Beim CSD Berlin ist ein Auto in eine Menschenmenge gefahren und hat mindestens eine Person getötet und mehrere schwer verletzt. Die Polizei fahndet nach dem flüchtigen Täter. Für Sonntag wird zum Gedenken an die Opfer aufgerufen.
Am Samstag Abend gegen 22 Uhr ist in der Nähe der Abschlusskundgebung des Cristopher Street Day in Berlin ein Transporter mit hoher Geschwindigkeit in eine Menschenmenge gefahren. Der Vorfall ereignete sich im Tiergarten auf Höhe der Lennéstraße. Die Veranstalter:innen des CSD teilten kurz darauf mit, dass das Event frühzeitig beendet werde und forderten die Besucher:innen auf, das Gelände „ruhig und geordnet“ zu verlassen und den Tiergarten sowie die Siegessäule zu meiden. Das Bühnenprogramm wurde sofort abgebrochen.
Im Laufe der Nacht erklärte die Feuerwehr, dass es mindestens eine Tote und 16 Verletzte gebe. Einige davon seien schwer verletzt und schweben in Lebensgefahr. Rettungskräfte und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot vor Ort, um die Verletzten zu versorgen.
Zeug:innen berichteten am Abend von einem Mann, der aus dem Wagen gestiegen und geflüchtet sein soll. Zudem soll der Täter die Teilnehmer:innen des CSD auch mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Die Polizei fahndet derzeit nach dem Tatverdächtigen. Im Laufe der Nacht veröffentlichte die Polizei ein Foto des Tatverdächtigen, der der islamisch-fundamentalistischen Szene zugeordnet wird. Über die genauen Hintergründe der Tat ist bisher noch nichts bekannt.

Angriffe auf Pride-Veranstaltungen
Zuvor soll es auf der CSD-Parade bereits zu einem Angriff mit einer Soft-Air Pistole gekommen sein. Eine Person habe vom Balkon eines Wohnhauses auf Demonstrierende geschossen und mehrere von ihnen leicht verletzt. Am Rande des CSD hatte es zudem eine kleine Gegendemonstration von rund einem Dutzend Neonazis gegeben.
Zeitgleich zum CSD fand im Bezirk Wedding die Internationalist Queer Pride statt. Auf der Alternativveranstaltung, die unter anderem die Beteiligung von Konzernen, Institutionen wie der Polizei oder Parteien wie der CDU auf dem CSD ablehnt, kam es zu Festnahmen wegen palästina-solidarischer Parolen.
Breite Anteilnahme
Zahlreiche Politiker:innen haben sich nach dem Anschlag zu Wort gemeldet und die Tat verurteilt. Neben dem regierenden Berliner Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerte sich auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Er bezeichnete den Anschlag als einen „Angriff auf unsere Gesellschaft“.
Auch verschiedene sozialistische Organisationen wie die SDAJ oder die FKO haben in Stellungnahmen ihr Mitgefühl mit den Betroffenen und Angehörigen ausgedrückt. Die FKO Berlin betont in ihrem Statement: „Dieser Angriff steht nicht für sich allein. Er reiht sich ein in eine Serie von Bedrohungen und Angriffen gegen CSDs im ganzen Land.“ Zudem rufen sie dazu auf, eine Reaktion auf den Angriff zu zeigen. Ab 10 Uhr können Menschen zum Sozialen Zentrum Aenne Saefkow in Berlin-Lichtenberg kommen. Dort solle ein Raum geschaffen werden, „um gemeinsam zu trauern – und unsere Trauer in Widerstand zu verwandeln“.
Die für Sonntag geplanten Veranstaltungen des CSD Berlin wurden von den Veranstalter:innen abgesagt. Stattdessen die Gruppe D-Dur Dykes zu einer Gedenkveranstaltung an die Opfer um 14 Uhr am Pariser Platz auf.

