Deutz auf Kriegskurs: Milliarden-Übernahme soll Rüstungssparte ausbauen

Die Deutz AG will die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft übernehmen und ihr Geschäft mit Militärtechnik deutlich ausweiten. Die Übernahme stärkt nicht nur den Konzern, sondern auch die Konzentration der Rüstungsindustrie im Rheinland.

Der Kölner Motoren- und Fahrzeughersteller Deutz möchte sein Geschäftsfeld in der Rüstung weiter ausdehnen. Zu diesem Zweck gab die DEUTZ AG bekannt, dass sie die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) kaufen möchte.

Der Kaufpreis beträgt rund 1,6 Milliarden Euro und soll durch Barzahlungen und die Emission weiterer Aktien aufgebracht werden. Die Hauptversammlung und die Kartellbehörden müssen noch ihre Zustimmung geben. Bis spätestens 2027 soll der Kauf vollständig abgeschlossen sein.

Nach der Einverleibung in den Deutz-Konzern soll die FFG als Tochtergesellschaft ihrem bisherigen Geschäft weiter nachgehen. Die Eigentümerfamilien der FFG sollen dann 29,9 Prozent der Deutz-Aktien besitzen und als „neue langfristig orientierte Ankeraktionär[e]“ von DEUTZ agieren.

Die DEUTZ AG produziert Antriebs- und Energiesysteme, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können, auch „Dual Use“ genannt. Zu ihrem Portfolio gehören unter anderem Dieselmotoren für Militärfahrzeuge, Hybrid- und Elektroantriebe, Stromaggregate (GenSets), Batteriespeicher, Antriebe für militärische Drohnen sowie eine weltweite Lieferung und Ersatzteilversorgung. Nach eigenen Angaben beliefert die Deutz AG 60 Armeen weltweit, darunter 14 NATO-Staaten.

Der älteste Motorenbauer der Welt, der ursprünglich Motoren für die Bau- und Landwirtschaft hergestellt hat, produziert bereits seit Längerem auch für den Rüstungsbereich und möchte sein Geschäft mit Rüstung seit spätestens 2024/2025 gezielt ausbauen. Im Herbst 2025 teilte das Kölner Unternehmen mit, den Drohnen-Antriebsspezialisten Sobek Aerospace Group aus Hirschberg in Baden-Württemberg zu kaufen. Mit der Übernahme der FFG sollen nun außerdem gepanzerte Rad- und Kettenfahrzeuge hinzukommen. Nach eigenen Angaben soll die FFG dabei sogar den „Kern der Defense-Aktivitäten von Deutz“ bilden.

Mit dem Kauf der FFG stärkt die Deutz AG also ihren Kurs in Richtung Rüstung und ihre Position als wichtiger Akteur in der Rüstungsindustrie weiter. Zwar ist das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von etwa 2 Milliarden Euro im Jahr 2025 im europäischen Vergleich noch deutlich kleiner als große Waffenhersteller wie Rheinmetall, die im Jahr 2025 etwa 10 Milliarden Euro umsetzten und über einen Auftragsbestand von rund 64 Milliarden Euro verfügten. Allerdings ist abzusehen, dass sich die Deutz AG trotzdem weiter als Zulieferer etabliert und ihr Monopol im Bereich der Motoren und Antriebe weiter ausbauen wird.

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Das Rheinland als Standort für Kriegsproduktion

Durch den Einstieg von Deutz in das Rüstungsgeschäft wird Köln um noch mehr Kriegsindustrie erweitert. Dabei ist die Metropole am Rhein ohnehin ein Standort für viele derartige Unternehmen. So haben 2025 mehrere deutsche und französische Rüstungsschmieden wie Rheinmetall und KNDS die MGCS Project Company GmbH mit Sitz in Köln gegründet. MGCS steht für Main Ground Combat System und ist ein deutsch-französisches Projekt zur Entwicklung eines neuen Kampfpanzers.

In den anderen Städten an Rhein und Ruhr sieht es ähnlich aus: Das Rüstungsmonopol Rheinmetall hat seinen Sitz in Düsseldorf und der Stahlkonzern ThyssenKrupp in Essen.

Diese Konzentration der Rüstungsindustrie in einem Gebiet ist aber gleichzeitig eine Möglichkeit, antimilitaristischen Widerstand zu leisten. So wird das jährlich stattfindende Protestcamp Rheinmetall Entwaffnen“ dieses Jahr wieder in Köln stattfinden. Neben Bildungsangeboten gab es dort bereits letztes Jahr zahlreiche Protestaktionen gegen die Rüstungsindustrie. Auch gegen den Deutz-Konzern wurde protestiert, indem ein Logistikzentrum kurzzeitig blockiert wurde. Dabei kam es auch zu schwerer Repression durch die Polizei, als die Abschlussdemonstration für 11 Stunden gekesselt wurde. Mindestens 147 Demonstrierende mussten medizinisch versorgt werden.

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Dieses Jahr wird das Camp von „Rheinmetall Entwaffnen“ in Köln vom 1. bis zum 6. September stattfinden.

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