90 Jahre Spanischer Bürgerkrieg: Ein Vorbild für Internationalismus und Frauenkampf

Der Spanische Bürgerkrieg ist bis heute ein Symbol des proletarischen Internationalismus. Tausende Freiwillige aus aller Welt schlossen sich den Internationalen Brigaden an der Seite der Spanischen Republik an. Frauen kämpften in vorderster Reihe gegen den Faschismus und das Patriarchat. ­– Ein Kommentar von Aziza Mounir.

Kinder, die auf einer Steinbarrikade in Barcelona stehen, oder singende und klatschende Marinesoldaten der Republikanischen Armee an Bord eines Kriegsschiffs. Als eine der ersten Kriegsfotografinnen dokumentierte Gerda Taro den Spanischen Bürgerkrieg. Für verschiedene fortschrittliche Zeitungen hielt sie Szenen der Genossenschaftlichkeit,

Solidarität und des revolutionären Mutes fest. Ebenso spiegelten ihre Fotografien die Realitäten des Krieges wider, mit Aufnahmen von verwundeten Soldaten oder Kriegswaisen. Auch die Rolle der Frauen im Spanischen Bürgerkrieg spielte in ihren Fotografien eine große Rolle. Die Fotoreihe „Wenn sich die Frauen einmischen“ zeigt Milizionärinnen beim Training für die Republikanische Armee.

Fortschritt und Sturz der Spanischen Republik

Sechs Jahre lang bestand die 1930 ausgerufene Republik in Spanien, bis es 1936 zum Beginn des Spanischen Bürgerkriegs kam. Der Ausruf der Republik war verbunden mit einer gestärkten Front von Arbeiter:innen, die für eine demokratische Republik einstanden.

Mit der Industrialisierung Spaniens im 19. Jahrhundert bildete sich eine Arbeiter:innenklasse heraus. Diese führte einen Kampf für ihre Rechte, angeführt von fortschrittlichen Organisationen – von Anarchist:innen über Sozialist:innen bis hin zu Kommunist:innen. Ebenso entwickelten sich die bis heute bekannten Unabhängigkeitskämpfe des Baskenlandes und Kataloniens, die sich im Widerspruch zur spanischen Bourgeoisie sahen.

Mit dem Ausrufen der Republik kam es zu gesellschaftlichem Fortschritt und zur Verabschiedung einiger Reformen. Eine neue Verfassung wurde verabschiedet, die von Freiheit und Gerechtigkeit für alle Arbeiter:innen sprach. Weitere Meilensteine waren die Kirchenreform, welche den spanischen Staat als religionslos definierte, sowie eine Agrarreform, die durch Landumverteilung soziale Ungerechtigkeit bekämpfen sollte.

Errungenschaften für die Arbeiter:innen bedeuteten auf der anderen Seite Einschränkungen der Macht des Bürgertums, der Großgrundbesitzer, der Kirche und der Faschisten. Gerade Letztere organisierten sich nach dem Vorbild des Hitlerfaschismus in Deutschland und des damals herrschenden italienischen Faschismus unter Mussolini. Besonders prägend für die faschistischen Kräfte war General Francisco Franco, der in den Reihen des Militärs durch die Zerschlagung von Unabhängigkeitskämpfen in spanischen Kolonien in Nordwestafrika aufstieg.

Am 17. Juli 1936 versuchte Franco mit einem Militärputsch die Machtübernahme in Spanien. Die Volksfront aus republikanischen Kräften kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg drei Jahre lang gegen Franco und den Faschismus. Im April 1939 kam es jedoch zur Niederlage, und der Franquismus herrschte in Spanien bis zum Tod Francos im Jahr 1975.

Internationale Brigaden gegen den Faschismus

Trotz der Niederlage ist der Spanische Bürgerkrieg ein Symbol der internationalen Arbeiter:innenklasse, die vereint gegen den Faschismus kämpfte. Den durch die Kommunistische Internationale organisierten Internationalen Brigaden schlossen sich viele Internationalist:innen an, die häufig keine militärische Erfahrung hatten. Dabei ging es jedoch nicht nur um die rein militärische Ebene, sondern auch um die politische Beteiligung am Kampf gegen den Faschismus, der als internationaler Kampf verstanden werden muss.

Mit der Losung „No pasarán“ (Sie kommen nicht durch), mit der die Kommunistin Dolores Ibárruri über das Radio zur Verteidigung Madrids aufrief, hielten die republikanischen Kräfte das politische Zentrum bis März 1939 unter ihrer Kontrolle. Dies gelang nur durch die Unterstützung der Elften Internationalen Brigade, auch Thälmann-Brigade genannt. Die Parole wird bis heute von Antifaschist:innen genutzt.

Ebenso waren die Militärhilfen der Sowjetunion für den Kampf von großer Bedeutung. Ohne Flugzeuglieferungen aus der Sowjetunion hätten die faschistischen Truppen die Lufthoheit behalten. Eine der Kernaufgaben der Kommunist:innen in der Republik bestand darin, überhaupt eine moderne Armee mit einheitlicher Führung aufzustellen anstelle versprengter Volksmilizen. Hier leisteten die sowjetischen Militärberater einen entscheidenden Beitrag. Gleichzeitig kam es innerhalb der republikanischen Kräfte auch zu inneren Auseinandersetzungen.

Auch heute lebt der proletarische Internationalismus weiter: Etwa durch Aktivist:innen, die mit Hilfsgütern und unter den Augen der Öffentlichkeit nach Gaza oder Kuba reisen oder Internationalist:innen, die den Befreiungskampf in Kurdistan unterstützen.

Frauen, die kämpfen

Auch der proletarische Frauenkampf erkämpfte sich während der Zeit der Republik wichtige Errungenschaften: Gleichstellung in der Ehe, Scheidung, aktives und passives Wahlrecht sowie den Zugang zu Arbeit und Bildung. Nach dem Sieg des Faschismus wurden sämtliche Fortschritte wieder rückgängig gemacht.

Im Spanischen Bürgerkrieg nahmen Frauen eine voranschreitende Rolle ein. Die anarchistische Frauenorganisation Mujeres Libres (Freie Frauen) führte einen doppelten Kampf: einen militärischen gegen den Franco-Faschismus und einen gegen das Patriarchat in den eigenen Reihen.

Während ihres dreijährigen Bestehens organisierten sich in über 170 Ortsgruppen mindestens 20.000 Frauen. In ihren Reihen kollektivierten sie gesellschaftliche Reproduktionsarbeit, um die einzelnen Frauen zu entlasten, und organisierten Alphabetisierungs- und Bildungskurse.

Diesen kämpfenden Frauen wurde vonseiten der Faschisten, des Bürgertums und der Kirche mit heftiger Gewalt begegnet. Durch den zynischen Akt des „Paseíllo“ (kleiner Spaziergang) sollten politische Gefangene, vor allem aber Frauen, öffentlich gedemütigt werden. Ihnen wurde der Kopf geschoren, sie wurden nach der Verabreichung von Abführmitteln öffentlich vorgeführt und gezwungen, die Kirche zu reinigen, bevor sie anschließend hingerichtet wurden.

Während des spanischen Bürgerkriegs zeigten die Kämpferinnen unmittelbar, dass der Kampf gegen den Faschismus zugleich ein Kampf gegen die Unterdrückung der Frau ist.

Dieser Text ist in der Print-Ausgabe Nr. 112 vom Juli 2026 unserer Zeitung erschienen. In Gänze ist die Ausgabe hier zu finden.

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