die Rekordstaatsverschuldung für die USA noch tragbar ist und welche Folgen eine Politik zur deutlichen Reduzierung ihrer Schulden nach sich ziehen würde.

