In Sangerhausen soll eine Waffenfabrik des israelischen Herstellers Elbit Systems entstehen. Ein Protestbündnis will das verhindern und richtet sich an die Bevölkerung Sangerhausens. In Berlin-Wedding protestierten derweil 3000 Menschen gegen Rheinmetall.
In der sachsen-anhaltinischen Stadt Sangerhausen soll eine Produktionsstätte des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems entstehen. So berichtete zumindest die Mitteldeutsche Zeitung im Mai dieses Jahres. Seit Jahren schon sucht die Gemeinde nach Investoren für ein über 100 Hektar großes Industriegebiet am Stadtrand in der Nähe der Autobahn 38. Aktuell laufen Verhandlungen mit einem Rüstungskonzern über den Kauf der Fläche.
Nach Informationen des MDR stimmte der Stadtrat im Mai zu, die angelaufenen Verhandlungen mit dem Rüstungskonzern fortzusetzen. Seitens der Stadtverwaltung gibt es jedoch weiterhin keine öffentliche Stellungnahme zum Stand der Verhandlungen. Sie fanden im nicht-öffentlichen Teil der Stadtratssitzungen statt.
Durch die Ansiedlung sollen rund 400 Arbeitsplätze entstehen. Die Stadt Sangerhausen hat aktuell eine Arbeitslosigkeit von über 10 Prozent. Seit 1990 ging die Bevölkerungszahl um rund ein Drittel zurück.
„Genozid beginnt hier“ – Über 100 Menschen beim Shut Elbit Down-Camp in Ulm
Elbit ist wichtiger Partner der israelischen Armee
Elbit Systems, der größte private israelische Waffenhersteller, ist einer der wichtigsten Lieferanten des israelischen Militärs. Zu den Produkten von Elbit Systems gehören neben Drohnen auch Artillerie- und Raketensystems, Fahrzeuge und militärische Ausrüstung. Die Waffen und Drohnen von Elbit Systems werden nachgewiesenermaßen im Genozid in Gaza und den israelischen Angriffskriegen im Libanon oder dem Iran verwendet. Elbit Systems beliefert weltweit Armeen, wie etwa auch die deutsche Bundeswehr.
Das Tochterunternehmen Elbit Systems Germany betreibt bislang vier Standorte in Deutschland. Neben dem Hauptstandort in Ulm gibt es Niederlassungen in Berlin, Koblenz und Norddeutschland. Dort werden hauptsächlich Funkkommunikation, sensorische Kriegsgeräte und Drohnen hergestellt.
Der Hauptsitz in Ulm erreichte bundesweite Bekanntheit durch den Angriff der „Ulm 5“ der Gruppe Palestine Action Germany. Die fünf internationalen Aktivist:innen brachen im September 2025 in den Ulmer Sitz von Elbit ein und zerstörten Computer, Telefone und Labortechnik im Inneren des Gebäudes im Wert von über einer Million Euro. Aktuell stehen sie vor Gericht und müssen mit langen Haftstrafen rechnen.
Protestbündnis gestartet
Doch gegen die mögliche Ansiedlung von Elbit Systems in Sangerhausen regt sich Widerstand. Am vergangenen Samstag startete das Bündnis Keep Elbit out Sangerhausen eine Kampagne gegen die Waffenfabrik. Das Bündnis besteht laut eigenen Angaben aus verschiedenen Organisationen, Parteien und Einzelpersonen aus Sangerhausen und dem Umland. In einem ersten offenen Brief an die Bürgerinnen und Bürger Sangerhausens übt das Bündnis Kritik am Bürgermeister Torsten Schweiger (CDU).
Unter dessen Verantwortung wurde die Diskussion über die Ansiedlung in den nicht-öffentlichen Teil des Stadtrates verlegt. So fehlten nach Ansicht des Bündnisses Transparenz und Mitspracherecht der Bevölkerung. Das Bündnis positioniert sich zudem konkret gegen das Unternehmen Elbit Systems, dessen Produkte zur Unterdrückung der palästinensichen Bevölkerung und schwersten Kriegsverbrechen verwendet werden.
Das Bündnis machte zudem darauf aufmerksam, dass durch eine Waffenfabrik das Stadtgebiet laut Genfer Konventionen zum legitimen Kriegsziel wird und damit direkt militärische Angriffe auf Sangerhausen durch Kriegsparteien drohen. Nach Angaben des Bündnisses wurde der Offene Brief an die Bevölkerung Sangerhausens bereits an 5.000 Personen verteilt.
3000 Personen auf Demonstration im Wedding
Auch in der deutschen Hauptstadt Berlin regt sich zunehmend Widerstand gegen Aufrüstung und Waffenfabriken. Am Samstag demonstrierten nach Aufruf des Berliner Bündnisses gegen Waffenproduktion rund 3000 Personen gegen den Standort des Rüstungskonzerns Rheinmetall im Berliner Stadtteil Wedding. Der Standort wird aktuell schrittweise von einem Automobilzulieferer zu einer Produktionsstätte für Munition umgebaut.
Immer wieder kam es zu Demonstrationen, Nachbarschaftsversammlungen und Blockaden von Rheinmetall in Berlin Wedding. Vergangenen Donnerstag kam es zu Blockade-Aktionen von 90 Aktivist:innen gegen die Munitionsfabrik. Die Blockaden wurden anschließend gewaltsam von der Polizei geräumt. Auch bei der Demonstration am Samstag kam es zu massiver Polizeigewalt und zahlreichen Festnahmen.
Blockade-Aktion gegen neue Munitionsfabrik von Rheinmetall in Berlin-Wedding
Aufrüstung „frisst sich durch“
An beiden Standorten ordnen beteiligte Gruppen die Ausweitung von Rüstungsproduktion in Deutschland in globale Entwicklungen von Aufrüstung und Kriegsvorbereitung ein. Die sozialistische Jugendgruppe Internationale Jugend Sangerhausen erklärte „nun hat sich diese Aufrüstungskampagne auch in unsere Heimatstadt durchgefressen“ und fügte an, dass eine verstärkte Rüstungsindustrie die Probleme ostdeutscher Kleinstädte und vor allem Jugendlicher nicht lösen wird.
Auch das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion beschreibt in einem Statement, dass Kriegsindustrie kein Ausweg aus Krise und Kürzungen seien. „Die Kriegswirtschaft verschlechtert unser Leben und spült Steuergelder in die Hände reicher Konzernchefs. Von den langfristigen Folgen eines Krieges, in den das zwangsläufig mündet, ganz zu schweigen“, erklärte das Bündnis.

