Um „Führungsmacht in Europa“ zu werden versucht die Bundeswehr mit allen Mitteln Jugendliche anzuheuern. Die neue YouTube-Serie „Generation Wehrdienst“ soll sie niedrigschwellig ansprechen und spielt dabei auch mit den Zukunftsängsten der Jugend. Doch was haben wir von der deutschen Armee wirklich zu erwarten? – Ein Kommentar von Arsenij Hoffmann.
Seit dem 1. Juli läuft auf YouTube und Joyn die neue Dokumentationsserie der Bundeswehr unter dem Namen „Generation Wehrdienst“. Sie soll greifbar und auf Augenhöhe verschiedene Jugendliche auf ihrem Weg innerhalb der deutschen Armee begleiten.
Die Serie ist hochwertig und professionell produziert und beinhaltet verschiedenste stilistische Mittel, um die Zuschauer:innen an den Bildschirm zu binden. So werden zum Beispiel Interview-Sektionen eingebaut, um die Eindrücke und Geschichten der jungen Rekrut:innen einzufangen.
Viel Wert wird auch daraufgelegt, möglichst authentisch aus dem Leben der jungen Rekrut:innen zu berichten – mitsamt ihren Ängsten, Sorgen und auch jugendlichen Charakterzügen. Als eine Gruppe junger Männer eher etwas unbeholfen ihre Betten bezieht, betritt ein Ausbilder den Raum und weist sie bestimmt zurecht. Ahmad aus der Gruppe fasst es so zusammen: „Ja er hat uns auf jeden Fall gekocht“.
Doch nicht nur das Verwenden von Jugendsprache, auch mit der Auswahl der Protagonist:innen versucht die Bundeswehr, ein möglichst vielfältiges Bild abzugeben. Ganz nach dem Motto: Egal welches Geschlecht, welche Herkunft oder welche soziale Stellung in der Gesellschaft – bei der Bundeswehrs sind alle herzlich willkommen und gut aufgehoben.
Dabei werden in der Serie schon längst bekannte Floskeln verwendet, um die Zuschauer:innen zu motivieren, für Deutschland in den Krieg zu ziehen. Es geht um Frieden, Sicherheit, Demokratie und vor allem Gemeinschaft und Zusammenhalt.
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Die Welt brennt – die Jugend fürchtet um ihre Zukunft
Ob im Bundestag oder auch in der neuen Bundeswehr-Serie, vermehrt ist dabei von einer „Bedrohung von außen“ die Rede. Und es stimmt: Seit dem Erscheinen der Vorgängerserien unter den Namen „Die Rekruten“ und „Die Rekrutinnen“ vor mehreren Jahren hat sich einiges geändert.
In der Ukraine tobt immer noch der imperialistische Stellungskrieg, die USA haben vor einigen Tagen wieder Angriffe auf den Iran geflogen und in der Türkei werden auf dem NATO-Gipfel weitere Aufrüstungspläne geschmiedet. Die deutsche Regierung steht bei den Ausgaben für Bildung und Soziales mittlerweile zunehmend auf der Bremse, natürlich zu Gunsten von Militärausgaben und Finanzierung von Sicherheits- und Polizeibehörden in Milliardenhöhe. Auch in vielen Betrieben hört man von Kürzungen, Reallohnverlust und Entlassungen von teilweise tausenden Arbeiter:innen auf einmal.
Dass diese nationale und internationale Lage bei der Jugend Unsicherheiten und Zukunftsängste hervorruft, ist völlig klar. Da könnte besonders das Angebot der Bundeswehr für viele verlockend wirken: Eine sichere Karriere, zahlreiche Boni, Übernahme des Führerscheins, kostenlos Bahnfahren und ein super Einstiegsgehalt. Und dazu noch die Kameradschaft und der Zusammenhalt – so steht es zumindest auf den Werbeplakaten.
