WM 2026: Fußball für Konzerne und reaktionäre Staaten

Die nächste Fußball-WM der Männer steht vor der Tür. Und wie fast immer bei großen Turnieren gilt: Nächste WM, nächste Regierung, die Menschenrechte eher als Hindernis betrachtet, und Konzerne, die davon profitieren. – Ein Kommentar von Max Funk.

Nach Russland 2018 und Katar 2022 findet das größte Sportevent der Welt diesmal in Nordamerika, jedoch hauptsächlich den USA statt. Die FIFA verkauft das Ganze natürlich trotzdem als „Fest der Völkerverständigung“. „Football unites the world“ – außer Menschen ohne Geld oder Aufenthaltsstatus.

Unpolitisch war Fußball noch nie. Gerade Weltmeisterschaften waren immer auch Prestigeprojekte für Staaten, Konzerne und Kapitalist:innen. Die FIFA und ihre Verbündeten inszeniert sich dabei gerne als Vertreterin von Offenheit, Vielfalt und internationaler Verständigung – Werte, die in der Realität vor allem mit Vermarktung, Standortpolitik und den Interessen großer Konzerne verbunden sind.

Selbst diesem heuchlerischen Anspruch unterläuft die FIFA regelmäßig bei der Vergabe ihrer Turniere. Katar inszenierte sich 2022 trotz brutaler Ausbeutung migrantischer Arbeiter:innen als „weltoffener“ Gastgeber. Ähnlich sieht es bei vergangenen und zukünftigen Austragungsorten aus. Die FIFA behauptet zwar regelmäßig, Sport und Politik zu trennen, trifft aber ständig politische Entscheidungen – im Sinne der Profitabilität.

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Katastrophe für Menschenrechte

Besonders deutlich wird das am Verhalten von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Er wirkt inzwischen weniger wie ein Sportfunktionär als vielmehr wie der Influencer reaktionärer Staatschefs. Mit Donald Trump verteilt die FIFA plötzlich einen „Friedenspreis“ an genau den Mann, dessen Regierung Abschiebungen verschärft, Grenzen militarisiert und offen nationalistische Politik betreibt. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch warnen deshalb schon jetzt vor einer möglichen „Katastrophe“ rund um die WM.

Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei die US-Einwanderungsbehörde ICE. Sie ist für viele US-Bürger:innen und Migrant:innen eine permanente Bedrohung. Rassistische Kontrollen, Abschiebungen bis hin zu Morden durch ICE-Agent:innen sind dort Alltag. Human Rights Watch kritisiert, dass die FIFA keinerlei ernsthafte Strategie vorgelegt hat, wie Fans, Journalist:innen und migrantische Communities geschützt werden sollen.

Und genau darin liegt die politische Realität dieser WM. Während die FIFA von Vielfalt und Weltoffenheit spricht, könnte ein Teil der Menschen faktisch ausgeschlossen werden.

Nicht offiziell natürlich. Niemand wird sagen: „Migranten unerwünscht.“ Stattdessen funktioniert es über Kontrollen, Überwachung und Angst. Fußball für alle – solange du Geld, Papiere und den richtigen Pass besitzt.

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(Un-)politischer Luxus

Dabei geht es nicht nur um die USA. Die FIFA will bei ihren Turnieren eine sterile, komplett kontrollierte Veranstaltung ohne Proteste. Politische Botschaften sind oft nur erlaubt, wenn sie zu den Interessen der Regierungen passen, die FIFA und Sponsoren aktuell hofieren und als Partner präsentieren. Diese Strategie zieht sich seit Jahren durch den internationalen Fußball. Die FIFA spricht von Neutralität, meint aber in Wahrheit eigene wirtschaftliche Interessen und das Image der Austragungsländer.

Gleichzeitig wird die WM immer unbezahlbarer. Tickets, Hotels und Reisen kosten Summen, die sich Arbeiter:innen kaum leisten können. Fußball wird zunehmend zum Luxusprodukt für Sponsor:innen, Tourist:innen und VIPs. Städte werden für Milliarden umgebaut, während gleichzeitig soziale Programme gekürzt werden. Konzerne wie Adidas, Coca-Cola oder Visa verdienen prächtig – die Kosten dafür muss die Arbeiter:innenklasse in Kauf nehmen.

Sozialabbau in schwarz-rot-gold

Und natürlich funktioniert die WM auch als gigantische Ablenkungsmaschine. Vier Wochen Fahnen, Nationalhymnen und Dauerberichterstattung, während Regierungen weltweit Angriffe auf soziale Rechte vorbereiten. Gesundheitsreform und Rentenreform winkt der Bundestag dann zwischen Viertel- und Halbfinale durch. Vielleicht scheidet Deutschland diesmal wieder früh aus. Das hätte zumindest den Vorteil, dass über einen kürzeren Zeitraum über verletzte Außenverteidiger gesprochen wird und stattdessen die Streichung des Acht-Stunden-Tages thematisiert wird.

Trotzdem lieben Millionen Menschen Fußball, gerade weil der Sport Menschen verbinden kann. Aber er würde das noch viel stärker tun, wenn nicht die FIFA, Konzerne und rechte Staatschefs darüber bestimmen würden, wie dieser Sport aussieht, sondern die Menschen, die Woche für Woche auf den Plätzen, Rängen und Straßen seine eigentliche Kultur und seinen gesellschaftlichen Wert tragen.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 111 vom Juni 2026 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

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