Unter dem Motto „Widerstand heißt Leben“ findet diesen Samstag in der Duisburger Innenstadt zum elften Mal ein Festival in Gedenken an Ivana Hoffmann statt. Die junge Frau aus Duisburg organisierte sich dort politisch, bevor sie nach Rojava ging und dort 2015 im Kampf gegen den IS fiel. Über Ivanas Weg und den Hintergrund des jährlichen Festivals haben wir mit Meryem Şalcı aus dem Vorbereitungskomitee des Festivals gesprochen.
Wer war Ivana und wie sah ihr Lebensweg aus?
Ivana Hoffmann wuchs in Duisburg als Arbeiterkind auf. Sie wurde nicht als Revolutionärin geboren, ihre Umstände haben sie dazu gemacht. Als junge schwarze, lesbische Frau spürte sie die Unterdrückung dieses Systems täglich. Sie war nicht gerade dafür bekannt, ihren Mund zu halten, im Gegenteil: Sie trat Rassismus und Frauenfeindlichkeit entschieden entgegen.
Sie lernte Genoss:innen der sozialistischen Jugendorganisation Young Struggle kennen und organisierte sich dort mit 13 Jahren. Gemeinsam organisierten sie Kundgebungen und Demos in Duisburg und verteilten Flyer und Zeitungen. 2009 waren sie ein aktiver Teil der Bildungsstreikbewegung, von der Ivana Sprecherin wurde. Gemeinsam mit ihren kurdischen Genoss:innen und Freund:innen lernte sie viel über den kurdischen Befreiungkampf.
Als 2012 die Revolution in Rojava, in Nord- und Ostsyrien, ausbrach, wurde diese Verbundenheit nur noch stärker, und sie wollte die Revolution unbedingt selbst sehen; ein Teil der Revolution werden. 2014 fasste sie dann einen Entschluss: Sie ließ ihr Leben in Duisburg, ihre Familie, ihre Freunde, ihr Abitur zurück und machte sich auf den Weg nach Rojava, um die demokratische Revolution gegen die Angriffe der IS-Banden zu verteidigen.
In ihrem Abschiedsbrief an ihre Genoss:innen und Familie schrieb sie: „Ich habe einen Entschluss gefasst […] Nichts hält mich mehr hier. Ich kann nicht tatenlos zusehen, während meine Schwestern, Brüder, Freunde, Mütter, Väter, Genoss:innen um die Freiheit, um die Unabhängigkeit vom Kapitalismus kämpfen.“
Als Kommunistin kämpfe sie in Rojava gegen die faschistischen Angreifer. Am 07. März 2015 fiel Ivana im Gefecht mit den Banden des IS bei dem christlichen Dorf Til Temir. Es gab damals eine sehr starke Solidaritätsbewegung mit Rojava auch hier in Deutschland. Zu Ivanas Beerdigung in Duisburg kamen tausende Menschen, die verschiedenste Verbindungen zu Ivana hatten. Sie alle gedachten ihr als Revolutionärin, die den Internationalismus gelebt hat. Die ihre eigenen Grenzen aufbrach und die Notwendigkeit verspürte, das zu tun, was notwendig ist. Die voller Liebe für ihre Genoss:innen war und international zu einem Symbol der Freiheit wurde.
Wieso gedenkt ihr Ivana noch elf Jahre nach ihrem Tod?
Auf Gedenkveranstaltungen an Ivana und andere Gefallene hört man oft den Slogan „Die Gefallenen sind unsterblich.“ Damit ist nicht gemeint, dass sie wie Geister noch unter uns wären, sondern vielmehr, dass ihre Werte und der Kampf, den sie geführt haben, noch heute durch uns fortbestehen.
Ivana war eine von uns – und ist für uns alle zu einem Vorbild geworden. Wir wollen zeigen, dass ihr Tod nicht umsonst war. Heute wäre Ivana mit Sicherheit ganz vorn auf Demonstrationen gegen die AfD, den G7- oder den NATO-Gipfel vertreten. An ihrer Stelle stehen nur hunderte Jugendliche, die von ihr gelernt haben, den Schmerz der unterdrückten Völker zu spüren und ihre Grenzen zu überwinden. Das Gedenken an Ivana verjährt nicht, es verblasst nicht nach gewisser Zeit. Es bleibt aktuell für alle Jugendlichen, die heute gegen den Kapitalismus, Imperialismus und das Patriarchat kämpfen wollen.
Wie entstand damals die Idee für das Festival, und was ist seitdem passiert?
Ein Festival ist für viele wahrscheinlich erstmal eine ungewöhnliche Form, jemandem zu gedenken. Aber wie schon erwähnt, bedeutet Gedenken für uns nicht in erster Linie trauern, sondern vor allem, Kraft zu schöpfen und von den Gefallenen zu lernen. Ivana liebte es, zu singen und zu tanzen. Sie liebte das Newroz Fest, das kurdische Frühlingsfest, und tanzte dort stundenlang Halay. Es ist unsere Überzeugung, dass Ivana heute mit uns feiern würde.
Das erste Ivana Hoffmann-Festival wurde im September 2015 organisiert und war in erster Linie ein emotionaler Moment für alle Angehörigen, Genoss:innen und Freund:innen, da es nur wenige Monate nach ihrem Tod stattfand. Viele Nachbar:innen kamen zum ersten Festival im Duisburger Stadtteil Marxloh zusammen, denn Ivana kannten eigentlich alle – ob persönlich, aus Erzählungen oder von Graffitis. Heute sind bei den Festivals weniger Leute, die Ivana persönlich kannten, aber durch unsere kontinuierliche Arbeit haben wir es geschafft, ihr Leben immer neuen Generationen nahe zu bringen. Und auch, indem wir auf dem Festival aktuelle Entwicklungen in Kurdistan und auf der ganzen Welt eingebracht haben.
Von kurdischer Volksmusik, über mehrsprachigen Vorträgen bis hin zu Theater war das Festival immer gefüllt von vielen kulturellen Beiträgen. Auf Ständen werden Essen, Getränke und natürlich jede Menge politisches Material verkauft. Es gibt zum Beispiel ein Buch über Ivana, das inzwischen auf drei Sprachen übersetzt wurde, zu kaufen.
Worauf können sich die Gäste des Festivals am Samstag freuen?
Dieses Jahr findet das Ivana-Festival am Samstag, den 20. Juni, ab 14:00 Uhr auf dem König-Heinrich-Platz in der Duisburger Innenstadt statt. Das Festival ist ohne Eintrittspreis, jedoch freuen wir uns, wenn ihr vor Ort ein Solidaritätsticket kauft. Euch erwarten Musik-Acts der Musikgruppen Grup Vardiya und Les Camarades und des Rap-Trios RZ Rap. Mit reichlich Essen, Halay und guter Stimmung feiern wir im 11. Jahr Ivanas Leben und den Widerstand aller Unterdrückten! Also kommt vorbei, wir sehen uns am Samstag!

