Die PMK-Statistik 2025 des Bundeskriminalamtes zeigt einen Höchststand politisch motivierter Straftaten, wobei die Gewalt von rechts mit Abstand der größte Bereich bleibt. Auch die Straftaten gegen LGBTI+ und Frauen nehmen stark zu. Unabhängige Opferberatungsstellen warnen vor einem erheblichen Dunkelfeld von rechter Gewalt.
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat am Dienstag in Berlin die Statistik zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) für das Jahr 2025 vorgelegt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und BKA-Präsident Holger Münch präsentierten die Zahlen im Rahmen einer Bundespressekonferenz. Demnach erreichte die Gesamtzahl politisch motivierter Straftaten mit 85.837 Fällen den höchsten Stand seit Einführung der Statistik im Jahr 2001. Das entspricht etwa 235 Straftaten pro Tag.
Die Zahl der Gewalttaten im politischen Kontext stieg um rund 1,2 Prozent auf 4.156 Delikte. Ungefähr 16 Prozent lassen sich auf Fälle rund um die Bundestagswahl 2025 schließen, etwa durch die Beschädigung von Wahlplakaten.
Die Gefahr von rechts bleibt am bedrohlichsten
Mit 42.351 Straftaten entfällt knapp die Hälfte aller politisch motivierten Delikte auf den Bereich Rechtsextremismus; dieser bleibt volumenmäßig also der größte Phänomenbereich. Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten lag bei 1.586 Fällen. Antisemitische Straftaten stiegen um fünf Prozent auf über 6.500 Fälle, ebenfalls ein Höchststand. Antimuslimische Straftaten blieben mit über 1.000 Fällen auf konstant hohem Niveau.
Dobrindt sagte auf der Pressekonferenz: „Das zeigt deutlich, dass die größte Gefahr natürlich vom Rechtsextremismus ausgeht.“ Gleichzeitig verweist er auf einen großen Anstieg von sogenannten linksextremistisch motivierten Straftaten, welche in absoluten Zahlen dennoch deutlich hinter der rechten Gewalt zurückbleiben.
Der Anstieg der Gesamtzahl von linksextremistischen Straftaten ist besonders auch durch eine Zunahme von nicht gewalttätigen Delikten zu erklären. Darunter fallen Sachbeschädigungen, Hausfriedensbrüche und Störungen des öffentlichen Friedens. Besonders im Rahmen von Demonstrationen oder bei Gegenprotesten zu den AfD-Bundesparteitagen in Riesa und Gießen sei es zu den Taten gekommen. Besonders derartige Massenproteste können von den Behörden einfach genutzt werden, um die Statistiken aufzublähen.
Rechte Gewalt 2025 auf Rekordhoch – „Linksextremismus“ im Fokus der Behörden
Gewalt gegen Frauen und LGBTI+ Personen – zunehmend auch im Netz
Die PMK-Statistik erfasst Straftaten gegen Frauen und LGBTI+ Personen als Teil der Hasskriminalität. Die offiziellen Zahlen für 2025 zeigen in beiden Bereichen deutliche Anstiege. Die Kategorie „frauenfeindlich“ verzeichnete 819 Straftaten, ein Plus von 46,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (558 Fälle). Darunter befanden sich 54 Gewaltdelikte, davon 50 Körperverletzungen. In 421 Fällen wurden Beleidigungen zur Anzeige gebracht. Die meisten frauenfeindlichen Straftaten wurden dem rechten Spektrum zugeordnet (486 Fälle, ein Anstieg um fast 70 Prozent), gefolgt von der sonstigen Zuordnung (217 Fälle). Der Anteil rechtsextremistischer Taten liegt damit bei knapp 60 Prozent.
Im Bereich „geschlechtsbezogene Diversität“, also gegen transsexuelle, nicht-binäre und intersexuelle Menschen, ist auch ein Anstieg der Fallzahlen zu beobachten. Auch die Straftaten gegen Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sind gestiegen: Sei es in Bezug auf Beleidigungen oder direkte Gewaltdelikte. In beiden Fällen geht der überwiegende Großteil der LGBTI+ feindlichen Gewalt aus dem rechten Bereich hervor.
Ein erheblicher Teil queerfeindlicher Hasskriminalität spielt sich demnach auch im Internet ab. Im Jahr 2025 wurden 10.542 politisch motivierte Straftaten unter dem Tatmittel „Hassposting“ registriert. Darunter fielen 3.436 Beleidigungen und 3.216 Volksverhetzungen. Die Zahlen zeigen, dass Hass im Netz kein Randphänomen ist, sondern die digitale Sphäre zunehmend zum Tatort wird.
Gewalt gegen Frauen – weiterhin kein Straftatbestand für Femizide
Die offizielle PMK-Statistik weist lediglich 19 versuchte und vollendete Tötungsdelikte mit politischer Motivation aus: 17 versuchte und zwei vollendete. Doch für das Jahr 2025 wird die Zahl der Femizide – also Morde an Frauen, weil sie Frauen sind – auf etwa einen pro Tag geschätzt. Diese etlichen Fälle tauchen in der PMK-Statistik jedoch nicht auf, da sie nicht als politisch motiviert eingestuft werden, andere Hasskriminalität gegen Frauen schon.
Femizide in Deutschland: Gewaltsame Realität und der Kampf dagegen
International gerät Deutschland zunehmend unter Druck. Statistische Erhebungen sehen die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen EU-Ländern im oberen Bereich in Bezug auf die absoluten Femizid-Zahlen. Ein eigener Straftatbestand „Femizid“ existiert in Deutschland bislang jedoch nicht.
Die Grenzen der Statistik: Was die Zahlen nicht zeigen
Die Hellfeld-Zahlen des BKA erfassen nur einen Teil der tatsächlich begangenen Straftaten. Unabhängige Opferberatungsstellen dokumentieren seit Jahren eine erhebliche Diskrepanz zu den offiziellen Zahlen. Für das Jahr 2024 registrierten die Beratungsstellen im Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG) in zwölf Bundesländern 3.453 rechte, rassistische und antisemitische Gewaltangriffe; das BKA erfasste im gleichen Zeitraum nur 1.478 rechtsmotivierte Gewalttaten für ganz Deutschland.
Besonders deutlich wird die Differenz in Nordrhein-Westfalen: Während das BKA 154 rechte Gewalttaten zählte, dokumentierten allein die Opferberatungsstellen 294 Fälle, darunter drei Tötungsdelikte, vier versuchte Tötungen und zwölf Brandanschläge. Der tödliche rassistische Brandanschlag in Solingen im März 2024 fehlt in den Polizeistatistiken ebenso wie der Angriff eines AfD-Delegierten auf einen Gegendemonstranten beim Parteitag der AfD in Essen.
Es zeigt sich: Zur Anzeige gebrachte Gewalttaten mit eindeutigen Hinweisen auf ein rechtes Tatmotiv tauchen nicht unbedingt in der PMK-rechts-Statistik auf. Für Betroffene bedeutet dies Unsichtbarkeit und Entwertung ihrer Erfahrungen. Die Lücke zwischen offizieller Statistik und unabhängiger Dokumentation legt nahe, dass das tatsächliche Ausmaß rechter Gewalt deutlich höher liegt als die BKA-Zahlen ausweisen.

