„Nachbarschaftsfest Ölberg“: Wuppertaler Nachbarschaft nimmt Fest in die eigenen Hände

Am Samstag fand in Wuppertal zum ersten Mal das „Nachbarschaftsfest Ölberg“ statt. Über den ganzen Tag verteilt kamen Ölberger:innen zusammen, lebten und feierten dabei den Versuch eines Neuanfangs für das Ölbergfest.

Das Ölbergfest entstand 2005 als damals noch nachbarschaftliches Fest; die Anwohner:innen stellten Tische und Sofas raus, besuchten einander, aßen miteinander und feierten ihre Nachbarschaft. Über die Jahre wurde das Fest immer größer und kommerzieller – immer mehr Unmut formte sich, bis die diesjährige Ausgabe schließlich abgesagt wurde. Die Organisator:innen vom Ölberg Fest & Kultur e.V. wollten laut eigener Angabe mit den Nachbar:innen in den Dialog treten, um über die Zukunft des Fests zu sprechen. Diese Absage nutzten einige Anwohner:innen des Ölbergs, um ein Gegenkonzept für das bisherige Ölbergfest vorzuschlagen und auch direkt in die Tat umzusetzen.

Die Idee war es, das Fest nicht so zu gestalten, dass nur Einzelne davon profitieren, sondern alle, die teilnehmen wollen, können. Es gab einen Kleidertausch, ein Mitbring-Buffet, Getränke auf Spendenbasis und ein Henna-Angebot für Kinder. Außerdem wurden in einem Pavillon antifaschistische Kunstwerke von lokalen Künstler:innen ausgestellt. Die Nachbar:innen kamen teilweise mit Picknickdecken und Essen, brachten Kreide zum Malen mit. Viele waren sehr erfreut darüber, dass endlich dieser Neuanfang gewagt wurde.

Der Tag wurde mit einem Bühnenprogramm begleitet. Tagsüber spielten Tom Taschenmesser, Lillith und Joscha David Mohs, Abends legte Djane Babycue auf. Zwischendurch gab es ein kleines Kulturprogramm, in welchem beispielsweise auf die Geschichte des Ölbergs als Arbeiter:innenviertel eingegangen oder „Fragen eines lesenden Arbeiters“ von Bertolt Brecht vorgelesen wurde. Alle Künstler:innen betonten auf der Bühne, wie schön sie es finden, dass die Nachbarschaft für dieses gemeinsame Anliegen zusammenkäme und kündigten teilweise schon ihren Auftritt für ein mögliches weiteres Fest im nächsten Jahr an.

Doch auch das Kulturprogramm wurde nach dem neuen Konzept kollektiv gestaltet; so hatten die Ölberger:innen anschließend die Möglichkeit am Open-Mic zu sprechen. Eine alleinerziehende Mutter erzählte von den immensen Lebenserhaltungskosten auf dem Ölberg, ein anderer las einen Brief an den vor 4 Jahren von der Polizei getöteten Mouhamed Dramé vor.

„Das Ölbergfest wieder in die Hände der Nachbarschaft kriegen“ – Interview zu einem Wuppertaler Straßenfest

Nicht auf unserem Rücken

Doch nicht nur in Sachen Kultur und Nachbarschaft sollte die Neuauflage des Fests eine neue Richtung einschlagen. Auch wollte man die Gelegenheit nutzen, um zusammen mit der Nicht auf unserem Rücken-Kampagne ein Zeichen gegen Sozialabbau und Umverteilung zu setzen. Die Sozialkürzungen spürt man ja schließlich auch auf dem Ölberg, erklärte die Moderation. Auch auf immer mehr in die Höhe steigende Mietkosten und die dadurch folgende Gentrifizierung sollte aufmerksam gemacht werden – das Fest stehe auch in diesem größeren Kontext. Die Kampagne war dementsprechend auch mit einem Infotisch auf dem Fest vertreten und lud zum Austausch ein.

Insgesamt war es eine schöne, entspannte und nachbarschaftliche Stimmung am letzten Samstag, erklärt ein Besucher: „Das ganze zeigt, dass man sich nicht einfach damit abfinden muss, dass einem die Nachbarschaft langsam aber sicher genommen wird, um aus ihr mehr Profit zu schlagen, sondern man etwas dagegen unternehmen kann – gemeinsam.“

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