Nach jahrelanger atomarer Abrüstung setzen die militärischen Großmächte mittlerweile wieder vermehrt auf den Ausbau von Atomwaffen. Zu diesem Ergebnis kommt das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) in einem Bericht, der zu Beginn dieses Monats veröffentlicht wurde.
Das schwedische Friedensinstitut Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) kommt in einem aktuellen Bericht zu dem Schluss, dass weltweit der Ausbau atomarer Bewaffnung zunimmt. In dem Bericht wird von einer Art Kettenreaktion gesprochen, die aufgrund der Modernisierung und Verbesserung der Arsenale auftrete: Ein Staat zieht an und die anderen folgen.
„Wir stecken bereits mitten in einem neuen nuklearen Wettrüsten“, erklärt SIPRI-Experte Matt Korda. „Jeder Nuklearstaat baut sein Atomwaffenarsenal entweder quantitativ oder qualitativ aus – und manche tun beides“.
Aktuell dienen die Arsenale vor allem dem Zweck der Abschreckung. Im Ukraine-Krieg deutete Russland beispielsweise auf das eigene Arsenal hin, um die Unterstützung der Ukraine durch andere Staaten im Zaum zu halten. Darin besteht auch der primäre Nutzen von Atomwaffen, jedoch lässt sich dadurch nicht ausschließen, dass sie nicht auch für direkte Kriegshandlungen Gebrauch finden werden.
USA und Russland weiterhin an der atomaren Spitze
Anfang des Jahres ist eine weitere Hürde in der Aufrüstung gefallen. Der Rüstungskontrollvertrag „New Start“ zwischen den USA und Russland ist ausgelaufen. Im Vertrag waren zuvor Maximalgrenzen für nukleare Sprengköpfe und Trägersysteme festgehalten worden. An diese müssen sich die beiden Staaten nun nicht mehr halten. Laut Korda wird das Auslaufen dieses Vertrages auch mit einer steigenden Intransparenz über die eigene Aufrüstung einhergehen.
Vor einem Jahr verfügten die USA und Russland gemeinsam über knapp 90 Prozent der Atomwaffen. Mittlerweile sind es rund 83 Prozent. Bei weltweit rund 12.187 Sprengköpfen (Stand Januar 2026) verfügen die USA damit über 5.042 und Russland sogar über 5.420 Sprengköpfe. Dass diese beiden Staaten mittlerweile einen kleineren Anteil des weltweiten Sprengkopfbefundes aufweisen, ist allerdings kein Indiz dafür, dass die Abrüstung weiterläuft. Auch weitere Regional- und Großmächte ziehen das Tempo an.
Weltweiter Kurswechsel: Immer mehr Länder setzen wieder auf Atomkraft
Russland und die USA sind schließlich nur zwei der neun Atommächte. Neben ihnen verfügen auch China, Großbritannien, Frankreich, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel über Atomwaffen. Neben den USA und Russland liegen die anderen Staaten jedoch noch weit zurück. Die drittmeisten Waffen besitzt China mit knapp über 600 Sprengköpfen.
Europa zieht mit – die Debatte in Deutschland wird lauter
Auch wenn die europäischen Staaten mit ihren Waffen noch lange nicht an der Spitze stehen und im Fall von beispielsweise Deutschland über keine eigenen Atomwaffen verfügen, macht sich auch hier eine Entwicklung bemerkbar. Neben 20 US-amerikanischen Atomsprengköpfen, die in Deutschland stationiert sind, hat Deutschland bislang wenig mit diesen Waffen zu tun. Das hat besonders mit zwei von der BRD unterzeichneten Verträgen zu tun: Dem Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag (NVV) von 1975 sowie dem Zwei-plus-Vier-Vertrag, der 1990 zwischen den Siegermächten und den damaligen beiden deutschen Staaten geschlossen wurde.
Bereits seit längerem häufen sich jedoch Vorschläge, die sich dagegen sträuben. Die AfD setzt sich in Teilen für eigene Atomwaffen ein und auch der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, hat sich bereits für diesen Vorschlag ausgesprochen.
Zeitenwende und Kriegstüchtigkeit: Als nächstes Atomwaffen für die BRD?
Die Frage der atomaren Aufrüstung ist in Deutschland längst angekommen. Auch in der Regierung wird über den eigenen Umgang mit Atomwaffen diskutiert. Dort geht es bislang noch nicht so viel um tatsächlich eigene Waffen. Wie auch in anderen Bereichen wie der Wirtschaft möchte man sich aber auch hier zunehmend von den USA unabhängig machen.
Friedrich Merz erklärte dazu, dass es ein europäisches Atomprogramm brauche, das sich auf die Kapazitäten von Frankreich und Großbritannien stützt. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron hat bereits geäußert, dass er von dieser Idee nicht abgeneigt ist.
In der kommenden Zeit werden wir beobachten können, wie sich diese Entwicklungen fortführen. International wird die atomare Aufrüstung angezogen werden und die europäischen Imperialisten werden sich wohl zunehmend unabhängig von den USA machen. Gleichzeitig bleiben auch zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland Widersprüche in Fragen der Geostrategie bestehen, die eine vorübergehende Partnerschaft ins Wanken bringen könnten.

