Mit Veranstaltungen in mehreren Städten und einem Festakt in Berlin beging die Bundeswehr ihren Veteranentag. Jugendliche und Kriegsgegner:innen organisierten Protest gegen die zunehmende Militarisierung.
Ein Jahr nach seiner erstmaligen Begehung ist der Nationale Veteranentag in den letzten Wochen erneut Anlass für mehrere öffentliche Veranstaltungen und militaristische Symbolik gewesen. Der Gedenktag wurde 2024 vom Bundestag beschlossen und wird seit 2025 jährlich am 15. Juni begangen. Offiziell soll er aktive und ehemalige Soldat:innen der Bundeswehr würdigen und die gesellschaftliche Anerkennung ihres Dienstes stärken. Dahinter steht der seit Jahren verfolgte Versuch, eine eigenständige Veteranenkultur in Deutschland zu etablieren und die deutsche Armee stärker in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern.
In diesem Jahr fanden rund um den Veteranentag bundesweit zahlreiche Veranstaltungen statt. Die zentrale Feier wurde am 21. Juni vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ausgerichtet. Unter dem Motto „Veterans, Family & Friends“ gab es ein Bürgerfest mit Konzerten, Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen und Informationsständen von Veteranenverbänden. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Generalinspekteur Carsten Breuer nahmen an der Veranstaltung teil.
Gegen die zentrale Veranstaltung protestierte ein Bündnis aus antimilitaristischen und revolutionären Organisationen – darunter die Internationale Jugend, Revolution und die Linksjugend – welches eine kämpferische Demonstration mit über 100 Teilnehmenden durch Berlin organisierte. Die zum großen Teil jugendlichen Demonstrant:innen betonten in Reden und mit ihren Parolen, dass sie nicht nur gegen den Veteranentag an sich, sondern insgesamt gegen die Militarisierung der Gesellschaft protestierten. Auch aktuelle Themen wie die Sozialkürzungen und der Genozid an den Palästinenser:innen in Gaza wurden mit der Aufrüstung in Deutschland in Verbindung gebracht.
Auf der zentralen Festveranstaltung selbst organisierten Antimilitarist:innen nach der Demonstration während einer Ansprache von Boris Pistorius eine Störaktion. Mehrere Aktivist:innen legten sich bei einem sogenannten „Die-in“ mit rot befleckten T-Shirts auf den Boden und riefen Anti-Kriegsparolen; auf einem Banner wurde die Losung „Für eine Zukunft ohne Krieg“ präsentiert. Die Aktion wurde von Sicherheitspersonal und Feldjägern aufgelöst.
Protest im ganzen Land
Auch in anderen Bundesländern fand Protest gegen Veranstaltungen rund um den Veteranentag statt. In Mülheim an der Ruhr fand ein geschlossener Festakt der Bundeswehr im Rathaus statt. Im Anschluss sollten vor dem Rathaus auf dem Mülheimer Marktplatz als Show-Element verschiedene Fahrzeuge mit Blaulicht präsentiert werden, um die Zusammenarbeit und Verbundenheit der unterschiedlichen Organisationen wie Polizei und THW mit der Bundeswehr sichtbar zu machen.
Einige Anitmilitarist:innen der Internationalen Jugend nutzten die Gelegenheit, auf dem Rathausmarkt ihrer Haltung gegen den Krieg Ausdruck zu verleihen. Inmitten der anwesenden Soldat:innen und einiger Polizeibeamt:innen erklärten die Jugendlichen mit Megaphon, warum es heute notwendig ist, sich gegen die zunehmende Normalität der Aufrüstung zu organisieren.
In Nürnberg trotzten Antimilitarist:innen außerdem am Samstag der Hitze und organisierten eine Demonstration mit mehreren Dutzend Schüler:innen, linken Jugendgruppen und Menschen der Friedensbewegung. Anschließend an die Demonstration fand ein Parkfest unter dem Motto „Anti-Veteranentag“ statt. Ein Teilnehmender der Demonstration erklärte gegenüber Perspektive Online, dass die Aktionen einen Erfolg im Kampf gegen die Militarisierung darstellen: „Wir bauen auf die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht auf und haben ein deutliches Zeichen gegen den Veteranentag gesetzt. Auch in Zukunft stellen wir uns der Kriegspropaganda entschlossen in den Weg!”

