Es kam erneut zu Angriffen zwischen dem Iran und den USA. Im Zentrum der Auseinandersetzungen steht nach wie vor die Kontrolle über die Straße von Hormus. Auch EU-Staaten wollen nun militärisch in der Region Präsenz zeigen.
Die USA und der Iran haben sich erneut gegenseitig angegriffen – die vorübergehende Waffenruhe bröckelt enorm. Auslöser für die neuesten Auseinandersetzungen waren offiziell laut US-Angaben Angriffe auf mehrere Handelsschiffe seitens des Iran. Die Tanker aus unter anderem Katar und Saudi-Arabien wurden im Rahmen der Blockade der Straße von Hormus angegriffen. Auf deren Kontrolle erhebt der Iran nach wie vor Anspruch. Die USA reagierten ihrerseits mit der Wiederaufnahme der Angriffe auf den Iran.
Im Rahmen der Angriffe hat das US-Militär unter Führung des Regionalkommandos Centcom über 80 Ziele im Iran angegriffen. Wie auch bei den Bombardements in der Vergangenheit wurden vor allem militärische Punkte wie Luftabwehrsysteme und Boote der Revolutionsgarde anvisiert. Neben den militärischen Attacken erhöhen die USA auch den wirtschaftlichen Druck. Die ausgestellten Lizenzen zum Verkauf von iranischem Öl wurden wieder entzogen und die Sanktionen wieder in Kraft gesetzt.
Der Iran fokussierte bei seinen Gegenangriffen erneut vor allem die Stützpunkte der USA in benachbarten Ländern. So wurden laut iranischen Angaben 85 Armeeanlagen in Kuwait und Bahrain angegriffen. Die Golfstaaten waren auch in der Vergangenheit immer wieder die Hauptziele der iranischen Gegenoffensive.
Iran verleiht Anspruch auf Hormus Nachdruck
Der Iran konnte seine Verteidigung und Macht in den vergangen Monaten deutlich länger aufrechterhalten als erwartet. Die innere Zersetzung, auf die die USA setzten, erreichte nicht die gewünschten Ausmaße und die iranische Regierung konnte eine relative innere Ruhe schaffen, um sich auf den Krieg gegen die USA zu fokussieren. Für die USA fällt der Krieg dabei deutlich kosten- und zeitintensiver aus als zunächst geplant. Mit der Blockade der Straße von Hormus gelang es dem Iran international Druck aufzubauen und seinerseits ebenfalls Gegenschläge auf diverse US-Stützpunkte in der Region auszuführen.
Nachdem sich die Ölpreise durch die Blockade zugespitzt haben und die USA eine Marinepräsenz aufgebaut haben, wurden Verhandlungen zwischen den beiden Parteien abgehalten. Neben dem Stopp des iranischen Atomprogramms und dem Ende der Islamischen Republik war vor allem die Situation in der Straße von Hormus immer wieder zentraler Teil der Verhandlungen.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte Ende Juni, dass sich die Meeresroute in den nächsten 30 Tagen erneut unter iranischer Kontrolle befinden wird. Mit den Angriffen auf die nicht genehmigten Tanker machte die Islamische Republik nun deutlich, wie ernst es ihr damit ist.
Donald Trump hatte in der Vergangenheit bereits öfter damit gedroht, erneut in die Offensive zu gehen, sollte der Iran die Blockade der Handelsrouten weiterhin durchsetzen wollen.
Europa beteiligt sich
Die NATO unterstützt währenddessen die Angriffe der USA, zumindest ideologisch und politisch. Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die Angriffe der USA als „absolut notwendig“. Auch der deutsche Außenminister Wadephul stelle sich hinter die USA und begründete das mit der nuklearen Abrüstung des Iran.
Die EU steht den USA dabei auch seit Beginn zur Seite. Zwar gab es vor allem zum Höhepunkt der Ölpreis-Explosionen Kritik an der Militäroperation, mittlerweile ist sie aber wieder in den Hintergrund gerückt. Während die EU-Staaten medial den Iran als Hauptaggressor und Verantwortlichen des Krieges inszenieren, unterstützten sie die USA vor allem auch durch Sanktionen gegen den Iran.
Aber auch militärisch mischt die EU vor Ort mit. Staaten wie Frankreich, Großbritannien und Italien haben Seestreitkräfte in die Region verlegt, um „Handelsrouten“ zu sichern, und auch die Bundeswehr will mit Minensuchbooten aushelfen. Davon profitieren werden wohl vor allem die USA, da sie die Mission nicht mehr komplett aus eigener Kraft stemmen müssen.
Auch ohne Bundestagsmandat: Bundeswehr soll bereits Schiffe Richtung Iran schicken
Bricht der Krieg wieder aus?
Die Frage, ob der Krieg erneut in größerem Maße ausbrechen wird, lässt sich nicht absolut beantworten, jedoch lassen die geopolitischen Ziele der USA Vermutungen zu.
Im größeren Plan der USA liegt der Fokus nämlich nicht auf Westasien, vielmehr bereitet man sich seit Jahren auf eine immer offenere Konfrontation mit dem größten Kontrahenten China vor. Die Lage zwischen China und Taiwan spitzt sich parallel immer weiter zu. So entsandte China im Juni mehrere Kriegsschiffe in die gesperrten Gewässer vor Taipeh. Gleichzeitig halten Vertreter der USA Taiwan weiter dazu an, mehr in die Aufrüstung zu investieren und sich für eine Auseinandersetzung mit China vorzubereiten.
In diesem Kontext war es immer wieder Strategie der USA, andere Konflikte und Kriege schnellstmöglich zu beenden oder zumindest die eigene Beteiligung auf ein Minimum zu reduzieren. Auch den Iran-Krieg startete die US-Regierung aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Hoffnung, möglichst schnell klare Machtverhältnisse in Westasien zu schaffen und sich dann größtenteils aus der Region zurückzuziehen. So pochte die Trump-Regierung auch immer wieder darauf, dass NATO-Partner nach Abschluss des Krieges die Kontrolle über die Straße von Hormus übernehmen.
In Kombination mit den hohen Kosten des Krieges und den innenpolitischen Schwierigkeiten, die der Krieg für die USA mit sich bringt, wirkt eine groß angelegte Offensive der USA eher unwahrscheinlich. Zudem passt auch das Nutzen von Militärschlägen als Verhandlungsmittel in das Muster des bisherigen Konflikts. Insgesamt scheint es sich bei dieser erneuten Eskalation um eine Reaktion auf stagnierende Verhandlungen und den Versuch beider Seiten, Druck auszuüben, zu handeln.

