Trotz der geltenden Waffenruhe kommt es im Gazastreifen fast täglich zu israelischen Angriffen. Allein in den letzten Tagen wurden mehrere Palästinenser:innen getötet, darunter auch mehrere Kinder.
Seit dem 07. Oktober 2023 wurden im Gazastreifen mindestens 73.000 Personen getötet – davon 20.000 Kinder. Auch wurden mindestens 173.000 Menschen verletzt; in beiden Fällen kann von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgegangen werden. Israel kontrolliert mittlerweile rund 70 Prozent des Gazastreifens.
Seit Oktober 2025 herrscht in Gaza Waffenruhe. Dennoch kommt es zu regelmäßigen israelischen Angriffen. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe sind so mehr als 1.000 Palästinenser:innen getötet worden.
Auch in den vergangenen Tagen wurden bei israelischen Angriffen viele Menschen verletzt und es kam zu mehreren Toten. Seit Samstag wurden laut Berichten zwölf Menschen durch israelische Angriffe getötet – vier davon waren Kinder.
Bei einem Angriff auf den Norden Gazas sind mindestens vier Personen gestorben. Unter ihnen befand sich auch ein dreizehnjähriges Kind. Bei einem weiteren Angriff wurden zwei Menschen getötet. Außerdem gab es einen Drohnenangriff im Zentrum des Gazastreifens, bei dem drei Personen ums Leben kamen – einer von ihnen ein achtjähriger Junge.
Zusätzlich gibt es auch andere Formen des Angriffs, wie beispielsweise das Bombardieren von Zeltunterkünften für vertriebene Palästinenser:innen. Vor wenigen Tagen wurde eine solche Unterkunft im Süden Gazas angegriffen. Al Jazeera berichtet, dass israelische Angriffe tendenziell zunehmen und auch weiterhin vermehrt Schutzzonen wie Zeltlager Ziel der Angriffe sind. Verschiedene palästinensische Gruppen warnen außerdem, dass Israel verstärkt Arbeiter:innen im medizinischen Bereich und zivilgesellschaftliche Organisationen ins Visier nehmen würde.
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Gewalt in der Westbank nimmt zu
Neben den Angriffen im Gazastreifen nimmt palästinensischen Berichten zufolge auch die Gewalt im besetzten Westjordanland zu. Seit Beginn des Jahres ist es in der Westbank zu 72 Toten gekommen. Davon waren 17 Menschen noch Kinder.
Zuletzt haben israelische Streitkräfte den 32-jährigen Mustafa al-Khatib bei einer Razzia in der Nähe von Salfit getötet. Angehörige berichteten, dass Soldat:innen ins Haus eingedrungen sind und ihn dann erschossen haben. Die Streitkräfte haben darüber hinaus Rettungskräfte für rund zwei Stunden daran gehindert, den Verletzten zu erreichen.
Parallel zu den Militäroperationen berichten palästinensische Organisationen von vermehrten Festnahmen, zunehmender Gewalt gegenüber Palästinenser:innen und Angriffen auf die Religionsfreiheit. In der Stadt Hebron wurde beispielsweise für acht aufeinanderfolgende Tage der Gebetsruf verhindert. Des Weiteren wurde der Zugang zur Al-Aqsa-Moschee mit Hilfe der Polizei eingeschränkt.
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UN-Kommission: Der Genozid hält an
Eine UN-Untersuchungskommission hat sich die Lage in Gaza derweil genauer angeschaut und bestätigt, dass der Genozid trotz der Waffenruhe weiterhin anhält.
Die Kommission ist zu mehreren zentralen Erkenntnissen gelangt. Zum einen wird angemerkt, dass die vereinbarte Waffenruhe und geltendes internationales Völkerrecht durchgehend missachtet und gebrochen werden. Auch wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass Kinder immer wieder besonders ins Fadenkreuz der israelischen Angriffe genommen werden.
Nach Einschätzung der UN setzt sich der Genozid seit der Waffenruhe in einer anderen Intensität fort. Es gibt keine Bodenoffensiven und großflächigen Bombardierungen mehr. Stattdessen wird der Genozid durch gezielte, tägliche Angriffe in Verbindung mit Besatzung und Gewalt gegen die Palästinenser:innen durchgesetzt.
