„Remigrations“-Gipfel: AfD-Politiker liebäugeln mit Sellner und ICE-Nazi

Prominente AfD‑Mitglieder trafen sich auf dem vom Faschisten Martin Sellner unterstützten „Remigration Summit“ in Portugal. Zusammen posierten sie auch mit dem ehemaligen ICE-Chef Greg Bovino, der in Minnesota für den Mord mehrerer Personen mitverantwortlich war.

In Portugal hat der sogenannte „Remigration Summit“ stattgefunden. Dabei haben sich über 600 prominente Faschist:innen, darunter Aktivist:innen und Politiker:innen, versammelt. Maßgeblich organisiert wurde die Veranstaltung durch den Faschisten Martin Sellner von der Identitären Bewegung Österreichs, der auch als Hauptredner auftrat.

Trotz der Aufforderung des AfD-Bundesvorstands, auf gemeinsame Veranstaltungen mit Sellner zu verzichten, nahmen auch mehrere AfD‑Mitglieder am Summit teil, darunter der stellvertretende AfD-Bundessprecher Kay Gottschalk. Auch die brandenburgische Landtagsabgeordnete Lena Kotré war anwesend und trat dabei sogar als Rednerin auf der Bühne auf; der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke wurde mit einer Videobotschaft dazugeschaltet.

AfD-Bundessprecher: Offenes Liebäugeln mit US-Faschisten

Auch der ehemalige Chef der US-Einreisebehörde ICE, Greg Bovino, trat als quasi Stargast auf und unterhielt sich mit Sellner und den teilnehmenden AfD-Mitgliedern. Bekannt war er für sein besonders hartes Vorgehen gegen Migrant:innen und sein Auftreten mit einem Mantel in Nazi-Ästhetik. Erst nach den Morden an Renée Good und Alex Pretti im Januar 2026 wurde er von seiner Position abgesetzt.

Mord an Alex Pretti: Verschärfte Proteste gegen ICE in Minneapolis

Die AfD-Politikerin Kotré lobte dabei sein Vorgehen. Gottschalk ging als hochrangiges AfD-Mitglied und stellvertretender Bundessprecher der Partei einen Schritt weiter: Auf seinen Social-Media-Kanälen verbreitet er ein Video, in welchem er den ehemaligen ICE-Chef mit dem Spitznamen „Gestapo Greg“ fragt, ob man die ICE-Praxis nicht auch in Deutschland umsetzen könne und lädt ihn in den Bundestag ein. Bovino antwortet, dass „ein Telefonanruf“ genüge und betont, dass „die Deutschen sehr gut“ in Fragen der Massendeportation und Abschiebungen seien.

AfD-Bundesvorstand untersagt Auftreten mit Sellner

Das offene Auftreten mehrerer bedeutender AfD-Mitglieder auf einer Veranstaltung zusammen mit Sellner und weiteren faschistischen Kräften stellt einen gewissen Bruch mit der Linie des Bundesvorstands der Partei dar. Dieser forderte seine Mitglieder noch im Februar dazu auf, nicht zusammen mit Sellner aufzutreten.

Grund dafür ist Sellners Positionspapier zur sogenannten Remigration, dessen Inhalt auch maßgeblich den Remigration Summit prägte. Sellners Konzept der Remigration sieht neben der Abschiebung von „Ausreisepflichtigen“ auch die Abschiebung von „nicht-assimilierten“ Staatsbürger:innen vor. Das Konzept, Staatsbürger:innen abzuschieben, wurde vom Bundesverwaltungsgericht Leipzig als verfassungsfeindlich eingestuft, was sehr zum Nachteil der Partei in Bezug auf ein mögliches Verbotsverfahren wirken könnte.

AfD priorisiert Regierungsfähigkeit

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah warnte, dass ein solches Konzept der Anschlussfähigkeit möglicher Koalitionspartner wie der CDU schaden könnte. Zumindest nach außen möchte sich die AfD mehr als bürgerliche Partei repräsentieren und lehnt damit eine offene Zusammenarbeit ab, um regierungsfähig zu werden. Sellner selbst meint, man arbeite an einem „gemeinsamen Ziel“ und sei überzeugt von einer „respektvollen Koexistenz zwischen patriotischen NGOs und patriotischen Parteien“.

Die Verbindungen zwischen der AfD und anderen faschistischen Kräften wie der Identitären Bewegung gehen jedoch tiefer. Mitglieder der IB fanden sich auch in der ehemaligen Jugendorganisation der AfD, der Jungen Alternative (JA), die jedoch aufgelöst wurde, um unter höherer Kontrolle durch die Mutterpartei neu gegründet werden zu können. Auch das stellt einen weiteren Schritt hin zur Regierungsfähigkeit dar. Im November 2025 gründete sich die neue AfD-Jugendorganisation dann als Generation Deutschland, trotz Protest- und Blockadeaktionen tausender Menschen in Gießen.

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Teile der „Remigrationsforderungen“ sind bereits Praxis

Während AfD und Sellner über die Nuancen ihrer Remigrationsforderungen aufgrund ihrer Regierungsfähigkeit auseinandergehen, ist nicht zu vergessen, dass große Teile der Forderungen bereits unter der jetzigen Regierung vorangetrieben werden. Das umfasst unter anderem auch das immer weiter voranschreitende Aufweichen der Regularien für sogenannte „sichere Drittstaaten“ – oftmals von Krieg zerrüttete Gegenden, in welche wieder abgeschoben werden soll.

Mit dem GEAS-Anpassungsgesetz, welches gemäß der auf EU-Ebene beschlossenen Reform nun das Asylrecht anpassen soll, wurde sich dabei auf Maßnahmen geeinigt, die härter ausfallen als von der EU eigentlich gefordert. Beschlossen wurde es bereits im Februar und es tritt am 12. Juni 2026 in Kraft.

Faktische Abschaffung des Asylrechtes: Die Pläne der Bundesregierung mit den GEAS-Reformen

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