AfD will eigene Veranstaltungshalle in Nordrhein-Westfalen kaufen

Die Alternative für Deutschland steht seit längerer Zeit vor Problemen bei der Suche nach Veranstaltungshallen für ihre Großveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen. Die Partei plant nun offenbar den Kauf einer eigenen Veranstaltungshalle. Derweil eskaliert der Streit um den NRW-Landesverband weiter.

Die Alternative für Deutschland (AfD) plant den Erwerb einer eigenen Veranstaltungshalle in Nordrhein-Westfalen. Diese Informationen gehen aus einem Schreiben des Parteichefs Martin Vincentz und des Schatzmeisters Christian Blex an alle Mitglieder hervor. Das Schreiben offenbart ebenfalls, dass die Partei bereits eine konkrete Immobilie im Blick hat. Welches das ist, wird nicht genannt.

Die Halle soll in Zukunft für Großveranstaltungen der Partei genutzt werden und kostet wohl rund drei Millionen Euro. Wofür die Halle außerhalb von Parteitagen oder Wahlkampfveranstaltungen genutzt werden soll, ist bisher noch unklar. Ein Drittel des Kaufpreises der Halle, also eine Million Euro, soll über Spenden finanziert werden. Diese sollen bereits bis zu einer Frist am 31. Dezember 2026 eingenommen werden.

Die weiteren zwei Drittel sollen über Eigenkapital und ein Darlehen bei der Bundespartei finanziert werden. So erklärte es ein Sprecher des NRW-Landesverbands auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. 2025 erhielt die Bundespartei der AfD über 12 Millionen Euro aus staatlicher Parteienfinanzierung.

Antifaschistischer Protest gegen AfD-Parteitag: Erfurt erlebt einen Tag des Widerstands

Keine Räumlichkeiten für die AfD

Ein zentraler Grund für den Erwerb sind Schwierigkeiten bei der Suche nach Veranstaltungsstätten für größere Zusammenkünfte. In den letzten Jahren hatte die Partei immer wieder Schwierigkeiten, Räumlichkeiten zu finden, in denen sie regelmäßige Veranstaltungen abhalten konnte, etwa um interne Wahlen durchzuführen oder Listen aufzustellen.

Am 9. November letzten Jahres wollte die AfD einen Landesparteitag in der Stadthalle in Hechingen in Baden-Württemberg veranstalten. Der Gemeinderat beschloss kurz vorher jedoch eine neue Nutzungsordnung für die Halle. So durften dort kurzerhand keine Parteiveranstaltungen auf Bundes- und Landesebene stattfinden. Die AfD zog vor Gericht; die Stadt und die Partei einigten sich auf einen Vergleich. Zuletzt wich die Partei immer wieder auf ein Eventzentrum in Marl aus, in dem normalerweise Großhochzeiten stattfinden.

Insgesamt lehnt eine große Anzahl an Hallenbetreiber:innen Mietanfragen der Partei ab. Die Gründe dafür waren teilweise eine politische Ablehnung der Partei durch die Betreiber:innen selbst, Widerstand der lokalen Politik oder eine Sorge vor dem Protestpotenzial, das eine Vermietung an die AfD mit sich bringt.

Protestpotential gegen neue Halle

Die Großveranstaltungen der AfD, ob der letzte Bundesparteitag in Erfurt oder die letzte Veranstaltung der AfD aus NRW in Marl, mussten aufgrund von Gegenprotesten stets mit einem massiven Polizeiaufgebot abgesichert werden. Das Durchführen des letzten Bundesparteitages in Erfurt war nur durch eine neue Polizeitaktik durchführbar. Die Teilnehmer:innen wurden bereits frühmorgens ins Gebäude geschleust. So waren später startende Blockadeaktionen größtenteils wirkungslos.

Es ist wahrscheinlich, dass auch der Erwerb der Halle, deren Eröffnung sowie Veranstaltungen von massiven Gegenprotesten begleitet werden. Protestbündnisse wie Widersetzen dürften den Versuch behindern wollen, ein neues räumliches Zentrum der AfD in NRW entstehen zu lassen.

Der Machtkampf der AfD in Nordrhein-Westfalen

NRW-AfD im Streit

Während die AfD in Nordrhein-Westfalen eine eigene Halle finanzieren möchte, gibt es weiterhin innere Auseinandersetzungen rund um den Landesverband im einwohnerstärksten deutschen Bundesland. Mitte Juli sollte beim Landesparteitag die Kandidat:innenliste für die kommende Landtagswahl aufgestellt werden.

Nachdem das gemäßigt auftretende Lager um Landeschef Martin Vincentz mehr Listenplätze gewinnen konnte, erhob der offen faschistische Flügel um Matthias Helferich schwere Vorwürfe. Anhänger:innen des faschistischen Flügels riefen zu einer Blockade des Parteitags auf. Erst nach einem stark in die Länge gezogenen Parteitag konnte die Landesliste beschlossen werden.

Als Reaktion auf die Auseinandersetzungen berief der AfD-Bundesvorstand eine Untersuchungskommission ein und startete ein Parteiordnungsverfahren gegen Landeschef Martin Vincentz ein. Seit dem AfD-Bundesparteitag wird keine Person im Bundesvorstand mehr dem gemäßigten Lager zugerechnet. Die möglichen Folgen dieses Verfahrens reichen von einer Rüge bis zum Parteiausschluss.

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