In Deutschland leben 1,62 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Besonders stark von Armut betroffen sind alleinerziehende Frauen. Währenddessen plant Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) Kürzungen beim staatlichen Unterhaltsvorschuss und dem Elterngeld und verschärft damit die Lage von arbeitenden Frauen immens.
Seit 2017 kann für Kinder bis zum 18. Lebensjahr staatlicher Unterhaltsvorschuss bezogen werden, sobald ein Elternteil die Unterhaltskosten nicht zahlt. Dies soll jetzt im Rahmen der Sozialkürzungen verändert werden: Die Bundesfamilienministerin plant einen neuen Gesetzesentwurf, der beinhaltet, dass staatlicher Unterhalt nur noch für Kinder bis zu ihrem 16. Geburtstag gezahlt werden soll.
Prien begründet die entsprechenden Kürzungen mit den durch den Unterhaltsvorschuss entstehenden hohen Kosten. Er habe sich zu „einem der größten Kostenfaktoren für die Kommunen“ entwickelt, so die CDU-Politikerin.
Auch mit dem neuen Gesetzesentwurf zur Kürzung von Elterngeld – bei dem Eltern nur noch zwölf statt der bisherigen 14 Monate Elterngeld zur Verfügung hätten – spitzt sich die Lage von Frauen immens zu. Während die Bundesregierung mehr und mehr Gelder in Militär und Aufrüstung investiert, werden durch sämtliche Sozialkürzungen die arbeitenden Frauen immer mehr in die Armut und Abhängigkeit von ihrem (Ex)-Partner gedrängt.
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Knapp jede fünfte Familie mit alleinerziehendem Elternteil
Im Jahr 2025 lebten in Deutschland rund 1,62 Millionen Alleinerziehende. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis erster Ergebnisse des Mikrozensus jetzt mitteilt, bestand damit knapp jede fünfte Familie mit Kindern unter 18 Jahren aus nur einem Elternteil. Gegenüber dem Jahr 2015 sind die Zahlen leicht zurückgegangen.
Im Jahr 2025 wuchsen damit rund 2,36 Millionen Kinder (16,8 Prozent) unter 18 Jahren in Deutschland bei einem Elternteil auf. Würden die Planungen der Kürzungen des Unterhaltsvorschusses in Kraft treten, wären davon knapp ein Fünftel der Familien mit alleinerziehenden Elternteil betroffen. Im Jahr 2025 entsprach dies 373 000 betroffenen Jugendlichen.
Die Daten zeigen: Auch im Jahr 2025 stellten Frauen die Mehrheit der Alleinerziehenden. Insgesamt gab es 1,37 Millionen alleinerziehende Mütter. Damit waren mehr als vier von fünf (84,4 Prozent) Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren Frauen.
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Hinzu kommt, dass alleinerziehende Mütter häufiger in Vollzeit arbeiten müssen als Mütter mit Partner:in. Dadurch wird einmal mehr deutlich, dass Frauen in Deutschland weiterhin sehr häufig in finanzieller Abhängigkeit von ihren Partner:innen stehen. Im Jahr 2025 waren 38,6 Prozent der erwerbstätigen alleinerziehenden Mütter mit Kindern unter 18 Jahren in Vollzeit beschäftigt. Bei Müttern in Ehe oder Lebensgemeinschaft lag dieser Anteil bei 30,7 Prozent.
Bei Vätern zeigt sich hingegen das umgekehrte Bild: Von den erwerbstätigen alleinerziehenden Vätern mit minderjährigen Kindern arbeiteten 83,8 Prozent in Vollzeit, während der Anteil bei Vätern in Partnerschaft mit 91,5 Prozent deutlich höher ausfiel.
Alleinerziehende Frauen im Fokus der Sozialkürzungen
Ein Vollzeitjob anstelle eines Teilzeitjobs bedeutet jedoch nicht automatisch mehr finanzielle Sicherheit. Alleinerziehende Frauen und ihre Kinder gehören weiterhin zu den besonders armutsgefährdeten Gruppen. Nach Ergebnissen der EU-weiten Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen 2025 lebte zuletzt knapp ein Drittel der Personen in Alleinerziehenden-Haushalten mit einem Einkommen unterhalb der Grenze zur Armutsgefährdung. Darüber hinaus stehen Frauen bereits aufgrund unterbrochener Erwerbsbiografien, Teilzeitarbeit in früheren Lebensphasen und geringerer Möglichkeiten der Altersvorsorge langfristig in unsicheren Lebensverhältnissen.
Durch die geplanten Kürzungen verschärft sich die Abhängigkeit von arbeitenden Frauen zu ihren (Ex)-Partner:innen insofern, als Frauen verstärkt gezwungen sein werden, sich gegen eine Trennung der Beziehung oder Scheidung zu entscheiden. Dies verstärkt das psychische und physische Leiden von Frauen in Deutschland noch einmal. Durch einen Wegfall der Zahlungen vom Staat würden Frauen immer öfter dazu gezwungen sein, in Partnerschaften zu verweilen, in denen sie physische und psychische Gewalt erleben müssen.

