Nach dem ersten Wahlgang in Kolumbien steht das Ergebnis wegen möglicher Unregelmäßigkeiten in der Kritik. Der von Trump unterstützte rechte Kandidat Abelardo de la Espriella erhielt die meisten Stimmen. Die Entscheidung über die Präsidentschaft fällt in der Stichwahl am 21. Juni.
885.000 Stimmen – so hoch soll die Abweichung der Wahlergebnisse von der eigentlichen Zahl der registrierten Wahlberechtigten sein. Dies könnte die nächsten Jahre in Kolumbien erheblich beeinflussen. Die bisher regierenden Sozialdemokrat:innen der Partei Pacto Histórico könnten durch eine rechte bis faschistische Partei abgelöst werden.
Im Kampf um die Wahl des kolumbianischen Präsidenten konnte das Pacto Histórico im ersten Wahlgang keinen entscheidenden Sieg erringen. Ihr Kandidat Iván Cepeda erhebt nun Anklage gegen den beschriebenen Fehler in der Durchführung der Wahl. In Wahlumfragen lag seine Partei bisher vorne. Der Kandidat Abelardo de la Espriella von der rechten Partei Defensores de la Patria (dt. Verteidiger des Vaterlandes) überholte ihn jetzt laut der ersten Auszählung und erlangte somit die meisten Stimmen. Mit 43,7 Prozent gegenüber den 40,9 Prozent der Sozialdemokrat:innen konnte er gewinnen. In absoluten Zahlen handelt es sich um eine Differenz von rund 660.000 Stimmen.
Bombenanschläge, Mordkomplotte und Verleumdungskampagnen – Kolumbien im Präsidentschaftswahlkampf
Eine benötigte absolute Mehrheit kam allerdings insgesamt nicht zustande, weswegen am 21. Juni eine Stichwahl stattfinden wird. „Kolumbien wird nicht in die Hände des Kommunismus fallen“, erklärte Paloma Valencia von der Partei Centro Democrático, und rief zur Unterstützung von De la Espriella auf.
Dieser lehnt unter anderem das Recht auf Abtreibung ab und befürwortet die Ausweitung des Waffenrechts, den Einsatz von Schusswaffen gegen vermeintlich „gewalttätige“ Demonstrierende sowie gegen mutmaßliche Drogenhändler. Außerdem will er Friedensverhandlungen mit bewaffneten Gruppen beenden. Im Vorfeld der Wahlen hatte es Bombenanschläge von der Gruppe Jaime Martínez, eine Abspaltung der linken Guerilla-Organisation FARC, gegeben.
Außenpolitisch befürwortet De la Espriella engere Beziehungen zu Israel und den Austritt Kolumbiens aus den Vereinten Nationen. Wirtschaftlich will er weniger Kontrolle von Unternehmen und ähnlich wie Donald Trump oder Javier Milei durch die Abschaffung von Ministerien den Staat in seinem Sinne umbauen. Trump hatte ihn im Vorfeld der Wahlen öffentlich unterstützt.
Der amtierende Präsident Gustavo Petro von der sozialdemokratischen Partei hat jedoch enenfalls enge wirtschaftliche Beziehungen zu den USA gepflegt. Die USA sind Kolumbiens größter Handelspartner und machten in den ersten elf Monaten des Jahres 2024 etwas mehr als 29 Prozent der kolumbianischen Exporte aus. Zu den wichtigsten Produkten zählen Öl, Kohle und Kaffee. Petro steht innenpolitisch jedoch für einen sozialeren Kurs und hatte zuletzt unter anderem den Mindestlohn um 23 Prozent erhöht.
Mit allen Mitteln gegen fortschrittliche Kräfte
Wahlbetrug wäre eine unblutige Methode, um die Sozialdemokrat:innen zu bekämpfen. Die Partei Centro Democrático, deren Kandidatin nur auf knapp 7 Prozent der Stimmen kam, war zuletzt bereits für eine großangelegte Hetzkampagne gegen Cepeda verantwortlich. Unter dem Namen „Operation Jupiter“ soll der Kandidat Cepeda mittels Posts auf Social Media und durch Veranstaltungen unter dem Deckmantel von Workshops diskreditiert werden.
Doch die kolumbianischen Kapitalist:innen und Faschist:innen greifen zum Niederhalten linker Kräfte regelmäßig zu terroristischen Mitteln. Neben der Schmutzkampagne sollen sogar Mordkomplotte gegen Cepeda geplant worden sein.
Dass es sich dabei keineswegs um leere Drohungen handelt, beweist die systematische Ermordung von Gewerkschaft:innen in Kolumbien. In den letzten 50 Jahren wurden über 3.300 Personen getötet. Die Täter sollen häufig Drogenkartelle oder faschistische Paramilitärs seien. Bei ersteren handelt es sich trotz der Illegalität ihres Geschäftes um Kapitalist:innen, da dort ebenso wie in der legalen Wirtschaft durch Ausbeutung von Arbeiter:innen Profit erwirtschaftet wird. Die faschistischen Milizen wiederum werden in der Regel durch Kapitalist:innen finanziert oder beauftragt.
Chiquita kehrt nach Panama zurück – mit alten und neuen Skandalen im Gepäck
Ein prominentes Beispiel ist der Bananen-Konzern Chiquita. Bereits unter dem alten Namen United Fruit Company richtete dieser Konzern besonders viel Leid in Mittel- und Südamerika an. Dies geschah in der Regel durch die Etablierung faschistischer Militärdiktaturen, um sozialdemokratische und kommunistische Bewegungen zu beseitigen, beispielsweise im Jahr 1954 in Guatemala.
Ähnlich agiert Chiquita nun auch in Kolumbien: erst im Jahr 2024 wurde das Unternehmen vor Gericht verurteilt, weil es das faschistische AUC-Paramilitär finanziert haben soll. Ähnliche Vorwürfe gibt es gegenüber anderen internationalen Konzernen wie Coca-Cola oder Nestlé.
Interessen der USA
Neben den Aktionen einzelner Unternehmen steht Kolumbien seit jeher auch im Visier des US-Imperialismus: Bereits seit dem 19. Jahrhundert betrachten die USA im Rahmen der Monroe-Doktrin Lateinamerika und damit auch Kolumbien als ihre wirtschaftliche und politische Einflusssphäre. Diese informelle Spielart des Kolonialismus hält faktisch bis heute an. Das Extrembeispiel hierfür ist die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang des Jahres.
Es ist davon auszugehen, dass die USA auch in Kolumbien ihren Einfluss mit allen Mitteln durchsetzen wollen. Angesichts der geheimdienstlichen Natur dieser Operationen können allerdings in der gegenwärtigen Situation nur Spekulationen angestellt werden. Fakt ist aber, dass die bisherige sozialdemokratische Regierung Kolumbiens zunehmend mit dem BRICS-Block sympathisierte und beispielsweise dessen Projekt der New Development Bank beitrat. Eine Beeinflussung der kolumbianischen Wahlen durch die USA ist also durchaus eine Möglichkeit.
Eine enge Zusammenarbeit mit der Trump-Regierung wäre unter De la Espriella sicher. „Die Vereinigten Staaten spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Kriminalität und Narco-Terrorismus sowie dabei, Kolumbien endlich von so viel Leid und Gewalt zu befreien“, sagte der Präsidentschaftskandidat in einem Videointerview. Er und Trump „teilen Werte und Prinzipien, die die Demokratie, die Freiheit und die Rechtsstaatlichkeit verteidigen“.

