Ukraine-Krieg: Der Kriegsalltag verschiebt sich, doch ein Ende ist nicht in Sicht

In den Medien wird momentan ein optimistisches Bild der Lage der Ukraine gezeichnet. Doch hinter den Schlagzeilen zeigt sich eine komplexere Lage. Währenddessen kämpfen die Großmächte weiter um Einfluss und Macht in der Ukraine.

Seit mittlerweile fast viereinhalb Jahren hält der Krieg in der Ukraine an. Im Laufe der Zeit hat sich die Dynamik der Kriegsführung stark gewandelt. Während zu Beginn Panzer und Artillerie das Bild prägten, bestimmen heute hauptsächlich Drohnen den Kriegsalltag.

Die Ukraine setzt Drohnenangriffe gegen zentrale Logistik und Infrastruktur Russlands ein, um die Kriegswirtschaft systematisch zu schwächen. In den letzten Tagen kam es dabei zu Angriffen auf Treibstofflager, Chemiewerke, Kommandoposten und Rüstungsanlagen. Dabei gelingt es der Ukraine auch, Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen.

In diesem Zuge nimmt die Bedeutung der Drohnen-Produktion weiter zu. Täglich werden tausende FPV-Drohnen eingesetzt. Ziel der Ukraine ist es, die Produktion im Vergleich zum Vorjahr auf sieben Millionen Drohnen pro Jahr zu verdoppeln. Damit würde die Ukraine russische Produktionszahlen erreichen. Auch bei der Produktion von Langstreckendrohnen sind beide Länder seit neuestem gleichauf. Seitdem Russland keinen vollständigen Zugriff mehr auf das Starlink-System hat und nicht mehr all seine Drohnen darüber steuern kann, verfügt die Ukraine in diesem Bereich über einen Vorteil.

Russland hält vorerst Schritt

Von einer militärischen Wende kann dennoch nicht gesprochen werden. Russische Truppen greifen die Ukraine in verschiedenen Regionen an der Front weiterhin an und kontrollieren große Teile der besetzten Gebiete. Zum Teil verschieben sich die Grenzen jedoch nur langsam. Beispielsweise zeigt sich das bei den Angriffen in der Stadt Kostjantyniwka, wo es der Ukraine bislang gelang, innerhalb der Stadt die Stellung zu halten.

Auch die Einschätzung, dass Russland mehr Soldat:innen verlieren würde, als es neu rekrutieren könnte, basiert hauptsächlich auf ukrainischen Aussagen und ist umstritten. Es heißt, dass die Ukraine 30.000 Soldat:innen innerhalb eines Monats einsatzunfähig machen würde. Kritiker:innen führen an, dass dies in vereinzelten Monaten der Fall sein könnte, aber keine grundlegende Tendenz sei – die Ukraine neige dazu, die Verlustschätzung oft höher anzusetzen.

Durch die gezielten Angriffe der Ukraine steigen die Kriegskosten für Moskau, doch die wirtschaftliche Lage des Landes scheint stabil zu bleiben. Russland gelingt es, die erhöhten Ausgaben für Rekrutierungsprämien, Reparaturkosten und Produktion zu decken, da es beispielsweise durch den Iran-Krieg viel mehr Profit aus seinen Öl-Exporten schlagen kann. Die steigenden Kosten setzen Moskau unter Druck, doch Präsident Wladimir Putin wirkt nicht, als würde er befürchten, den Krieg einstellen zu müssen. Im Gegenteil wirkt es, als würde er auf eine langfristige Fortsetzung des Krieges setzen.

Kein Ende in Sicht? Neue Eskalationen und wachsende Mobilisierungsprobleme im Ukraine-Krieg

Nächste Schritte in Richtung Friedensverhandlungen

Zusätzlich zu den militärischen Entwicklungen gibt es öffentliche Bemühungen, den Krieg auf diplomatischem Wege zu beenden. Zuletzt führte US-Präsident Donald Trump ein einstündiges Telefonat mit Putin. Darin erklärte er, dabei helfen zu wollen, den Ukraine-Krieg alsbald zu beenden. Putin äußerte zugleich Interesse an einer engeren Zusammenarbeit mit den USA.

Trump hatte sich bereits in der Vergangenheit sowohl mit Putin als auch mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Selenskyj über mögliche Verhandlungen ausgetauscht. Diese Gespräche rückten in den vergangenen Wochen in den Hintergrund, da die USA gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen haben.

