VW plant Abbau von 100.000 Stellen – auch Mercedes verschärft Sparkurs

Volkswagen-Chef Blume hat angekündigt, die Produktion in vier deutschen Werken auslaufen zu lassen, bis zu 100.000 Stellen abzubauen und VW als Marke in eine neue Gesellschaft auszugliedern. Bei Mercedes regt sich derweil gegen Sparmaßnahmen und geplante Standortverlagerungen spontaner Protest.

Der größte Autobauer Europas, Volkswagen, will bis zu 100.000 der aktuell rund 657.000 Stellen abbauen. Dies kündigte der Chef von VW, Oliver Blume, am Freitag an. Zudem könnten bis zu vier Werke geschlossen werden, sobald die dort gefertigten Modelle auslaufen. Konkret geht es um die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm.

Der geplante Stellenabbau entspricht einer Verdoppelung des bisherigen Plans, der einen Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 vorgesehen hatte. Ob diese nun 50.000 zusätzlichen Stellen jedoch ebenfalls bis 2030 wegfallen sollen, ist bislang noch unklar. Bisher wurde die Entlassung von 28.000 Arbeiter:innen bereits bestätigt.

Zusätzlich zu dem Stellenabbau und den Werksschließungen ist auch eine Neuaufstellung des Unternehmens in Planung: Aufgrund von Zöllen, einem härteren Wettbewerb und einer allgemein schlechten Marktentwicklung funktioniere das aktuelle Geschäftsmodell nicht mehr. Dieses beruhte darauf, Autos in Deutschland zu entwickeln, in Europa zu produzieren und dann weltweit zu exportieren.

Teil der Neuaufstellung sei laut dem Manager Magazin eine Herauslösung sowohl der Kernmarke Volkswagen als auch der Komponententochter ‌aus ​dem Konzernverbund. Über all die geplanten Umstellungen und Entlassungen soll der Aufsichtsrat am 9. Juli beraten. Ob und wie diese Pläne umgesetzt werden, ist also noch ungewiss.

Deutscher Kapitalismus: Unternehmen beschleunigen Stellenabbau

Verlagerungen, Sparmaßnahmen und wilder Streik bei Mercedes

Auch bei Mercedes tut sich aktuell viel: Es wurden deutschlandweit massive Sparmaßnahmen angekündigt, und Werke und manche Produkte sowie Verwaltungsfunktionen sollen künftig an „wettbewerbsfähigere internationale Standorte“ verlagert werden.

Teil der Sparmaßnahmen ist dabei die Entscheidung des Konzernvorstands, eine im Tarifvertrag festgelegte Sonderzahlung für die Beschäftigten nicht zu zahlen. Eigentlich wäre diese im Juli fällig und würde 18,4 Prozent eines Monatsentgelts betragen – ein mittlerer dreistelliger Betrag für die meisten Arbeiter:innen laut der IG Metall.

Diese Entscheidung wurde den Arbeiter:innen am Freitag mitgeteilt. Als Reaktion darauf verließen einige Arbeiter:innen im Bremer Werk ihren Arbeitsplatz am selben Tag noch vor Schichtende – ein kurzer „wilder Streik“. Gemeint sind spontane Streiks, die nicht von den Gewerkschaften geplant, mit dem Unternehmen abgesprochen und Teil der Tarifverhandlungen sind.

Deutsche Autoindustrie in der Krise – Rüstungsindustrie als Rettung?

Seit dem Jahr 2019 befindet sich die gesamte deutsche Industrie in der Krise. Das erste Quartal dieses Jahres war das erste, das einen positiven Umsatz nach zehn Minus-Quartalen verzeichnete. Besonders starke Einbußen hatten in den letzten Jahren die Textil- und die Autoindustrie zu verzeichnen.

Die Produktion bzw. die Produktionskapazitäten liegen in vielen Zweigen der Industrie über dem, was abgesetzt werden kann, weswegen davon gesprochen wird, „Überkapazitäten“ abbauen zu müssen. In erster Linie bedeutet das Stellenabbau, wie eben bei VW.

Telekom, Mercedes & KNDS – In Deutschland entsteht ein Militärisch-Industrieller Komplex

Um aus der Krise herauszukommen, stellen Unternehmen wie VW und Mercedes aktuell auch auf die weitaus lukrativere Rüstungsproduktion um. So übernimmt zum Beispiel Mercedes ein Werk des Panzerherstellers KNDS in Ludwigsfelde, und das Osnabrücker VW-Werk soll an den staatlichen israelischen Rüstungskonzern Rafael übergeben werden – das wird aktuell jedoch vom Aktionär Katar blockiert.

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