Krieg ohne Ende: Ukraine intensiviert Angriffe auf russische Infrastruktur

Die Ukraine greift Russland zunehmend auch weit hinter der Front an. Im Visier stehen Öltanker, Handelsschiffe und Logistikzentren. Trotz ausbleibender Durchbrüche auf dem Schlachtfeld eskaliert der Krieg weiter – mit immer neuen Opfern auf beiden Seiten.

Die Ukraine hat die Intensität der Angriffe gegen Russland in den letzten Wochen erhöht. Seit Anfang des Monats hat die ukrainische Armee vor allem russische Handelsschiffe im Asowschen Meer mit Drohnen beschossen. Die Schiffe sind Ziele, weil sie Öl und Treibstoff unter anderem zur besetzten Krim transportieren.

Am Wochenende griff die Ukraine zudem Schiffe im Kaspischen Meer an – nach eigenen Angaben handelte es sich um Schiffe mit Bezug zum Iran, die Militärgüter transportiert haben sollen, sowie um ein Kriegsschiff. Bei einem der Angriffe wurde ein Matrose getötet, ein weiterer verletzt. Die iranische Regierung verurteilte den Angriff auf das iranische Handelsschiff scharf: Dieser sei ein Akt der Aggression und würde gegen die UN-Charta verstoßen. Das iranische Außenministerium bestellte den ukrainischen Geschäftsträger in Teheran ein, um gegen den aus seiner Sicht „feindseligen und kriminellen“ Angriff zu protestieren.

Infrastruktur besonders im Visier

Die Angriffe reihen sich in anhaltende Attacken auf russische Infrastruktur ein: So wurden in den letzten Tagen auch mehrere Logistikzentren des russischen Online-Versandhändlers Wildberries mit Drohnen angegriffen – Stand 25. Juli waren es acht Lagerhallen seit dem 18. Juli, mit Schäden unter anderem in St. Petersburg, Leningrad, der Krim und weiteren Regionen.

Ukraine-Krieg: Der Kriegsalltag verschiebt sich, doch ein Ende ist nicht in Sicht

Die Firma spielt in Russland eine ähnliche Rolle wie Amazon in den USA. Angegriffen wurde sie laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, weil die Logistikzentren auch der russischen Armee als Nachschubwege dienen würden – etwa für Drohnenteile, Navigationsgeräte und militärisches Gerät.

Auch Russland führt weiterhin Angriffe aus. So griff das russische Militär vor wenigen Tagen unter anderem eine Rüstungsmesse in der Nähe von Kiew mit einer ballistischen Rakete an. Mindestens zehn Menschen wurden dabei getötet, fast 100 weitere verletzt.

Doch auch die Ukraine greift nicht ausschließlich Infrastruktur an: In der Region Saporischschja in dem von Russland besetzten Teil der Südukraine traf ein ukrainischer Drohnenangriff eine touristische Einrichtung in der Siedlung Kyryliwka – nach Angaben der russischen Besatzungsbehörden wurden dabei mindestens elf Menschen getötet, darunter vier Kinder.

Dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) zufolge setze die Ukraine aktuell auf maximale Drohnenproduktion und punktgenaue Tiefenschläge gegen russische Öl- und Gasinfrastruktur, während Moskau versuche, kritische Infrastruktur sowie politische und wirtschaftliche Zentren wie Kiew zu treffen, um die Ukraine zum Einlenken zu zwingen.

Kein Ende in Sicht? Neue Eskalationen und wachsende Mobilisierungsprobleme im Ukraine-Krieg

Das Sterben nimmt kein Ende

Das Institute for the Study of War (ISW) erklärte Anfang Juli, dass Russlands Frühjahrs-Sommer-Offensive 2026 bislang keine operativ bedeutsamen Geländegewinne erzielt habe – das Tempo beim Vorrücken betrage nur einen Bruchteil von dem des Vorjahrs, bei gleichzeitig hohen eigenen Verlusten. Das CSIS beziffert die russischen Gesamtverluste mittlerweile auf rund 1,4 Millionen Soldat:innen, davon etwa 450.000 Gefallene.

Sowohl Soldat:innen als auch Zivilist:innen werden weiterhin beinahe tagtäglich Opfer des Kriegs, und die Unzufriedenheit in beiden Ländern wächst. Der Atlantic Council sieht jedoch z.Zt. die Ukraine im Vorteil. Ukrainische Truppen hätten in ihrem Frontabschnitt in den letzten sechs Monaten rund 500 Quadratkilometer zurückerobert. Auch die Stimmung an der Front sei so gut wie seit Kriegsbeginn nicht mehr.

Die Armeen der Länder sollen jedoch beide mit erheblichen Rekrutierungsschwierigkeiten zu kämpfen haben und setzen auf Zwangsrekrutierungen. Laut dem ukrainischen Präsidenten Selenskij bereite Russland unfreiwillige Reservisten-Einberufungen vor und erwarte rund 30.000 neue nordkoreanische Soldat:innen.

Auch die Ukraine selbst kämpft mit einer eskalierenden Mobilisierungskrise: Seit Kriegsbeginn hat die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft laut dem Centre for Eastern Studies mehr als 255.000 Verfahren wegen unerlaubter Abwesenheit und über 56.000 wegen Desertion registriert. Anfang Juli kam es zudem in Lwiw zu Unruhen, nachdem Rekrutierungsbeamte einen Mann festgenommen hatten, der im Verdacht stand, sich der Wehrpflicht zu entziehen.

Kanonenfutter aus dem Ausland: Ukraine rekrutiert Legionäre mit EU-Milliarden

Der neue Oberbefehlshaber des ukrainischen Militärs, Mykhailo Drapatyi, kündigte vor wenigen Tagen an, offensive Operationen in allen Bereichen intensivieren zu wollen. Und auch der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich von der jüngsten Bitte des kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew, den Krieg einzufrieren und zur „Istanbul-Formel 2.0“ zurückzukehren, unbeeindruckt: Ein Einfrieren des Konflikts sei angesichts der Position Kiews unmöglich, ließ Putin über seinen Sprecher Dmitri Peskow mitteilen – militärische Handlungen könnten aber sofort eingestellt werden, wenn Kiew entsprechende Entscheidungen träfe.

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