Selenskyj hat auch vor wenigen Tagen mit Trump über mögliche Friedensverhandlungen gesprochen. Er sieht die Ukraine gestärkt und will die Verhandlungen selbst initiieren. Dafür hat er Putin in einem offenen Brief zu Friedensverhandlungen aufgefordert. Die Verhandlungen sollen mit Unterstützung von EU-Ländern durchgeführt werden.

Trotz der öffentlichen Gesprächsbereitschaft bleibt ein Durchbruch jedoch unwahrscheinlich. Sowohl Russland als auch die Ukraine wollen aus einer möglichst starken Position heraus verhandeln und versuchen, dafür ihre militärische Ausgangslage zu verbessern.

USA als Hindernis für Friedensverhandlungen?

Der Ukraine-Krieg steht dabei im Fokus der verschiedenen Großmächte – derzeit beispielsweise beim G7-Gipfeltreffen in Frankreich. Die G7 ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Imperialmächte. Bei den Treffen geht es darum, die gemeinsamen Interessen durchzusetzen, um wirtschaftliche und politische Macht zu sichern.

Zuletzt war zeitweise unklar, inwiefern sich die USA an der G7 beteiligen würden, da es zu mehr Abschottung gegenüber der EU und der NATO kam. Frankreich – als Veranstalter des Treffens – hatte ein besonderes Interesse an der Beteiligung Trumps. Um ihn zu überzeugen, richtete Präsident Macron das Treffen nach ihm aus und bot ihm ein privates Essen und Golfplätze für ihn allein an.

Frankreich hatte auch Selenskyj zu dem G7-Treffen eingeladen, um ihn und Trump zusammenzubringen. Die einzelnen Staaten verfolgen individuelle Ziele, was den Umgang mit verschiedenen Themen erschwert. Während einige EU-Länder die Unterstützung der Ukraine weiterhin befürworten, lockerten die USA die Sanktionen gegen Russland.

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Interessensunterschiede treten immer offener zutage

Doch auch einige Teile der deutschen Politik nähern sich immer weiter Russland an. Nach Jahren des Boykotts haben in diesem Jahr wieder deutsche Unternehmer:innen und AfD-Abgeordnete beim internationalen Wirtschaftsforum in Russland teilgenommen. Zu Beginn des Ukraine-Kriegs hätte es hierfür medialen Aufschrei gegeben, jedoch wurde in der deutschen Medienlandschaft nur leise davon berichtet.

Aufgrund der westlichen Sanktionen ist der Handel von rund 60 Milliarden Euro in den Jahren 2021 bis 2025 auf unter 10 Milliarden Euro gesunken. Vertreter:innen von Wirtschaftsverbänden sind der Auffassung, man müsse den wirtschaftlichen Interessen nachgehen und die Beziehung zu Russland wieder aufbauen. Andernfalls würde China in totale Kooperation mit Russland übergehen.

Es zeigt sich also, dass es selbst in Deutschland – einem der lautstärksten Verbündeten der ukrainischen Regierung – verschiedene Interessen innerhalb der herrschenden Klasse gibt, was den Umgang mit dem Ukraine-Krieg angeht. Beide Seiten handeln dabei aus Kalkül: Während die Altparteien darauf aus sind, Einfluss in Osteuropa zu buhlen und sich durch den Stellvertreterkrieg auf eine offene Auseinandersetzung vorzubereiten, sucht vor allem die AfD nach Möglichkeiten, wieder Zugriff auf billige russische Ressourcen zu bekommen und so die deutsche Wirtschaft anzukurbeln.

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EU-Beitrittsgespräche zeigen Ambitionen der europäischen Großmächte

Neben den militärischen Eskalationen gibt es auch weitere Entwicklungen in der Bündnispolitik der europäischen Staaten. Ungarn hat sein Veto bezüglich des Beitritts der Ukraine in die EU zurückgezogen. Somit konnten die Beitrittsverhandlungen nun initiiert werden.

Da im Zuge des Prozesses viele nationale Reformen umgesetzt werden müssen, wird der Beitritt noch einige Jahre dauern. Die Einleitung des Beitrittsprozesses signalisiert jedoch bereits ein Zeichen. Die EU versteht die Ukraine als Teil Europas und somit als Teil der Einflusssphäre der EU-Großmächte. So soll der Prozess abgeschlossen werden, der schon mindestens seit 2014 läuft.

Fraglich ist, ob dies zu weiteren Zuspitzungen in der Beziehung mit Russland führen könnte. Zuletzt warf Putin der EU vor, andere Länder aus dem wirtschaftlichen Fortschritt auszuschließen und warnte, dass ein neues Weltwirtschaftssystem kommen würde. Damit dürften sich die Widersprüche der Kapitalinteressen der einzelnen Großmächte verschärfen.

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