Die zentralen Forderungen, die die UN formuliert, sind ein Ende der Angriffe auf Kinder, der Rückzug aus der Westbank und dass die verantwortlichen Personen für die Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.
Palästinensische Kinder am stärksten betroffen
Der Bericht der Kommission legt außerdem einen Fokus auf die psychischen und physischen Folgen des Genozids für Kinder.
Die UN hält fest, dass auch Kinder durch israelische Truppen festgenommen, gefoltert und mit sexualisierter Gewalt konfrontiert werden. Im aktuellsten Bericht des UN-Menschenrechtsrats mit dem Titel „The essence of childhood has been destroyed“ (dt.: „Die Essenz der Kindheit wurde zerstört“) werden Zeug:innen-Aussagen zu den Erfahrungen verschiedener Kinder dokumentiert. Es werden auch weitere israelische Angriffe dargestellt, welche aktiv Kinder beeinflussen. Dazu gehört beispielsweise das gezielte Bombardieren von Waisenheimen, Krankenhäusern und Bildungseinrichtungen. Ebenso gefährden laut Kommission die Angriffe auf Mutter-Kind-Zentren und das systematische Aushungern in Gaza das Leben von Kindern und Neugeborenen.
Im Bericht wird herausgestellt, dass den Kindern durch diese Angriffe ihre Kindheit, eine sichere Entwicklungsmöglichkeit und eine potenzielle Zukunft abgesprochen werden. Das Fehlen dieser Aspekte würde dann für irreversible Traumata und mentale Probleme sorgen. Die Mitglieder der Kommission gehen davon aus, dass sich die Kinder Gazas perspektivisch nicht vollständig von den Erfahrungen erholen werden.
UN-Menschenrechtskommissar und Mitglied der Kommission Srinivasan Muralidhar führt an, dass es sich bei den Angriffen auf die Kinder um ein taktisches Ziel Israels handelt. Die Angriffe würden dem Ziel dienen, die palästinensische Bevölkerung langfristig – über Generationen hinweg – zu schädigen und so den Kampf um Selbstbestimmung zu verhindern.
Israel will Macht in Westasien sichern
Laut israelischen Medien liegen der Regierung Informationen des Geheimdienstes vor, aus denen hervorgeht, dass sich die Hamas auf einen neuen Krieg vorbereiten würde. Dafür würden sie Bomben bauen und Soldaten ausbilden. Diese Informationen sind zwar kaum unabhängig überprüfbar, es wird jedoch erwartet, dass die israelische Regierung die Angriffe auf Gaza wieder intensiviert.
Auch an der Grenze zum Libanon bleibt die Lage angespannt. Israel und der Libanon hatten in den USA ein Rahmenabkommen unterschrieben, mit welchem der Kriegszustand zwischen den beiden Ländern beendet und eine friedliche Beziehung gesichert werden sollten. Um das zu erreichen, soll die Hisbollah entwaffnet werden, die Regierung des Libanons soll mehr Kontrolle über das eigene Land erhalten und Israel soll sich aus dem besetzten Südlibanon zurückziehen, sobald die Hisbollah entwaffnet ist.
Wackliges Abkommen: Israel setzt Angriffe und Besatzung im Libanon fort
Fraglich bleibt, wie sehr die Regionalmächte sich an das Abkommen halten, wenn es darum geht, die eigenen Interessen durchzusetzen. Die Hisbollah und Teile der libanesischen Regierung lehnen das Abkommen ab. Die israelische Regierung hat bereits angekündigt, die eigenen Truppen wahrscheinlich nicht aus dem besetzten Gebiet im Südlibanon zurückzuziehen.
Israel hält sich darüber hinaus nicht an die vereinbarte Waffenruhe. Nur wenige Tage nach Unterzeichnung des Abkommens hatte Israel die Angriffe auf den Libanon wieder aufgenommen. Erst vor wenigen Tagen hat Israel einen vermeintlichen Tunnel der Hisbollah gesprengt.