Doch mit der Bundeswehr verhält es sich wie schon vor hundert Jahren: Soldat:in wird man, um in den Krieg geschickt zu werden! Um dort dann wahrscheinlich auch zu sterben. Und das alles für Frieden, Sicherheit und Demokratie?
Wieso werden Kriege geführt – und für wen?
Die Frage danach, warum es denn überhaupt zu Kriegen kommt, wird in der Serie nicht thematisiert. Was auch nicht überraschend ist, denn damit würde sich die Bundeswehr allen voran selbst entlarven. Wir leben in einer Welt, in welcher die Staaten untereinander auf der Jagd nach maximalen Profiten in Konkurrenz zueinander stehen. Diese Widersprüche werden versucht möglichst lang zuzuschütten, sei es durch Diplomatie oder komplexe Handelsbeziehungen – und wenn diese Mittel nicht mehr ausreichen, wird zur Waffe gegriffen. Und das immer zulasten der eigenen Bevölkerung.
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Und genau diese knallharte Realität des Krieges wird in der Serie genauso wenig aufgegriffen. Denn deutsche Friedensbotschaften sehen vor allem so aus: Das zerbombte Belgrad 1999 oder die über hundert von einer deutschen Bombe ermordeten Menschen beim Massaker von Kundus in Afghanistan. Im September 2009 wurden auf Befehl eines deutschen Oberst zwei Tanklastwagen bombardiert, an denen sich zahlreiche Zivilist:innen aufhielten. Diese Menschen sind nie für den „Frieden“ in Deutschland oder Europa ums Leben gekommen, sondern lediglich für wirtschaftliche Interessen.
Doch im Kampf um die Weltherrschaft will Deutschland wieder zur „Führungsmacht“ in Europa werden. Dafür braucht es natürlich haufenweise williges Kanonenfutter. Nicht ohne Grund versucht die Bundeswehr aktuell, die Jugend in allen ihren Lebensbereichen mit Propaganda zu überfluten. Sei es auf riesigen Werbeplakaten, an Straßenbahnen, in der Schule, auf Dönerpapier oder eben auch auf Streaming-Plattformen.
Für eine Generation Klassenkampf!
Mit der Einführung des neuen Wehrdienstes Anfang des Jahres wollen die Kriegstreiber des Landes also wirklich wieder eine „Generation Wehrdienst“ aus der Jugend machen. Bisher noch nicht mit allzu viel Erfolg. Gleichzeitig nimmt die Präsenz der Bundeswehr im Alltag zu und der Schritt zur vollkommenen Wiedereinführung der Wehrpflicht ist deutlich kleiner, als man vielleicht denken mag.
Doch klar sollte dabei sein: Die deutsche Regierung und die Konzerne scheren sich ein Dreck um die Jugend im Land. Der soziale Sektor wird seit Jahren kaputtgespart, es fehlt an Kitaplätzen, an sozialen Angeboten wie Jugendclubs und Sportvereinen, was wiederum zu starker Isolation und Vereinzelung führt. So fasste es zuletzt auch ein Schüler in der BR-Sendung „jetzt red i“ in einer Debatte rund um einen verpflichtenden Wehrdienst zusammen: Deutschland tut nichts für die Jugend und trotzdem soll die Jugend alles für Deutschland tun. Es soll mehr gearbeitet werden, die Rente wird unsicherer und bis dahin sollen wir im Zweifel sogar an die Front gehen.
Als Jugendliche haben wir kein Interesse daran, in den Kriegen der Bonzen verfeuert zu werden. Denn ohne ihr profitorientiertes System würde es gar nicht die Notwendigkeit geben, all diese ungerechten Kriege zu führen. Und einen echten, andauernden Frieden wird es im Kapitalismus nicht geben.
Genau diesen Interessenskonflikt zwischen oben und unten müssen wir immer und immer wieder betonen – sei es in Bezug auf ihre Kürzungspolitik oder den omnipräsenten Rüstungswahn. Wir brauchen keine „Generation Wehrdienst“, wir brauchen eine Generation Klassenkampf!

